• vom 21.09.2014, 07:00 Uhr

Gesellschaft


Projekt TheaterFlucht

Xenophobie wegtanzen




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Von Matthias Winterer

  • Projekt TheaterFlucht bietet Kindern asylsuchender Familien an, gemeinsam mit Österreichern zu singen und zu tanzen.

Viele sind zu Beginn eingeschüchtert und zaghaft, tauen aber schnell auf, so die Organisatorin. - © TheaterFlucht Österreich

Viele sind zu Beginn eingeschüchtert und zaghaft, tauen aber schnell auf, so die Organisatorin. © TheaterFlucht Österreich

Wien. Vorurteile sind vorab wertende, ablehnende Einstellungen gegenüber Menschen. Oft sind sie Ausgangspunkt motivgesteuerter Handlungen. Vorurteile speisen sich aus platten Stereotypen, schierer Unwissenheit und der Angst vor dem Unbekannten. Genau dem will das Projekt TheaterFlucht entgegenwirken. Es geht den simpelsten, aber erfolgreichsten Weg um Intoleranz abzubauen: Gemeinsam Tanzen und Spielen, und zwar auf einer Bühne.

Kindergelächter hallt durch den Hof des Wiener WUK. Aus einem offenen Fenster erklingt ein fröhliches Lied. Es wieder immer wieder abrupt unterbrochen, um nach einigen Sekunden wieder neu zu beginnen. Im Inneren tanzen an die 40 Kinder. Sie studieren eine Choreografie ein. Immer wieder stolpern sie, stoßen zusammen und kichern los. Es herrscht Freude und Spaß.


Kinder, nicht Flüchtlinge
Das Projekt TheaterFlucht bietet Kindern und Jugendlichen asylsuchender Familien unterschiedlichster Herkunft die Möglichkeit, gemeinsam mit jungen Menschen aus Österreich zu singen, zu tanzen und Theater zu spielen. Zwei Wochen in den Ferien können sie spielerisch voneinander lernen. So werden gegenseitige Vorurteile abgebaut und die Integration unterstützt. Es ist ein Gewinn für alle Beteiligten. Die Kultur- und Sozialanthropologin Claudia Wührer ist eine der drei Organisatorinnen des Projekts. "Die Menschen denken oft in Kategorien. Sie bezeichnen die Kinder als Flüchtlinge, dabei sind sie in erster Linie Kinder. In diesen zwei Wochen versuchen wir, sie ihre massiven Sogen vergessen zu lassen", sagt sie.

Die Kinder der asylsuchenden Familien kommen aus dem "Freunde schützen Haus", einem Wohnhaus für Menschen, die auf den Asylbescheid warten - und dies oft jahrelang. Sie stehen jede Sekunde ihres Alltags enorm unter Druck. Das färbt natürlich auf die Kinder ab, die Bescheid wissen und manchmal auch offen über ihre Angst sprechen.

Viele sind zu Beginn eingeschüchtert und zaghaft, tauen aber schnell auf und suchen die körperliche Nähe. Die schrecklichen Erfahrungen mancher Familien brechen oft nebenbei aus den Kindern heraus. Während des Spielens erzählen sie plötzlich von Flucht, Tod und Vertreibung. Im Vorbeigehen, so wie Kinder das eben tun. Die in dieser Konstellation durchaus privilegierten österreichischen Kinder sind an den Schicksalen der anderen sehr interessiert, hören zu, trösten und lernen viel. Die Bedeutung von Flucht wird greifbarer, sie beginnen zu verstehen, was es bedeutet, nicht zu wissen, wie lange man noch in seiner Heimat bleiben darf.

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Dokument erstellt am 2014-09-19 17:38:04


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