• vom 06.07.2016, 12:07 Uhr

Gesellschaft

Update: 06.07.2016, 12:37 Uhr

Ausbildung

College für Asylberechtigte startet in Wien




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Von WZ Online, APA

  • Modulsystem bietet 1.000 nicht mehr schulpflichtigen Asylwerbern und -berechtigten Ausbildung und Job-Kenntnisse.

Wien. Wien richtete eine Art eigenen Schultypus für junge Flüchtlinge ein. In diesem "Jugendcollege" sollen sowohl Asylwerber als auch Menschen mit bereits positivem Asylbescheid auf einen Job oder eine weitere Ausbildung vorbereitet werden. 1.000 Plätze stehen an zwei Standorten zur Verfügung. Die erste Einrichtung im 9. Bezirk startet Ende August ihren Betrieb.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an junge Menschen im Alter von 15 bis 21 Jahren, die nicht mehr der Schulpflicht unterstehen, deren Basiskenntnisse oder Fähigkeiten aber noch nicht reichen, um einen Arbeitsplatz zu finden oder - wenn sie noch im Asylverfahren sind und deshalb gar nicht arbeiten dürfen - im regulären Ausbildungssystem Fuß fassen zu können, erklärte Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Denn man müsse diesen Leuten Perspektiven für die Zukunft geben, um bestmögliche Integration zu erreichen, so der Tenor.

Information

Zur Hälfte finanziert durch die EU:

Für das Projekt gibt es jährlich sechs Millionen Euro - wobei die Hälfte aus einem EU-Fördertopf kommt. Vertraglich abgesichert ist die Sache einmal für die nächsten eineinhalb Jahre, wobei grundsätzlich bis 2020 budgetiert wurde.

"Zeit der Grundversorgung dauert zu lange"

Auch Flüchtlingskoordinator Peter Hacker, Geschäftsführer des FSW, begrüßt den Start des Jugendcolleges: "Die Zeit der Grundversorgung dauert viel zu lange, als dass wir sie ungenutzt verstreichen lassen dürfen. Unser Ziel ist es, gerade Jugendliche und junge Erwachsene so rasch wie möglich fit zu machen für ein eigenständiges Leben. Das ist die beste Maßnahme, wenn wir verhindern wollen, dass Flüchtlinge auf bedarfsorientierte Mindestsicherung angewiesen sind und die beste Maßnahme zur Kriminalitätsprävention. Außerdem ist es die wichtigste Vermittlung des Grundprinzips unserer Gesellschaft: Jede und jeder Einzelne trägt durch Arbeit zum Funktionieren des Kollektivs bei." 

Zielgruppe von 5.700 Jugendlichen - Ausweitung angedacht

Laut Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) befinden sich in der Bundeshauptstadt derzeit 3.500 Personen der entsprechenden Altersgruppe in Grundversorgung. Dazu kommen noch rund 2.200 Asylberechtigte, die beim Arbeitsmarktservice vorgemerkt sind, ergänzte AMS-Wien-Chefin Petra Draxl. Macht unterm Strich eine potenzielle Zielgruppe von etwa 5.700 Jugendlichen. Man werde insofern auch kein Problem haben, die Plätze zu füllen, und denke jetzt schon an eine Ausweitung des Angebots, hieß es.

Sollten Jugendliche nicht am Bildungsangebot teilnehmen wollen, drohen übrigens Sanktionen in Form von Kürzungen der Sozialleistungen, stellte Wehsely klar. Dies sei aber auch jetzt schon der Fall, wenn Asylwerber oder -berechtigte etwa AMS-Termine oder Deutschkurse nicht wahrnehmen.

Vollbetrieb ab Oktober

Wie funktioniert das College nun konkret? Am Beginn weisen das AMS Asylberechtigte und der Fonds Soziales Wien Asylwerber der neuen Einrichtung zu. Dort werden dann Basisdaten und Grundkenntnisse erhoben und im Gespräch mit dem Jugendlichen ein persönlicher Bildungsplan erstellt. Für 700 Personen beginnt diese sogenannte Clearing-Phase in diesen Tagen. Sie werden ab Ende August am Standort Spitalgasse 5-9 beginnen. Die restlichen 300 Plätze werden in einer zweiten Einrichtung angesiedelt, die voraussichtlich in Favoriten sein wird. Letzte Gespräche laufen hier noch, für spätestens Oktober strebt man aber den Vollbetrieb an.

Das Bildungsangebot selbst besteht aus verschiedenen Phasen und Modulen. Nach der Vermittlung von Grundkenntnissen wie Deutsch bzw. Lesen, Schreiben und Rechnen gibt es verschiedene Spezialschienen. Sie reichen von politischer Bildung über gesellschaftliches Zusammenleben bis zu Fachkursen inklusive praktischem Werkstättenunterricht und Exkursionen. Flüchtlinge, die auch in ihrer Erstsprache nicht lesen und/oder schreiben können, sollen dies ebenfalls im Jugendcollege erlernen können.

Neun Monate College für "gute Landung"

Abgewickelt wird das Projekt von insgesamt neun Trägerorganisationen - darunter das Integrationshaus, die Caritas oder das WUK. Die Federführung obliegt den Wiener Volkshochschulen. Deren Geschäftsführer Mario Rieder betonte, dass man mit einer durchschnittlichen Verweildauer von neun Monaten rechne. Um den Teilnehmern nach Ende des Colleges eine "gute Landung" zu ermöglichen, werde man kurz vor Auslaufen Schnuppertage in Schulen oder Ausbildungsbetrieben organisieren und Kontakt zu künftigen Bezugspersonen herstellen.





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Dokument erstellt am 2016-07-06 12:07:57
Letzte Änderung am 2016-07-06 12:37:53


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