• vom 04.03.2014, 16:26 Uhr

Gesellschaft

Update: 05.03.2014, 09:11 Uhr

Rassismusvorwurf

Blackface und N-Wort: Kunst oder Rassismus?




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Von Eva Zelechowski

  • Mehrere Vereine kritisieren die "rassistische Inszenierung" im Programm.

20140304_Festwochen - © Wiener Festwochen

20140304_Festwochen © Wiener Festwochen

Vier Frauen mit schwarz angemalten Gesichtern – über ihnen der Titel "Die Neger". Dieses Bild des Theaterstücks von Jean Genet, neu inszeniert von Johan Simons, ist derzeit auf der Website der Wiener Festwochen zu sehen. Das Schauspielhaus sieht sich nun mit Rassismusvorwürfen konfrontiert. "Pamoja" – die junge afrikanische Diaspora in Österreich übt in einer Aussendung harsche Kritik an der "rassistischen Inszenierung" und fordert eine Entfernung des Stücks aus dem Wiener Festwochenprogramm.

Problematisch sei nicht nur der Titel "Die N****, sondern auch, dass im Programmheft sowie auf der Website weiße Schauspielerinnen abgebildet sind, die schwarz angemalt sind und Schwarze Menschen darstellen sollen", heißt es in der "Pamoja"-Aussendung auf Facebook. Durch das "Blackfacing", so der Begriff für die rassistische Darstellung schwarzer Menschen, verharmlose hier eine diskriminierende und (neo)koloniale Praxis.


In Genets Uraufführung "Clownerie" von 1958 steht die Hautfarbe als Stigma für Außenseiter im Mittelpunkt und Schwarze seien für ihn die Unterdrückten und Diskriminierten, schreibt Johans auf der Website der Festwochen.

"Weder aufgeklärt noch zu kritischem Denken angeregt"

"Die Wiener Festwochen geben vor, ein internationales, interkulturelles Festival zu sein", heißt es weiter in der Aussendung. "Mit der Aufführung dieses Theaterstücks stehen sie diesem Anspruch allerdings zentral entgegen. Weder wird hiermit aufgeklärt, noch zu kritischem Denken angeregt. Offensichtlich besteht eine mangelnde Bereitschaft sich mit Rassismus und stereotypen Darstellungen im Theater auseinanderzusetzen." Anstelle der rassistischen Fremdrepräsentationen erwartet "Pamoja" selbstbestimmte Positionen auf der Bühne.

"Wir müssen die Angelegenheit prüfen und auf eine Stellungnahme von Johan Simons warten", sagte Maria Awecker von den Wiener Festwochen auf Anfrage der "Wiener Zeitung". "Es geht ja immer um das Unwort", so Awecker. Aber man könne weder Simons noch Genet rassistisches Gedankengut vorwerfen. Die Programmleitung habe nicht mit dieser Reaktion auf das Stück gerechnet und bemühe sich derzeit um ein entsprechendes Feedback des Regisseurs Johan Simons.

Bedingungen von Jean Genet

Problematisch sind allerdings sowohl das "Blackfacing" als auch der Titel. Denn Genet selbst stellte die Bedingung, als er es im Auftrag eines Regisseurs für ein Schwarzes Schauspieler-Ensemble schrieb, auf, dass sein Stück von Schwarzen für weiße Menschen aufgeführt wird. "Das Stück sei, so zürnte er, schwarzen Darstellern auf den Leib geschrieben und für Weiße durchaus ungeeignet", hieß es in einer Ausgabe des "Spiegel" von 1964.

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Dokument erstellt am 2014-03-04 16:33:53
Letzte Änderung am 2014-03-05 09:11:31


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