• vom 08.03.2018, 22:13 Uhr

Gesellschaft

Update: 09.03.2018, 10:19 Uhr

Religion

"Wir streiten auf den falschen Plätzen"




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Von Ina Weber

  • Ein Blick auf die Auswirkungen von Religion in Kindergärten und Schulen aufgrund der aufgeheizten Debatten über Kopftuch, Essen, Symbole und Rituale zeigt: Das Problem liegt im Grunde woanders.

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Keine Schweinegelatine für Muslime.

Keine Schweinegelatine für Muslime.© fotolia Keine Schweinegelatine für Muslime.© fotolia

Wien. Etwas hatte sich verändert. Nicht viel. Aber doch. Die Lehrerin lässt ihren Blick über ihre Klasse schweifen. Das ist es. Die 13-jährige D. sitzt plötzlich mit Kopftuch auf ihrem Platz. Niemand ist verwundert. Niemand kümmert sich darum. Die Kinder sind laut, aufgeregt und tauschen sich über Ferienerlebnisse aus. Es herrscht ganz normaler Schulalltag in der 3. Schulstufe einer Neuen Mittelschule (NMS) in Gürtelnähe in Meidling. Migrationshintergrund: fast 100 Prozent.

Für die Lehrerin, die anonym bleiben möchte, ist das Kopftuch-Thema freilich nichts Neues und, sie fügt hinzu, "auch keine große Sache". Selbst an ihrer Schule gebe es - wenn überhaupt - höchstens zwei bis drei Schülerinnen mit Kopftuch pro Klasse. "Wenn so ein Mädel dann nach einem Türkei-Urlaub mit Kopftuch zurückkommt, hat man natürlich auch Gedanken an Unterdrückung. Ich frage das Mädchen dann im Gespräch, warum sie ein Kopftuch trägt und wie es dazu gekommen ist. Sie sagt dann, weil sie das so wollte", erzählt die Lehrerin. Das könne man nun glauben, oder auch nicht.

Der Religionsunterricht findet an dieser Schule meist am Nachmittag statt, dann teilt sich die Masse in islamischen, katholischen und serbisch-orthodoxen Religionsunterricht auf. Mittagessen gibt es keines. Die Jugendlichen gehen nach Hause oder holen sich etwas. "Wir haben auch keine Rituale. Das einzige, was wir machen, ist vor Weihnachten einen Adventskalender. Das kommt auch bei den Jugendlichen noch ganz gut an", schmunzelt die Lehrerin. Konflikte gebe es, "oh ja, genug", so die Lehrerin, aber sicher nicht religiös bedingte.

Das Thema Kopftuch und der Umgang mit Religionen sowie deren Auswirkungen hat sich zuletzt aufgrund der Forderung von SPÖ-Landesparteisekretärin Barbara Novak nach einem Kopftuchverbot an Kindergärten und Schulen wieder zugespitzt. Obwohl die von Neo-Bürgermeister Michael Ludwig ernannte Managerin anschließend zurückruderte und feststellte, dass sie damit eher Aufklärungsarbeit gemeint hätte, blieb das Thema dennoch wieder hängen.

Die SPÖ Wien Frauen weisen mit einem Antrag auf ihr Anliegen hin: Sie wollen nicht, dass Mädchen im Kindergarten und der Volksschule Kopftuch tragen. Auf Nachfrage der "Wiener Zeitung", ob es denn Mädchen in Kindergärten und Volksschulen gibt, die Kopftuch tragen müssen, heißt es "kein Kommentar". Und vor allem Boulevardmedien schreiben immer wieder etwa über "Kinder mit Kopftuch in den Wiener Kindergärten". Privat zugespielte Fotos erscheinen, später werden diese Fotos vom Österreichischen Presserat, dem Verein zur Selbstkontrolle der Presse, oft verurteilt. Bei einem der Fälle stellte sich heraus, dass das betroffene Medium Fotos von einem muslimischen Fest publiziert hatte und jene Kinder ohne Kopftuch einfach abgeschnitten hatte. Das Kopftuch tragende Kleinkind - eine Mär?




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Dokument erstellt am 2018-03-08 17:23:42
Letzte Änderung am 2018-03-09 10:19:48


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