• vom 08.02.2013, 16:16 Uhr

Gesellschaft

Update: 08.02.2013, 19:29 Uhr

Wien

Iranerin will Wienerlied retten




  • Artikel
  • Lesenswert (20)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Solmaz Khorsand

  • Sie sollte Ärztin oder Rechtsanwältin werden, aber kein Clown, der auf der Bühne Grimassen schneidet
  • Die Kabarettistin Aida Loos weiß eine Wiener Wuchtel zu schieben.

"Wien ist ein Sumpf, der dich hinunterziehen kann, aber in dem auch viel gedeiht", sagt Loos.

"Wien ist ein Sumpf, der dich hinunterziehen kann, aber in dem auch viel gedeiht", sagt Loos.© Khorsand "Wien ist ein Sumpf, der dich hinunterziehen kann, aber in dem auch viel gedeiht", sagt Loos.© Khorsand

Wien. Österreicher haben eine eigene Art zu niesen. Aida Loos macht es vor. Sie holt tief Luft, verzieht das Gesicht und grunzt ein entnervtes "na geh bitte" oder "net schon wieder". Wenn der Österreicher dann tatsächlich niesen muss, unterdrückt er es. Bloß nicht auffallen lautet seine Devise. So erklärt Loos die österreichische Mentalität anhand einer einzigen Körperfunktion: Jammerlappen, die nicht auffallen wollen. Anthropologie light.

Seit vergangenem Sommer mischt die 32-Jährige die heimische Kabarettszene auf. In ihrem Debüt "Hartes Loos" parodiert die gebürtige Iranerin das keppelnde Wiener Weib genauso wie den präpotenten Psychiater und die essgestörte Perserin. Und wird prompt als neues Poster-Girl gefeiert. Endlich wieder einmal eine Frau, die sich in einer Männerdomäne behauptet, noch dazu eine mit "Migrationshintergrund". Österreich hat wieder eine Ausländerin gefunden, die man als integriertes Aushängeschild bewerben kann.


Loos ist goschert
"Ich finde beides nicht so nennenswert, aber wenn es die Menschen interessiert", sagt Loos und zuckt mit den Schultern. Sie spricht breiten Wiener Dialekt, ist "goschert" und mag es nicht zu "motschkern." Lange hat sie gebraucht, um dieses Österreich zu verstehen. Die Lethargie, dass man dem Leben "so wenig Muße und Leidenschaft" entgegenbringen kann. "Mittlerweile verstehe ich das Phlegmatische besser und bin es auch mehr oder weniger, ob ich will oder nicht", sagt sie. "Der Österreicher ist anders, es dauert sehr lange, bis man bei ihm ankommt. Ich musste andere Dinge sehen, um das begreifen zu können, ihn nicht in eine Schublade zu tun und das Verhalten auch nicht persönlich zu nehmen."

Endlich in Bananenrepublik
Geboren in Teheran, kam Loos mit ihren Eltern und Geschwistern 1985 nach Österreich, unmittelbar nach der Islamischen Revolution. Eigentlich heißt sie Aida Hossein. Loos ist ihr Künstlername, weil ihr die vielen "Os" nicht nur phonetisch gefallen, sondern der Name auch als Hommage an den österreichischen Architekten Adolf Loos verstanden werden kann. Sie schätzt ihn wegen seiner minimalistischen Arbeit.

Man hat ihre Familie beneidet, dass sie nach Österreich zog, weil es hierzulande etwas gab, was im postrevolutionären Iran eine Rarität war: Bananen. Wie Kaviar wurde die Frucht behandelt, was für ein Segen für die Hosseins, in ein Land auszuwandern, in dem es das erlesene Obst en masse gab.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-02-08 16:20:05
Letzte Änderung am 2013-02-08 19:29:29


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Zahl der Einbürgerungen steigt weiter
  2. EU kippt österreichische Regelung gegen "Sozialdumping"
  3. Grüne fordern Asyl für Asia Bibi
  4. Der Geldbote
Meistkommentiert
  1. Grüne fordern Asyl für Asia Bibi
  2. Zahl der Einbürgerungen steigt weiter
  3. EU kippt österreichische Regelung gegen "Sozialdumping"

Werbung




Werbung