• vom 29.06.2018, 16:43 Uhr

Gesellschaft

Update: 29.06.2018, 17:01 Uhr

Studie

Islamophobie und Islamismus verstärken einander




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Von WZ Online, APA, AFP

  • Ein Forschungsteam aus Jena führte eine Analyse rechtsextremer und islamistischer Beiträge in sozialen Netzwerken durch.

Für die Studie untersuchte das Forscherteam zwischen 2013 und 2017 mehr als zehntausend islamistische und rechtsextreme Facebook-Inhalte sowie mehr als eine Million deutschsprachige Twitterbeiträge. - © APAweb / Reuters, Jon Nazca

Für die Studie untersuchte das Forscherteam zwischen 2013 und 2017 mehr als zehntausend islamistische und rechtsextreme Facebook-Inhalte sowie mehr als eine Million deutschsprachige Twitterbeiträge. © APAweb / Reuters, Jon Nazca

Jena. Eine Analyse rechtsextremer und islamistischer Beiträge in sozialen Netzwerken zeigt, dass Feindlichkeit gegen Muslime und Islamismus eng miteinander verbunden sind und sich gegenseitig verstärken.



Mobilisierungs- und Radikalisierungsstrategien ähnelten sich, und auch ideologisch gebe es Gemeinsamkeiten, erklärte das Jenaer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft am Freitag bei der Vorstellung der Studie. Muslimfeindliche Beiträge sind demnach aber im Vergleich "radikaler und verbreiteter".

Vier Jahre lang Facebook und Twitter durchforstet 

Für die Studie untersuchte das Institut in Zusammenarbeit mit dem Londoner Institut für Strategischen Dialog zwischen 2013 und 2017 mehr als zehntausend islamistische und rechtsextreme Facebook-Inhalte sowie mehr als eine Million deutschsprachige Twitterbeiträge.

Gefördert wurde die Studie "Hassliebe: Islamfeindlichkeit, Islamismus und die Spirale gesellschaftlicher Polarisierung" vom deutschen Familienministerium. Das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena wird von der Amadeu-Antonio-Stiftung getragen.

"Feindbilder konstruieren und aufrecht erhalten"

Die Themen der beiden radikalisierten Milieus beziehen sich laut der Studie aufeinander. Diese wechselseitigen Bezüge würden auch gebraucht, "um Feindbilder zu konstruieren und aufrecht zu erhalten".

Islamismus und Rechtsextremismus treffen sich den Wissenschaftern zufolge ideologisch im Antisemitismus, in Verschwörungsmythen und im Ziel homogener Gesellschaften. Die jeweiligen Dogmen sind demnach bei den Rechten rassistisch und bei den Islamisten religiös begründet. "Extreme Rechte und Islamisten lehnen Freiheit, Pluralismus und Liberalismus ab", erklärte Studienautor Maik Fielitz.

Islamistische Kommunikation "deutlich gemäßigter" 

Die Londoner Extremismusexpertin Julia Ebner hob mit Blick auf die Studienergebnisse zudem hervor, dass islamistische Kommunikation in den sozialen Netzwerken stark eingeschränkt und ihre Rhetorik "deutlich gemäßigter" als noch Anfang 2017 sei. Dagegen übertreffe das Ausmaß offen rechtsextremer und muslimfeindlicher Inhalte das Ausmaß islamistischer Inhalte bei weitem.

Der Geschäftsführer der Amadeu-Antonio-Stiftung, Timo Reinfrank, mahnte, diese Zusammenhänge stärker zu beachten. "Islamistische Radikalisierung, antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus müssen zusammen gedacht werden", erklärte Reinfrank. In öffentlichen Debatten werde häufig der Eindruck erweckt, "dass rechte Islamfeinde der Gegenpol zu radikalen Islamisten" seien. Doch beide Lager ähnelten sich und bedrohten die offene Gesellschaft.





Schlagwörter

Studie, Islamismus, Islamophobie

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-29 16:46:34
Letzte Änderung am 2018-06-29 17:01:04


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