• vom 05.12.2017, 07:55 Uhr

Gesellschaft

Update: 05.12.2017, 09:11 Uhr

Polizeisicherheitsverdienstpreis

Voneinander lernen




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Der Österreichische Integrationsfonds und die MA17 (Integration und Diversität) sind auch mit an Bord des Projekts, das als Ergänzung zu den Wertekursen fungiert. Diese helfen bei der Verständlichkeit der Vorträge, während die Polizei vor allem den rechtlichen Rahmen beisteuert. Fahrnbergers Team besteht aus insgesamt 25 Personen, davon sind 20 bereits als Vortragende ausgebildet. Hinzu kommen noch Dolmetscher, die für die Vorträge herangezogen werden, dabei werden Arabisch und Farsi am stärksten benötigt.

Das Interesse an den Vorträgen seitens Flüchtlingen und Asylwerbern ist jedenfalls groß. "Die Kurse sind auf 15 Teilnehmer beschränkt, um interaktiv zu bleiben. Bis Ende Dezember werden wir insgesamt tausend Teilnehmer haben", sagt Fahrnberger.

Schon während seines erstens Vortrages im März war es kaum anders. "Ich war anfangs sehr nervös. Aber der Zuspruch war enorm. Ich hatte eigentlich drei bis vier Stunden für meinen Vortrag eingeplant, kam aber nicht zum Ende, weil die Teilnehmer so viele Fragen gestellt haben", erzählt er. Ab wann lautes Reden und Musik als Partylärm und damit Ruhestörung gelte, beispielsweise. Oder aus welchen Gründen man durchsucht werden darf. Oder ob man "pro forma" gleich selbst mitverhaftet wird, wenn man bei der Polizei anruft, um etwas zu melden. "Einige der Teilnehmer haben uns auch gesagt, dass wir ihnen das alles viel früher hätten erzählen sollen", meint Fahrnberger lachend.

Vorträge sind anonym
Die Teilnehmer, die auch dazu aufgefordert werden, von ihren Erfahrungen mit der Polizei zu erzählen, bleiben anonym. Sie werden auch darauf hingewiesen, dass sie angezeigt werden, sollten sie von Straftaten berichten, die sie begangen haben. "Dazu sind wir als Beamte vom Offizialsprinzip her verpflichtet", merkt Fahrnberger an. Dabei geht es aber nicht darum, wegzuschauen. "Es soll eine Vertrauensbasis geschaffen werden, damit die Arbeit möglich ist. Das ist das gleiche Vorgehen, wenn wir zur Suchtprävention in Schulklassen gehen", betont er. Wenn die Teilnehmer später noch Fragen haben, können sie Roland Fahrnberger auch anrufen. "Ich sage immer, dass ich mich darüber freuen würde. Leider hat diese Möglichkeit bisher noch niemand genutzt, wahrscheinlich, weil die Vertrauensbasis noch nicht so hoch ist", räumt er ein.

Wenn die Kursteilnehmer von ihren Erlebnissen mit der heimischen Polizei berichten, erzählen sie meist Neutrales bis Positives, aber auch von Missverständnissen. "Im letzten Kurs hatte ich einen Teilnehmer, der davon berichtet hat, dass er 2014 legal über die Grenze kam. Als er bei der Polizei anrief, um sich zu melden und um Asyl anzusuchen, hatte er nicht verstanden, wieso er trotzdem von den Beamten durchsucht wurde", sagt Fahrnberger. Dass es sich dabei um eine vorschriftsmäßige Routine handelte, war dem Flüchtling nicht bewusst. "Da geht es darum, festzustellen, ob er gefährliche Gegenstände bei sich hat. Nicht nur zum Schutz der Beamten, sondern auch zu seinem eigenen Schutz, damit er sich beispielsweise am Weg zur Ersteinvernahme nicht versehentlich verletzt", betont Fahrnberger.

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Dokument erstellt am 2017-12-04 17:35:05
Letzte Änderung am 2017-12-05 09:11:14


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