• vom 23.09.2016, 17:36 Uhr

Ausbildung & Arbeitswelt

Update: 23.09.2016, 17:44 Uhr

Deutschland

"Wir schaffen das" - Aber wie?




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Von WZ-Korrespondentin Christine Zeiner

  • Integration von Flüchtlingen in Deutschland: Es hakt bei Sprachkursen und Zugang zum Arbeitsmarkt.

Schule, Ausbildung, Job: Sprachkurse für Flüchtlinge sind in Deutschland Priorität.

Schule, Ausbildung, Job: Sprachkurse für Flüchtlinge sind in Deutschland Priorität.© dpa/Gregor Fischer Schule, Ausbildung, Job: Sprachkurse für Flüchtlinge sind in Deutschland Priorität.© dpa/Gregor Fischer

Berlin. Rumsitzen, warten, nichts tun - das gab es bisher im Leben von Ali und Anmar nicht. Beide sind seit fast einem Jahr in Deutschland. In Afghanistan hat Ali zu arbeiten begonnen, als er noch keine zehn Jahre alt war. Anmar studierte in Syrien und entschloss sich dann zu einem handwerklichen Beruf. Zwölf-Stunden-Tage waren keine Seltenheit für ihn.

Im Oktober 2015 kam Anmar in Deutschland an. Nach unzähligen Versuchen erhielt er schließlich zwei Monate später bei der zuständigen Behörde einen Termin und wurde als Asylsuchender registriert. Seither wartet Anmar auf einen Termin für die Anhörung. Erst anschließend ist klar, ob und wie lange er in Deutschland bleiben darf. Ähnlich erging es Ali.


"Wir schaffen das", sagte Angela Merkel vor einem Jahr - aber es hakt an vielen Stellen. Die zuständigen Behörden kommen mit der Bearbeitung nicht hinterher. Wer wann einen Termin zur Anhörung erhält, ist nicht vorauszusehen. Ohne eine Aufenthaltserlaubnis ist es allerdings schwierig, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Rechtlich ist dies frühestens drei Monate nach der Registrierung möglich - wobei das letzte Wort die Ausländerbehörde hat. Und selbst wenn die Ausländerbehörde eine Arbeitserlaubnis erteilt, sind bis zu dieser Entscheidung oft Wochen oder Monate vergangen.

Rukan Malas berät Flüchtlinge bei "Job Point".

Rukan Malas berät Flüchtlinge bei "Job Point".© Christine Zeiner Rukan Malas berät Flüchtlinge bei "Job Point".© Christine Zeiner

Für alle Geflüchteten, egal ob sie noch auf ihre Anhörung warten oder bereits eine Aufenthaltserlaubnis haben, gilt ohnehin: "Eine Stelle ohne Deutschkenntnisse auf B1-Niveau zu bekommen, ist fast nicht möglich", sagt Rukan Malas. Sie arbeitet als Beraterin bei der Einrichtung "Job Point". Die Idee stammt aus den Niederlanden: Kostenlos und unbürokratisch kann jeder in eine der von der öffentlichen Hand mitfinanzierten Zweigstellen kommen und sich Hilfe bei der Arbeitssuche holen. Malas steht in engem Kontakt mit Unternehmen, sie kennt deren Anforderungen und Bedürfnisse und weiß auch um bürokratische Probleme und lange Wartezeiten. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft und des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo sagen beispielsweise 63 Prozent der befragten Betriebe, eine große Hürde für die Einstellung von Geflüchteten - besonders als Lehrlinge - sei die Unsicherheit über deren Aufenthaltsdauer. Dazu kämen fehlende Sprachkenntnisse.

Integrationskurs erst nach Asyl
"Die deutsche Sprache ist das A und O für einen Job", sagt Malas. Üblicherweise wird die Sprachkompetenz in den Stufen A1, A2, B1, B2, C1, C2 angegeben. Der staatliche Sprachkurs für Migranten und Flüchtlinge - der sogenannte Integrationskurs - führt zum Niveau B1. Nicht alle Asylsuchenden dürfen daran allerdings teilnehmen. Auch jene, die das Recht oder die Pflicht haben, einen Integrationskurs zu besuchen, müssen mitunter lange auf einen Platz warten, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Ausgabe vom Freitag.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-09-23 17:41:07
Letzte Änderung am 2016-09-23 17:44:19


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