• vom 04.09.2014, 13:22 Uhr

Gesellschaft

Update: 04.09.2014, 13:28 Uhr

Satire

"Auswandertag" blickt in Österreichs Zukunft




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Von Wolfgang Huber-Lang, APA

  • Unter einem rechtspopulistischen Bundeskanzler wird Österreich zum krisengeschüttelten Auswanderungsland.

Wien. Wieder einmal liegt sie in Umfragen vorne: Die FPÖ. Würde sie stärkste Partei, "könnte Strache dann umsetzen, wovon Jörg Haider einst träumte: eine Dritte Republik", schreibt das "profil" in seiner aktuellen Ausgabe. Wie diese aussehen könnte, davon erzählt ein neuer Roman: "Auswandertag" wirft einen düsteren, satirischen Blick in eine mögliche Zukunft.

Wirtschaftsflüchtlinge aus Österreich

"Wir sind Kaiser"-Mittexter Klaus Oppitz und seine Mitautoren Rudi Roubinek, Mike Bernard und Gerald Fleischhacker haben ein Szenario entworfen, in dem Österreich durch den vom rechtspopulistischen Bundeskanzler Michael Hichl vollzogenen EU-Austritt ein international isoliertes, krisengeschütteltes und von Massenarbeitslosigkeit geplagtes Land ist. Nur, dass die Arbeitslosen offiziell Arbeitsscheue genannt werden, obwohl es kaum neue Arbeitsplätze gibt. Aber es gibt ja auch keine Gemeindewohnungen mehr, sondern Inländerwohnungen.


Dafür ist die Türkei zum attraktiven Wirtschaftswunderland aufgestiegen. Wirtschaftsflüchtlinge aus Österreich müssen die streng bewachte EU-Grenze überwinden und landen, wenn sie die Ausbeutung durch Menschenhändler und Schlepper sowie die Drangsalierung durch Grenzschützer und Behörden überstanden haben, in einem türkischen Flüchtlingslager.

Umkehrung der Perspektive

Oppitz ist es offenbar weniger um die politische Satire gegangen als um die Änderung der Vorzeichen. Die Gründe und Auswirkungen des Radikal-Umbaus eines politischen Systems interessieren ihn weniger als die Umkehrung jener Perspektive, aus der die globalen Migrationsbewegungen hierzulande derzeit beobachtet und beurteilt werden. Das geht unter die Haut, obwohl die Wahl der Protagonisten wenig glücklich wirkt.

Mit der Wiener Familie Putschek rund um einen reichlich unterbelichtet wirkenden Haushaltsvorstand, dessen in den religiösen Wahn abdriftenden Ehefrau, einem noch nicht ganz erwachsenen Sohn und einer minderjährigen Tochter mit türkischem Ex-Freund wirken jene, deren patschertes Leben den Mittelpunkt dieses Gesellschaftspanoramas aus einer nahen Zukunft bilden, wie die Hauptfiguren einer bemüht komischen Vorabendserie.

Im Eck von Bizarrheiten

Halb tot gelingt der Familie, deren Erniedrigungen durchaus plastisch geschildert werden, tatsächlich die Flucht. Der Neuaufbau einer Existenz in der reichen Türkei geht jedoch keineswegs so glatt wie erhofft. Stattdessen gerät Papa Putschek in die Fänge eines dubiosen Tiroler Kulturvereins, der einst den ungläubigen Hichl bekämpfte ("Wir hätten ja Strommasten in die Luft geschprengt, aus Protescht, aber heutzutag isch der ganze Strom ja unterirdisch") und nun im politischen Exil mit Guerilla-Aktionen den Kulturkampf gegen den Islam vorantreibt. Damit landet die mit ehrbarem Anspruch gestartete Satire dann endgültig im Eck der halblustigen Bizarrheiten. Schade.




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Dokument erstellt am 2014-09-04 13:23:05
Letzte Änderung am 2014-09-04 13:28:45


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