• vom 26.11.2012, 17:32 Uhr

Gesellschaft


Burgenlandkroaten

Stirbt der Krowodnrock aus?




  • Artikel
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Heike Hausensteiner

  • Am Samstagabend feierte die Kuga Geburtstag mit einer "Croatisada" mit Harri Stojka und Coffeeshock
  • Das Burgenlandkroatisch ist auf 20.000 bis 30.000 Sprecher geschrumpft.

An der Kuga führt kein Weg vorbei, interessiert man sich für burgenlandkroatische Kultur.

An der Kuga führt kein Weg vorbei, interessiert man sich für burgenlandkroatische Kultur.© Hausensteiner An der Kuga führt kein Weg vorbei, interessiert man sich für burgenlandkroatische Kultur.© Hausensteiner

Wien. Die Brüder Lukas, Willi und Peter Resetarits, die Minister Nikolaus Berlakovich und Norbert Darabos, Fußballer Andreas Ivanschitz, TV-Moderatorin Barbara Karlich - sie alle haben etwas gemeinsam: Sie sind Burgenlandkroaten, ob aus Stinatz, Nebersdorf, Kroatisch Minihof, Baumgarten oder Trausdorf. Und sie waren wohl schon in der Kuga. Das ist die Kulturvereinigung beziehungsweise "KUlturna zadruGA" in Großwarasdorf/Veliki Boritof.

Das 1400-Einwohner-Dorf in unmittelbarer Nachbarschaft zum Franz-Liszt-Ort Raiding sei so etwas wie "der Nabel der kroatischen Welt im Burgenland", sagt Joko Vlasich. Hier sind 80 Prozent Kroaten. Im drei Kilometer entfernten Raiding sprechen alle Deutsch. In dem Gebiet des einstigen Deutsch-West-Ungarn reihen sich ab Großwarasdorf zehn kroatische Ortschaften im Bezirk aneinander wie auf einer Perlenkette. Arbeitsplätze sind in der wirtschaftlich strukturschwachen Gegend dünn gesät, viele wandern daher ab in die eine Autostunde entfernte Bundeshauptstadt.


Schleichender Exodus
Diesem schleichenden Exodus etwas entgegenzusetzen war eine Überlegung bei der Gründung der Kuga. Eine "ethnozentristische Sichtweise" wollte man aber von Anfang an vermeiden. Die Kuga möchte ein interkulturelles Zentrum sein, betont Joko Vlasich im Interview mit der "Wiener Zeitung". Im Zivilberuf Deutsch- und Russischlehrer an einem Gymnasium, ist er der Gründervater des Kulturzentrums. Wobei seine Rockband Bruji - oder The Brew, wie sie sich anfänglich nannte - Geburtshelfer war.

Die alte Dorfschule, in der die Gruppe ab den 1960er Jahren probte, gehörte der katholischen Kirche. "Wir gingen", erzählt Vlasich, "zum Pfarrer und sagten ihm, da könnten wir mehr daraus machen als einen Probenraum." Und der Pfarrer gab grünes Licht. Die Bevölkerung war allerdings skeptisch.

Die Zukunft der alten Schule sollte basisdemokratisch gestaltet werden, bei den Besprechungen wurde simultan übersetzt. Dass die Initiatoren die Kuga nicht nur am Kroatischen ausrichten wollten, brachte ihnen den Vorwurf ein, "germanisieren" zu wollen. Aber, erläutert Vlasich, "andere Kulturen lassen wir zu uns kommen". Seien es österreichische Kabarettisten, Roma- oder ungarische Musiker.

Vorbild Wiener Arena
Vorbild als alternatives Kulturzentrum war die in den 1970ern eröffnete Wiener Arena. Auch die Kuga wollte Platz schaffen für Kreatives und die Jugendarbeit fördern. 1982 wurde sie als Kulturgenossenschaft gegründet. Am Samstag feierte die Kuga ihren 30. Geburtstag mit einer "Croatisada", einer Art Leistungsschau in der Kuga-Galerie; mit dabei sind auch Österreichs bedeutendster Roma-Jazzmusiker, Harri Stojka, sowie die burgenlandkroatische Band Coffeeshock Company mit ihrem "Pannonischen Reggae-Stil", bei der es sich um einstige Schüler der Band Bruji handelt.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-11-26 17:38:06


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der Geldbote
  2. Grüne fordern Asyl für Asia Bibi
Meistkommentiert
  1. Grüne fordern Asyl für Asia Bibi

Werbung




Werbung