• vom 08.04.2013, 17:19 Uhr

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Von Iga Mazak

  • Der Wiener Partisanenchor "Hor 29 Novembar" verschreibt sich den Idealen der Arbeiterbewegung
  • Dort, wo Unrecht geschieht, erhebt der eigenwillige Chor seine Stimme.

Die antifaschistische Hymne "Die Arbeiter von Wien" steht heute auf dem Programm.

Die antifaschistische Hymne "Die Arbeiter von Wien" steht heute auf dem Programm.© Mazak Die antifaschistische Hymne "Die Arbeiter von Wien" steht heute auf dem Programm.© Mazak

Wien. Jeden Mittwochabend hört man lauten Gesang aus dem Keller des Wiener Integrationshauses im 2. Bezirk. Raue Männerstimmen mischen sich hier mit weichen Frauengesängen. "Wacht auf, Verdammte dieser Erde", tönt es da. Es ist die erste Strophe der "Internationalen", dem Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung. Schnell wird klar: In diesen Kellerräumen probt ein Chor der anderen Art. Es ist der "Hor 29 Novembar", der Wiener Partisanenchor.


Wer Kirchenmusik und Hits aus den Charts erwartet, ist hier an der falschen Adresse. Nicht der liebe Gott oder die Angebetete werden hier besungen, sondern die Unterprivilegierten, jene, die keine Stimme haben. Der "Hor 29 Novembar" hat sich den Idealen des Proletariats verschrieben. Seit vier Jahren üben rund 20 Männer und Frauen die Klassiker der Arbeiterbewegung.

"Wir sind kein Chor, wir sind ein Anti-Chor", posaunt Saa Miletic. Der 34-jährige Serbe ist der Chorleiter des "Hor 29 Novembar." Heute Abend werden "Die Arbeiter von Wien" geprobt, eine antifaschistische Hymne, die während der Wiener Julirevolte 1927 entstand. Ernst steht Miletic mit seiner Gitarre vor der bunten Truppe aus Studenten, Künstlern und Akademikern. Die langen Haare hängen ihm tief ins Gesicht. Ein bisschen erinnert er mit seinem strubbeligen Bart an den slowenischen Philosophen Slavoj iek. Vielleicht wurde ihm auch deswegen der Künstlername Slavooy Zhizheck Junior verpasst.

Vor vier Jahren hat Miletic den Partisanenchor gegründet. Der Name bezieht sich auf den Gründungstag der Bundesrepublik Jugoslawien im Jahr 1943. Man gedenkt der Zeit, als das Land noch ganz war, Josip Broz Tito das Sagen hatte (ab 1945) und die Ideale der Arbeiterbewegung gelebt wurden - zumindest ansatzweise.

Miletic erinnert sich noch gut an dieses Jugoslawien. Er sind vor allem die Lieder, die Gastfreundlichkeit und die Geselligkeit, die er nie vergessen wird - und die kommunistische Partei, der die Eltern angehörten. In den Sechziger Jahren zog sein Vater als Gastarbeiter nach Wien. Im Alter von 14 Jahren folgte ihm Miletic nach. Es waren die Neunziger Jahre. Das Thema Ausländer war hoch im Kurs, und die FPÖ machte mit ihren Parolen kräftig Stimmung gegen alles Fremde. In dieses Österreich kam Miletic. Er tat sich schwer in Wien, beherrschte kaum die Sprache und wurde verlacht in der Schule, wenn er sich doch traute, ein deutsches Wort herauszubringen. Heute schreibt Miletic an seiner Dissertation in Theaterwissenschaft. Er ist ein erfolgreich integriertes Gastarbeiterkind, wenn man so will.

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Dokument erstellt am 2013-04-08 17:23:04


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