• vom 07.08.2012, 17:04 Uhr

Gesellschaft

Update: 08.08.2012, 12:37 Uhr

Theater

"Sehe mich nicht als Zugroaste"




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Von Toumaj Khakpour

  • Die Direktorin des Theaters am Spittelberg, Nuschin Vossoughi über den Zeitgeist, Wien und Integration
  • Vossoughis Festivals sind ebenso Wien-typisch wie interkulturell.

Wien. Seit 30 Jahren prägt die gebürtige Iranerin Nuschin Vossoughi mit ihren Projekten die österreichische Kulturszene. Das A-cappella-Festival "Voicemania", die Konzertreihe "Wien im Rosenstolz" oder - seit fast zehn Jahren - das Theater am Spittelberg tragen ihre Handschrift. Sie ist bekannt für ebenso Wien-typische wie interkulturelle Festivals.

"Das Wort Integration nehme ich fast nie in den Mund", beknnt die Kunstinitatorin Nuschin Vossoughi.

"Das Wort Integration nehme ich fast nie in den Mund", beknnt die Kunstinitatorin Nuschin Vossoughi.© Theater am Spittelberg/Archiv "Das Wort Integration nehme ich fast nie in den Mund", beknnt die Kunstinitatorin Nuschin Vossoughi.© Theater am Spittelberg/Archiv

"Wiener Zeitung": Sie kamen achtjährig mit Ihrer Mutter nach Wien. Was waren Ihre ersten Eindrücke?


Nuschin Vossoughi: Vom Wetter her war es mir zu kalt. Aber die Leute haben mich sehr positiv aufgenommen. Für viele war ich ein "exotisches Wesen", allerdings im positiven Sinne. Deswegen habe ich dieses Ausländer-Sein im Grunde nie richtig gespürt. Dabei spielte die Sprache und Bildung wohl eine erhebliche Rolle. Damit kannst du dich wehren und mitreden. Gleichzeitig muss man sich auch vor Augen führen, dass in den 60ern und 70ern andere Zeiten waren, wenngleich Wien nicht so vielfältig war wie heute.

Damals haben Sie Freunde als "schwarzer Teufel" bezeichnet.

Ja, wobei das damals ehrlich liebevoll gemeint war und in einem freundschaftlichen Kontext stattgefunden hat. Trotzdem habe ich deswegen damals oft geweint. Wenn ich so etwas heute zu hören bekommen würde, dann würde ich es als besonders ekelhaft empfinden.

Wie sind Sie mit ihrer iranisch-österreichischen Identität umgegangen?

Bei uns zu Hause wurde nur Persisch gesprochen, daher war die Sozialisation anders als in der Schule. Ich war sicherlich auch hin- und hergerissen, weil es in Kulturgemeinschaften ja auch selbstverständliche Abläufe gibt, die sich der jeweiligen Kultur anpassen. Aber mit der Zeit wurde diese Doppelidentität zur Stärke: Die österreichische Korrektheit einerseits und die orientalische Großzügigkeit andererseits können in Verbindung miteinander durchaus von Vorteil sein.

Sie haben einmal erwähnt, sich trotz des Erfolgs "nicht als Teil des Ganzen" zu fühlen. Inwiefern?

Eines vorweg: Heute genieße ich breite Anerkennung und ehrlichen Respekt in der österreichischen Kulturszene. Das war aber nicht immer so: Manchmal hatte ich Momente, die für mich trotz meiner österreichischen Sozialisation schwierig zu verstehen waren. Ein Beispiel: Herr Antel, ein großartiger österreichischer Filmemacher, kam vor zwölf Jahren zu meiner ersten Aufführung von "Wien im Rosenstolz" im ehrwürdigen "Schmid Hansl". Er ist hereingekommen und hat mir seinen Mantel über die Kassa hingeschmissen, als wäre ich ein Garderobier. Ich entgegnete dann liebevoll: "Da gibt es einen Kleiderhaken, hängen sie den bitte dort auf." Zu diesem Zeitpunkt konnte sich niemand vorstellen, dass eine mit persischen Wurzeln das Wienerliedfestival konzipiert und leitet. Da habe ich es wahnsinnig zu spüren bekommen, dass ich nicht zur etablierten Wiener Szene gehöre. Heute ist das freilich ganz anders.

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Dokument erstellt am 2012-08-07 18:05:03
Letzte Änderung am 2012-08-08 12:37:27



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