• vom 16.04.2018, 11:51 Uhr

Gesellschaft

Update: 17.04.2018, 22:15 Uhr

Sprache

Hickhack um geplante Deutschklassen




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Von WZ Online, APA

  • Kritik kommt aus unterschiedlichen Richtungen wegen Ablehnung von Trennung, Autonomieeinschränkung und Kostengründen.

Die von Bildungsminister Heinz Faßmann geplanten Deutschförderklassen haben Gegenwind.

Die von Bildungsminister Heinz Faßmann geplanten Deutschförderklassen haben Gegenwind.

Wien. Am Dienstag stellt Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) "Aktuelles" zu seinem Plan zur Einrichtung zur Deutschförderklassen vor. Nach Kritik während des Begutachtungsverfahrens dürfte es zu Änderungen kommen - im Anschluss die thematisch häufigsten Einwände gegen die Maßnahme.

GRUNDSÄTZLICH GEGEN WEITGEHENDE TRENNUNG: Vor allem aus der Sprachwissenschaft kamen grundsätzliche Einwände gegen die weitgehende Trennung von Kindern mit mangelnder Kenntnis der Unterrichtssprache. Dies widerspreche dem aktuellen Stand der Forschung. "Die weitgehende Segregation von außerordentlichen SchülerInnen erschwert nicht nur deren Integration in den Klassenverband, sondern schließt sie auch von der Teilnahme am Fachunterricht aus und erlaubt einen Übertritt in die altersgemäße Regelklasse nur in Ausnahmefällen", heißt es etwa. Zum Teil werden sogar "menschenrechtliche Verpflichtungen" angeführt. "Diese sehen durchgehend einen inklusiven Unterricht für alle Kinder und Jugendliche vor und verbieten jegliche Form der Segregation", betont etwa der Klagsverband zur Durchsetzung der Rechte von Diskriminierungsopfern.

AUTONOMIE: Vor allem Schuldirektoren stört die mit dem Entwurf verbundene verpflichtende Einrichtung von Deutschförderklassen ab sechs Kindern pro Standort. Dies konterkariere den gerade erst vollzogenen Ausbau der Schulautonomie, der eigentlich Entscheidungen vor Ort ausbauen sollte. "Eine autonome Schule weiß am besten, in welcher Form die Deutschförderung für ihre SchülerInnen organisiert werden soll (integrativ, teilweise integrativ oder Deutschförderklasse)", betonen etwa die Wiener AHS-Direktoren.

KOSTEN UND RÄUME: Egal ob die Maßnahmen grundsätzlich befürwortet werden oder nicht - nicht ganz glauben können Länder, Städte und Gemeinden als Schulerhalter bzw. Dienstgeber die im Gesetzesentwurf getroffene Annahme, dass die Deutschklassen keine zusätzlichen Kosten verursachen würden. Die Länder wollen die dafür nötigen zusätzlichen Lehrer abgegolten haben. Vor allem in den Städten werden außerdem durch die zusätzlichen Klassen Platzprobleme befürchtet. "So ist zu befürchten, dass die Raumgröße oftmals nicht ausreicht, d.h. dass nicht alle Räume, die bisher für Sprachförderung herangezogen wurden, wie Werkraum, GTS (Ganztagsschulraum, Anm.), Arztzimmer, etc., künftig für 'volle' Deutschförderklassen á 25 Kinder verwendet werden können", wendet etwa der Städtebund ein.

FEHLENDE EVALUIERUNG: Erst im Schuljahr 2016/17 traten die derzeit geltenden Regelungen zur Sprachförderung in Kraft. Deren Wirksamkeit sollte eigentlich laut Gesetz bis Jänner 2019 evaluiert werden. Diese Bestimmung wurde gestrichen, stattdessen sofort die Deutschklassen implementiert. "Die bisher dafür aufgewendeten Kosten sind einerseits aufgrund der im vorliegenden Entwurf bereits vorgesehenen Umstellung der Sprachförderung und andererseits bei anzunehmendem Abbruch des Evaluierungsprojekts somit weitgehend wirkungslos", bemängelt der Rechnungshof. Auch die Pflichtschullehrergewerkschaft macht diesen Einwand geltend.

Mit den Deutschförderklassen werden die bisherigen Sprachfördermaßnahmen (maximal elf Wochenstunden) ausgeweitet: Schüler, die nicht ausreichend Deutsch sprechen, um dem Unterricht folgen zu können, müssen ab kommendem Schuljahr verpflichtend 15 (Volksschule) bzw. 20 (Neue Mittelschule/AHS-Unterstufe) Wochenstunden eine Deutschförderklasse besuchen. Diese sogenannten außerordentlichen Schüler werden in diesen Stunden nach eigenem Lehrplan in Deutsch unterrichtet, für Gegenstände wie Zeichnen, Musik oder Turnen werden sie altersgemäß anderen Klassen zugeteilt. Eingerichtet werden Deutschförderklassen ab sechs außerordentlichen Schülern pro Schulstandort.

Ein Wechsel in die regulären Klassen ist nach jedem Semester bei entsprechenden Sprachkenntnissen möglich. Werden die erforderlichen Sprachkenntnisse in der Deutschförderklasse während des Wintersemesters erlangt, kann im darauffolgenden Sommersemester der Unterricht in der betreffenden Klasse (mit Deutschförderkurs) besucht werden. Ansonsten muss im Regelfall die Schulstufe wiederholt werden.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-16 11:54:01
Letzte Änderung am 2018-04-17 22:15:21


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