• vom 26.03.2012, 16:58 Uhr

Gesellschaft

Update: 01.05.2012, 16:11 Uhr

Essen

"Negerbrot" wäre klagbar




  • Artikel
  • Kommentare (10)
  • Lesenswert (17)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Yordanka Weiss

  • Mohr im Hemd, Zigeunerschnitzel und Negerbrot sind immer noch in den Wiener Geschäftslokalen zu haben
  • Neue Aspekte in der Debatte um diskriminierende Speisenamen.

Wien. Speise- und Getränkebezeichnungen sowie Firmenlogos können Menschen herabwürdigen und beleidigen und gehören daher in Österreich abgeändert. So lautet eine Botschaft der Sensibilisierungskampagne des Vereins SOS-Mitmensch. Als diskriminierend gelten dabei solche Gruppenbezeichnungen, die von der betroffenen Gruppe abgelehnt werden. Dazu gehören Worte wie "Neger" (das "N-Wort"), teils aber auch "Mohr" oder "Zigeuner".

Für viele ist der Kuchen mit Schokosauce noch immer ein "Mohr im Hemd".

Für viele ist der Kuchen mit Schokosauce noch immer ein "Mohr im Hemd".© waldhaeusl/imagebroker/Martin Siepmann Für viele ist der Kuchen mit Schokosauce noch immer ein "Mohr im Hemd".© waldhaeusl/imagebroker/Martin Siepmann

Der Vorschlag, beleidigende Speise- und Getränkebezeichnungen zu ändern, löste eine unerwartete Flut an Reaktionen aus, darunter waren skeptische, teils aggressiv ablehnende und hasserfüllte Meinungen: "Sie haben Mohrenbräu vergessen", "Trotz allem werden wir unsere Negerküsse essen", "Gehören Menschen mit Migrationshintergrund zum deutschen Volk?" stand in einigen Mails, die SOS-Mitmensch bekam.


Alexander Pollak von SOS-Mitmensch verteidigt die Kampagne: "Bezeichnungen sind ersetzbar, die Menschenwürde - nicht." Es gehe um Respekt und menschliche Korrektheit. Alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion, Hautfarbe sollten gleichermaßen respektiert werden. Wie wichtig für Österreich Gemüsebezeichnungen sind, habe man im Zuge des EU-Beitritts bewiesen. Damals wurden "typisch österreichische" Bezeichnungen wie "Erdäpfelsalat" unter Schutz gestellt. Die Politik hat das ernst genommen. Wie schaue es nun mit diskriminierenden Gruppenbezeichnungen aus, die die Identität und Anerkennung anderer Menschen betreffen?

Die FPÖ fand die Forderungen absurd und sprach ironisch von "deutlich diskriminierenden Tendenzen" auch bei Bezeichnungen wie "Wiener Schnitzel" und "Frankfurter Würstchen". Dazu meint Rudolf Sarközi, Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma: "Roma ist eine Eigenbezeichnung, Zigeuner - eine Fremdbezeichnung." Die FPÖ hat diese Unterscheidung ignoriert.

Gleiches gilt für Afrikaner: Diese haben sich nicht selber Bezeichnungen wie das "N-Wort" gewählt, sondern bekamen diese von Leuten, die sie als Sklaven gehalten haben. "Wörter wie Mohr sind für Schwarze eine schwere Beleidigung", betont Simon Inou, Geschäftsführer von M-Media. Wenn man diese Wörter weiter verwende, dann wiederhole man nur bereits bestehende Stereotype.

So sieht das auch Verena Krausneker, Sprachwissenschafterin an der Universität Wien: "Einer der Schritte im Prozess der Versklavung von Menschen war es, ihnen ihre Namen zu nehmen und sie durch das N-Wort zu ersetzen. Mit den Namen stahlen die Versklaver den Versklavten die Identität und stifteten die Tradition im Geben von stigmatisierenden Ersatznamen."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Essen, Rassismus

10 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-03-26 17:05:08
Letzte Änderung am 2012-05-01 16:11:11


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Kritik an und Anzeige gegen Waldhäusl
  2. Grüne wollen U-Ausschuss zu Drasenhofen
  3. Jugendliche Flüchtlinge werden verlegt
  4. Kickl hatte kein Problem mit Drasenhofen-Quartier
  5. Asylunterkunft gleicht "Straflager"
Meistkommentiert
  1. Jugendliche Flüchtlinge werden verlegt
  2. Kritik an und Anzeige gegen Waldhäusl
  3. Onlinepetition für "modernes Bleiberecht" gestartet
  4. Grüne wollen U-Ausschuss zu Drasenhofen
  5. Kickl hatte kein Problem mit Drasenhofen-Quartier

Werbung




Werbung