• vom 09.11.2012, 17:43 Uhr

Gesellschaft

Update: 09.11.2012, 18:18 Uhr

Jagudaev

"Brauchen eine eigene Liste"




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  • Die kaukasischen Juden treten heuer zum ersten Mal bei der IKG-Wahl an.

Igor Jagudaev will den 220 kaukasischen Juden mehr Gehör verschaffen.

Igor Jagudaev will den 220 kaukasischen Juden mehr Gehör verschaffen.© Stanislav Jenis Igor Jagudaev will den 220 kaukasischen Juden mehr Gehör verschaffen.© Stanislav Jenis

Wien. (wea) In Wien leben rund 220 kaukasische Juden. Igor Jagudaev (54), geboren im Kaukasus (heutiges Russland), 1973 nach Israel ausgewandert, 1990 nach Wien, stellt für die kaukasische Gemeinde eine Organisation und Infrastruktur auf.

"Wiener Zeitung": Der Verein Kaukasischer Juden tritt heuer erstmals bei einer IKG-Wahl an. Von wem wurden die kaukasischen Juden bisher vertreten?

Igor Jagudaev: Früher war es so, dass wir eine große Partei gewählt haben, und die hat uns vertreten - eine Grundvertretung, könnte man sagen. Aber die Tatsache, dass bis heute niemand weiß, was kaukasische Juden sind - warum reden wir weiter? Hat uns jemand jemals vertreten?

Haben die kaukasischen Juden deshalb beschlossen, als eigene Fraktion anzutreten?

Wir brauchen eine eigene Liste. Ich habe das Gefühl, dass unsere Anliegen derzeit nicht gehört werden. Innerhalb von fünf Jahren haben wir viel vorwärts gebracht - mit minimalen finanziellen Mitteln. In der Synagoge wird jetzt regelmäßig gebetet, jeden Freitag, Samstag, Sonntag, zu den Feiertagen, wir feiern hier Sukkot. Voriges Jahr haben wir eine Sefer Tora bekommen. Das war eine große Feier - wir haben die Taborstraße abgesperrt, auf der Straße getanzt, sogar Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg war bei uns. Es gibt nichts Stärkeres als menschlichen Willen. Wenn Menschen etwas wollen, können sie Wunder vollbringen. Diese Gemeinde schaffte es, aus nichts etwas entstehen zu lassen.

Was brauchen die kaukasischen Juden?

Unsere Grundbedürfnisse müssen gedeckt sein. Dazu gehört ein fixer Rabbiner. Eine Gemeinschaft ohne Rabbi kann nicht lange existieren. Wir benötigen ansonsten noch viel. Aber darüber möchte ich jetzt noch nicht reden. Ich will jetzt nicht argumentieren, was ich wofür brauche.

Was wollen Sie im IKG-Vorstand für die kaukasischen Juden erkämpfen?

Ich will mit niemandem kämpfen. Ich will nur den Leuten dort die Augen öffnen - dass wir als Menschen, als Juden die Schwachen unterstützen müssen, und das sind heute die kaukasischen Juden. Die Ersten, die 1974 kamen, haben Schlimmes erlebt. Die IKG hat sie damals ausgeschlossen, weil sie die Auswanderer nicht als Juden anerkannt hat. Sie wurden nicht akzeptiert. Viele Familien haben davon bis heute ein Trauma. Im Grunde genommen haben wir drei Generationen verloren. Wer es sich leisten konnte, ist woanders hingegangen. Jene, die geblieben sind, waren Menschen, denen kein anderer Weg offen stand, die kein Geld hatten. Nun müssen wir dafür sorgen, dass unsere Kinder ihre jüdische Identität nicht verlieren. Das ist Aufgabe der gesamten Gemeinde.




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Dokument erstellt am 2012-11-09 17:53:05
Letzte Änderung am 2012-11-09 18:18:41


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