• vom 23.08.2014, 09:00 Uhr

Gesellschaft

Update: 06.09.2018, 14:16 Uhr

Asylpolitik

"Ich will endlich studieren!"




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Von Eva Zelechowski

  • Ein junger Armenier versucht sich gegen die bürokratischen Zwänge der österreichischen Asylpolitik zu stemmen.

"Niemand fühlt sich für uns zuständig, von einer Behörde werden wir zur nächsten geschickt. Das Motto ist Abwimmeln!", zeigt sich der 20-jährige Armenier frustriert. Er sucht eine Unterkunft in Wien, um nicht täglich aus Baden zur Uni pendeln zu müssen.

"Niemand fühlt sich für uns zuständig, von einer Behörde werden wir zur nächsten geschickt. Das Motto ist Abwimmeln!", zeigt sich der 20-jährige Armenier frustriert. Er sucht eine Unterkunft in Wien, um nicht täglich aus Baden zur Uni pendeln zu müssen.© Wiener Zeitung / Zelechowski "Niemand fühlt sich für uns zuständig, von einer Behörde werden wir zur nächsten geschickt. Das Motto ist Abwimmeln!", zeigt sich der 20-jährige Armenier frustriert. Er sucht eine Unterkunft in Wien, um nicht täglich aus Baden zur Uni pendeln zu müssen.© Wiener Zeitung / Zelechowski

Erik M. sitzt lächelnd auf den Treppen vor der Universität Wien. Auf seinem T-Shirt steht in großen Lettern "Gay OK!". Der 20-jährige Armenier war in den vergangenen Monaten im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen untergebracht. "Ich bin schwul und in Armenien akzeptiert man das nicht. Ich habe sehr viele Drohungen bekommen und wurde von meinen Schulkameraden regelmäßig geschlagen", sprudelt es aus ihm heraus.

Im September 2012 ist Erik mit seiner Mutter aus der armenischen Hauptstadt Jerewan nach Österreich geflohen. Vier Tage in einem Bus und LKW. Danach folgten mehrere Monate Zwischenstopp in Braunau sowie Traiskirchen und zwei Negativ-Bescheide. "Es ist aufgrund der o.a. Erwägungen davon auszugehen, dass Sie nicht homosexuell sind", ist im Einvernahme-Protokoll vom 9.Oktober 2012 zu lesen. Geführt wurde das zehnstündige Interview im Bundesasylamt in Linz. Der Beamte vermerkte widersprüchliche Aussagen von Erik und seiner Mutter, die die Homosexualität ihres Sohnes nicht als Fluchtgrund angegeben haben soll. Nach zwei Jahren glaubt man ihm, dass er homosexuell ist. Doch der junge Armenier, der neben Englisch auch Armenisch und Russisch fließend spricht, will mehr. Sein Deutsch ist für zwei Jahre in Österreich überdurchschnittlich gut. Jetzt kämpft er für seinen Traum eines Publizistik-Studiums und einen Wohnsitz in Wien.

"Niemand fühlt sich zuständig"

Information

Gays Must Be Free in Armenia (Homepage)
GMBF (Facebook-Seite)


Dafür hat er mehrmals versucht, bei den vermeintlich zuständigen Behörden eine Unterkunft in der Hauptstadt zu beantragen. Ohne Erfolg. Nicht einmal eine Antwort hat er von den Beamten erhalten. "Niemand fühlt sich für uns zuständig, von einer Behörde werden wir zur nächsten geschickt. Das Motto ist Abwimmeln!", macht er seinem Ärger Luft. Mehrmals hat er versucht, bei den vermeintlich für ihn zuständigen Behörden einen Wohnortswechsel nach Wien zu beantragen. "Wien ist geschlossen", habe man ihm sogar mitgeteilt. Bis er die Bestätigung eines ordentlichen Studiums in der Hand hat, könne man nichts für ihn tun.

"Traiskirchen ist wie ein Gefängnis"

Wie ist es, im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen zu wohnen? "Wohnen kann man das nicht nennen. Es ist wie ein Gefängnis!" Beim Eingang kontrollieren Beamte die Taschen der Bewohner, mehrmals täglich auch die Zimmer. Ist niemand drin, werden sie zugesperrt, auch wenn man nur auf der Toilette ist. Erik ist aufgebracht: "Wir sind doch keine Häftlinge! Ich finde, die Leute sollen wissen, was dort passiert." Erik hat eine mit Unterlagen prall gefüllte Mappe unter dem Arm eingeklemmt. Auf dem Tisch breitet er Protokolle vom Erstaufnahmegespräch in Traiskirchen, die Ablehnung seiner Beschwerde auf Anfechtung des Asyl-Negativbescheids und Ausdrucke vom Mailverkehr mit diversen Beamten aus. "Was befürchten Sie bei einer Rückkehr in Ihre Heimat?" "Die Jungs waren immer in der Nähe meiner Wohnung in Armenien und haben auf mich gewartet. Sollte ich zurückkehren, dann werde ich mich schon vorher umbringen." Nach dem Gespräch wurde sein Asylgesuch abgelehnt.

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Dokument erstellt am 2014-08-22 14:24:28
Letzte Änderung am 2018-09-06 14:16:55



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