• vom 12.12.2012, 18:12 Uhr

Gesellschaft


Cricket

"Wollen einfach Cricket spielen"




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Von Martina Pock

  • Vor zwei Jahren wurde in Graz der Afghan Steiermark Cricket Club gegründet
  • Kürzlich erhielt der Verein den Integrationspreis Sport 2012.

Seit dem Sturz der Taliban wurde Cricket zu einer der beliebtesten Sportarten Afghanistans.

Seit dem Sturz der Taliban wurde Cricket zu einer der beliebtesten Sportarten Afghanistans.© corbis Seit dem Sturz der Taliban wurde Cricket zu einer der beliebtesten Sportarten Afghanistans.© corbis

Wien. 14 Cricket-Mannschaften gibt es in Österreich, der vor zwei Jahren gegründete Afghan Steiermark Cricket Club in Graz ist einer davon. Sein Kader besteht aus 16 Spielern, die alle aus Afghanistan stammen. Seit mehreren Jahren gehört Cricket zu den beliebtesten Sportarten Afghanistans. In 1990er Jahren hatten sich afghanische Flüchtlinge in Pakistan für Cricket begeistert, 1995 entstand die Afghanistan Cricket Federation, Ende 2001, nach Sturz der Talibanregierung, brachten die ehemaligen Flüchtlinge den Sport zurück in ihre Heimat. Vorher, unter den Taliban, waren alle Sportarten verboten.


In der Halle des Grazer Uni-Sportzentrums trainiert der Afghan Steiermark Cricket Club jeden Samstagvormittag drei Stunden lang. Die meisten Spieler sind sehr jung. Sohil ist etwa erst 19 Jahre alt und arbeitet als Küchenhilfe in einem Café, daneben besucht er einen Kurs beim Arbeitsmarktservice. Obwohl er erst seit zwei Jahren und acht Monaten in Österreich lebt, spricht er bereits sehr gut Deutsch. Vor mehr als vier Jahren war er - noch minderjährig - allein aus seiner Heimat geflohen und hatte in den sechs folgenden Monaten keinen Kontakt zu seiner Familie. Eineinhalb Jahre dauerte seine Flucht, die ihn über die Türkei und Griechenland nach Österreich führte.

Trainiert werden die Spieler vom Inder Naresh Laddha (r.) .

Trainiert werden die Spieler vom Inder Naresh Laddha (r.) .© Pock Trainiert werden die Spieler vom Inder Naresh Laddha (r.) .© Pock

In Graz begann er zunächst mit einigen Freunden regelmäßig in Parks Cricket zu spielen - was zu Problemen mit den Anrainern führte, denn der Sport ist nicht ganz ungefährlich. Obwohl Sohil und seine Freunde auf einen ledernen Cricket-Ball mit einem Kern aus Holz und Kork verzichtet haben und stattdessen mit einem Tennisball gespielt haben, war die Angst, einmal von einem Schuss erwischt zu werden, bei Passanten sehr hoch.

Pamir - einer der Spieler im Park - hatte damals Kontakt zu Thomas Jäger von SIQ!, (SportIntegration-Qualifikation), einem Projekt der Caritas, das junge Menschen über den Sport integriert. Pamir hat bei einem Verein von SIQ! Fußball gespielt. Thomas Jäger unterstützte und begleitete damals die Gründung des afghanischen Cricket-Clubs, als dessen Kassier er seither fungiert. "Unser Ziel ist, dass die jungen Menschen lernen, sich immer mehr selbst zu organisieren", betont Jäger. Auch die Finanzen sollen in naher Zukunft von den Spielern selbst verwaltet werden.

Sport als Werkzeug zur Integration zu nutzen, ist mittlerweile ein europaweiter Trend. In Österreich hinke man jedoch noch etwas hinterher, bedauert Jäger. "Wenn diese jungen Menschen keinen Sport machen würden, würden sie fast ausschließlich unter sich sein", erzählt er. "Zwar sind derzeit noch alle Mitglieder des Vereins Afghanen, das Ziel ist jedoch, ein Jugendteam zu etablieren, mit dem man auch nicht-afghanische Jugendliche akquirieren kann."

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Dokument erstellt am 2012-12-12 18:17:06


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