• vom 12.06.2018, 08:11 Uhr

Migration

Update: 12.06.2018, 11:56 Uhr

Flüchtlinge

Italienische Schiffe sollen "Aquarius" begleiten




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Von WZ Online, APA, AFP

  • Das Schiff soll in Valancia anlegen. Italien sei jedoch zur Aufnahme von Frauen und Kindern bereit.

Seit dem Wochenende ist das Rettungsschiff im Mittelmeer unterwegs auf der Suche nach einem aufnehmenden Hafen. - © APAweb / AP, Salvatore Cavalli

Seit dem Wochenende ist das Rettungsschiff im Mittelmeer unterwegs auf der Suche nach einem aufnehmenden Hafen. © APAweb / AP, Salvatore Cavalli

Valencia/Rom/Ajaccio. Die 629 Migranten an Bord der "Aquarius" sollen von Schiffen der italienischen Marine nach Valencia begleitet werden. Dies twitterte die NGO "SOS Mediterranee", der die "Aquarius" gehört, Dienstag früh. Die "Aquarius" soll bis dahin von einem italienischen Schiff mit Lebensmitteln und Treibstoff beliefert werden.

Nach einem eintägigen Patt hatte die Regierung des sozialistischen spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sanchez am Montag mitgeteilt, dass das Schiff im Hafen von Valencia an der Ostküste Spaniens anlegen dürfe. Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini meinte am Montagabend, das Schiff werde "so bald wie möglich" in Richtung Spanien abfahren. Derzeit befinde sich die "Aquarius" in maltesischen Gewässern.

Salvini erklärte, Italien sei bereit, die an Bord befindlichen Frauen und Kinder aufzunehmen. Bisher sei keine Antwort auf sein Angebot eingetroffen. Die Regierung in Rom bemühe sich um Abkommen mit den Herkunftsländern der Migranten. "Wir arbeiten für die Stabilisierung nordafrikanischer Länder", so Salvini nach einem Ministertreffen im Regierungssitz.


Demonstration für Menschlichkeit

Vor dem italienischen Verkehrsministerium kam es am Montagabend zu einer Demonstration, bei der gefordert wurde, dass Italien seine Häfen nicht für Migranten schließe. "Wir müssen Menschlichkeit beweisen und alle Grenzen offen halten", hieß es von den Demonstranten.

Die 629 Migranten waren am Samstag und Sonntag aus Seenot gerettet worden. Die Menschen seien in sieben verschiedenen Einsätzen gerettet worden, sagten Hilfsorganisationen.

Helfer wollen rasche Hilfe

Ärzte ohne Grenzen fordert eine rasche Lösung. Die Kapazitätsgrenze sei überschritten, berichtete der MSF-Projektleiter auf dem Schiff, Aloys Vimard, am Dienstag.

Der gesundheitliche Zustand der Menschen sei derzeit stabil, aber bei einigen Patienten könnte er sich ohne weitergehende medizinische Behandlung verschlechtern, sagte Vimard laut Aussendung von Ärzte ohne Grenzen. "Wir haben mehrere Menschen in kritischem Zustand behandeln müssen, darunter einige, die fast ertrunken wären, sowie Personen mit Verätzungen. Wir mussten einige Menschen wiederbeleben." Einige der ernsten Fälle müssten "sofort" in einen sicheren Hafen gebracht werden, forderte Vimard.

Derzeit sei man ausreichend ausgerüstet, um alle an Bord behandeln zu können, aber "mit so vielen Menschen auf einem überfüllten offenen Deck, wo sie Sonne und Wasser ausgesetzt sind, sind wir besorgt, dass Hitzschläge und Dehydrierung auftreten können", berichtete der Experte.

Für Lebensmittelnachschub sorgte laut Ärzte ohne Grenzen ein Schiff aus Malta, nachdem die eigenen Vorräte am Montagabend aufgebraucht waren. "Aber es reicht nur für eine Mahlzeit", so Vimard. Spanien hat zwar angeboten, die "Aquarius" in Valencia einlaufen zu lassen, "doch bis dorthin brauchen wir mehrere Tage". "Wir sind kein Passagierschiff. Wir fordern dringend, die Menschen im nächstgelegenen sicheren Hafen an Land gehen zu lassen", appellierte der MSF-Projektleiter.

Auch Aufnahmeangebot aus Korsika

Unterdessen hat auch die Regionalregierung von Korsika angeboten, die seit dem Wochenende auf einem Schiff im Mittelmeer ausharrenden 629 Flüchtlingen aufzunehmen. Angesichts der Notlage, des schlechten Wetters und der zu weit entfernten spanischen Küste biete Korsika an, das Schiff "Aquarius" in einem korsischen Hafen aufzunehmen, erklärte die Regionalregierung der französischen Mittelmeerinsel.





Schlagwörter

Flüchtlinge, Italien, Spanien, Korsika

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-12 08:13:47
Letzte Änderung am 2018-06-12 11:56:18


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