• vom 21.05.2018, 20:00 Uhr

Gesellschaft


Integration

"Wir wollen ein Teil von euch sein"




  • Artikel
  • Kommentare (11)
  • Lesenswert (20)
  • Drucken
  • Leserbrief





Die Vermittlung von Geflüchteten in Wohngemeinschaften im Rahmen des Projekts "Flüchtlinge Willkommen" entstand, da volljährige Jugendliche betreute Unterkünfte verlassen müssen. Speziell im "Sommer der Migration 2015" hat sich herausgestellt, dass es zu wenig leistbaren Wohnraum in Wien gibt. Der Zulauf zum Projekt stieg, mittlerweile wurden 500 Geflüchtete in Wohngemeinschaften vermittelt. Im Rahmen des Projekts "work:in" konnten seit Bestehen 2016 40 Jugendliche in eine Lehrstelle vermittelt werden. Außerdem gibt es derzeit neunzig Buddies, die Geflüchtete in ihrem Alltag unterstützen.

Fehlende antirassistische Konzepte
All diese Projekte finden im Rahmen einer zunehmend restriktiveren Asyl- und Integrationspolitik statt, die durch eine Zunahme der Geflüchteten argumentiert wird: So stieg die Zahl der Asylanträge in Österreich laut Innenministerium von 28.000 im Jahr 2014 auf 89.000 im Jahr 2015. Seitdem nimmt diese Zahl jedoch stetig ab, während der Trend einer restriktiveren Politik anhält. 2016 suchten 42.000 Personen um internationalen Schutz an, 2017 waren es 24.000.

Das macht sich auch in der Wiener Grundversorgung bemerkbar: Derzeit befinden sich 18.800 Asylbewerber sowie Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte in der Grundversorgung der Bundeshauptstadt. Zur gleichen Zeit 2016 waren es knapp 86.000. Laut Sina Farahmandnia ging das Ansteigen der Asylzahlen mit einer politischen Änderung einher. Geflüchtete und Integrationsarbeit waren lange kein zentrales Thema der Innenpolitik, seit 2015 ist das Thema Zentrum der politischen Debatte: "An den Migrationsbewegungen und der Reaktion der österreichischen Innenpolitik wurde deutlich, dass es in Österreich keine antirassistischen Konzepte gibt, die von den Wählern ernst genommen werden."

Auch "Vielmehr für alle" bekam das Ansteigen der Geflüchteten, die nach Österreich kamen sowie die restriktivere Asylpolitik zu spüren: "Wir haben bemerkt, dass es extrem viel Solidarität gibt. Das ist das prägendste, das wir mitbekommen haben", sagt Farahmandnia. Von staatlichen Kürzungen, mit denen seit der schwarz-blauen Regierung Vereine vermehrt zu kämpfen haben, ist "Vielmehr für alle" nicht betroffen, da sie bisher keine Bundesförderungen erhalten haben: "Ich glaube, dass man sich eine adäquate Finanzierung von der öffentlichen Hand nicht erwarten kann und das ist auch der Grund, wieso es uns gibt", erklärt Farahmandnia.

In Zukunft will "Vielmehr für alle" die gemachten Erfahrungen auch für andere zugänglich machen. Nicht nur um an die politisch Verantwortlichen zu appellieren, sondern auch um jene zu organisieren, die sich engagieren wollen. Zusätzlich gilt es auch in Zukunft die Probleme in Österreich anzusprechen: "Das Problem ist eine Sozialpolitik in Kombination mit Rassismus. Der Rassismus hat den Zweck soziale Rechte zu minimieren und Menschen, nämlich die allerschwächsten in der Gesellschaft, ganz auszuschließen. Daher wird es künftig darum gehen, diesen Ausschluss zu verhindern und einen Einschluss zu betreiben. Es wird weiterhin darum gehen, Wohnungen und Arbeitsplätze zu organisieren sowie Bildungsplätze zu ermöglichen", erklärt Farahmandnia.

zurück zu Seite 1




11 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-21 16:36:56
Letzte Änderung am 2018-05-21 17:00:55


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Zahl der Einbürgerungen steigt weiter
  2. EU kippt österreichische Regelung gegen "Sozialdumping"
  3. Der Geldbote
  4. Grüne fordern Asyl für Asia Bibi
Meistkommentiert
  1. Grüne fordern Asyl für Asia Bibi
  2. EU kippt österreichische Regelung gegen "Sozialdumping"
  3. Zahl der Einbürgerungen steigt weiter

Werbung




Werbung