• vom 28.06.2018, 07:00 Uhr

Ausbildung & Arbeitswelt

Update: 28.06.2018, 07:32 Uhr

Schulschluss

Gekommen, um zu lernen




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Von Petra Tempfer

  • Schulschluss an der Oskar Spiel Schule im 15. Bezirk in Wien: 98 Prozent der Volksschüler haben hier Migrationshintergrund - sie lernen mithilfe der Individualpsychologie nicht nur Deutsch, sondern werden auch auf sozialer Ebene unterrichtet.

Beim morgendlichen Gesprächskreis erzählen die Kinder den zwei Lehrerinnen Martina Härtlein-Wögerbauer (l.) und Anita Schedl, wie es ihnen geht. - © Stanislav Jenis

Beim morgendlichen Gesprächskreis erzählen die Kinder den zwei Lehrerinnen Martina Härtlein-Wögerbauer (l.) und Anita Schedl, wie es ihnen geht. © Stanislav Jenis




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Wien. Ist ein islamisches Fest wie das Fastenbrechen, kann es sein, dass nur sehr wenige Volksschüler in die Oskar Spiel Schule im 15. Bezirk in Wien kommen. Die Gänge mit den bunten Bleistiftzeichnungen und Fotos lachender Kinder sind dann fast leer. In den Klassenzimmern lässt nur die Anzahl der kleinen Holzsessel die eigentliche Schülerzahl erahnen. 98 Prozent der Kinder haben hier Migrationshintergrund, viele sind aus Kriegsgebieten geflüchtet. Der Großteil ist muslimisch, ein kleiner Anteil ist katholisch, serbisch, syrisch oder bulgarisch orthodox.

Die öffentliche Volksschule spiegelt die Gesellschaft des Schulsprengels wider. Eine der Hauptaufgaben ist, die Kinder Deutsch zu lehren - mindestens genauso wichtig sei aber, die soziale und emotionale Ebene intensiv zu fördern, sagt Direktorin Ulrike Madzar. Und zwar mithilfe der Individualpsychologie, deren Mitinitiator Oskar Spiel (1892-1961) als Namensgeber der Schule fungierte.

Innere Entwicklung wird in den Mittelpunkt gerückt

Im Gegensatz zum bis dahin praktizierten, streng autoritären Unterricht, der auf einem gewissen Drill basierte, stellt die 1907 begründete Individualpsychologie den Menschen und dessen innere Entwicklung in den Mittelpunkt. An der Oskar Spiel Schule, die es seit genau 30 Jahren gibt, unterrichte man in diesem Sinne alle Kinder individuell und ihren Bedürfnissen entsprechend, sagt Madzar.

"Ich habe an der Schule besonders schön gefunden, dass wir gemeinsam gelesen, gearbeitet, gespielt haben", sagt ein Viertklässler in gebrochenem Deutsch beim morgendlichen Gesprächskreis, der - nach dem Fastenbrechen - wieder vollzählig ist. Zwölf Kinder knien oder sitzen auf orangefarbenen Pölstern im Kreis, vor sich Plastikteller und -becher in Rosa, Grün, Gelb oder Blau. Das Wasser in den Bechern haben sich die meisten Kinder vom Waschbecken in der Kochnische des Klassenzimmers selbst geholt. Einige haben ihre eigene Jausendose mit, außerdem werden Äpfel, geschnittene Butterbrote und Paprika im Kreis herumgereicht. Mit diesen wandert auch eine Papieruhr durch die Runde, auf der anstelle der Ziffern quietschgelbe Smileys mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken von hellauf lachend bis weinend abgebildet sind.

"Ich bin traurig, dass du weggehst", sagt ein weiteres Kind leise und stellt den Zeiger der Papieruhr auf einen nicht ganz so fröhlichen Smiley. "Ich werde dich vermissen."

Nur einige der Kinder dieser Klasse werden die Schule am Ende dieses Schuljahres verlassen, um an eine weiterführende Schule zu wechseln. Es ist die Kleinklasse der Oskar Spiel Schule, in der zwölf Sechs- bis Elfjährige, die besonderen Bedarf im sozialen und emotionalen Bereich haben und damit auch besondere Lernbegleitung brauchen, gemeinsam von zwei Lehrerinnen unterrichtet werden. In den regulären, größeren Klassen mit 25 Schülern, von denen es pro Schulstufe je zwei gibt, ist allerdings ein Fixplatz für jeden von ihnen reserviert. Die Schüler der Kleinklasse können somit stundenweise oder auch für einen längeren Zeitraum in die Großklasse wechseln. Da wie dort bekommen sie Hausübungen auf und schreiben, sobald sie das Alter der vierten Schulstufe erreicht haben, Schularbeiten.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-27 16:10:52
Letzte Änderung am 2018-06-28 07:32:32


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