• vom 14.02.2014, 16:13 Uhr

Politik & Recht

Update: 17.10.2014, 09:21 Uhr

Migration

"NO WAY": Comic des Migrationsgrauens




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Von Eva Zelechowski

  • Australische Kampagne als Abschreckungsbeispiel für afghanische Flüchtlinge.

20140214_AUS3 - © Departement of Immigration and Border Protection

20140214_AUS3 © Departement of Immigration and Border Protection

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20140214_AUS1© customs.gov.au 20140214_AUS1© customs.gov.au

In einer Autowerkstatt bückt sich ein ölverschmierter junger Mann über die geöffnete Motorhaube eines Wagens. Neben ihm steht ein älterer Mann (später erfahren wir, es ist sein Vater) und redet ihm zu – die Comic-Blase über ihren Köpfen verrät, es geht um eine bessere Zukunft: sie zeigt den jungen Mann eine gepflegte Allee entlang schlendernd. Schweren Herzens bricht der Junge in eine unbekannte und vermeintlich bessere Zukunft auf. Ein Abschied, ein vollgepferchter Autobus, ein Flugzeug, ein Boot voller Menschen auf hoher See...

So beginnt ein Comic, den die australische Behörde "Customs and Border Protection Service" in Umlauf gebracht hat und der als Abschreckungsbeispiel für afghanische Asylwerber dienen soll. Wer den Plan hat, Australien zu seiner Wahlheimat zu machen, soll mit den knallharten "Fakten" einer Flucht konfrontiert werden. Laut Website ziele das Projekt darauf ab, "die Menschen in Afghanistan über die Wahrheit des Menschenhandels informieren". Es ist Teil des neuen rigorosen Grenzschutzprogramms der australischen Regierung: "No way. They will not make Australia home" (Auf keinen Fall. Sie werden Australien nicht zu ihrem Zuhause machen) prangert in großen Lettern auf der Internetseite der Behörde.



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20140214_AUS2© customs.gov.au 20140214_AUS2© customs.gov.au

Nicht Format, sondern Botschaft problematisch


Auf 18 Seiten des Comic sehen wir die "Horror-Geschichte" eines jungen Afghanen abgebildet, dessen Eltern ihn zur Migration überredet haben. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass Comic-Hefte gewählt werden, um Botschaften über Migration und Asylpolitik zu transportieren. Problematisch an dieser (diffamierenden) Kampagne ist aber weniger das Format als die Botschaft selbst. Wir sehen einen Asylwerber angetrieben durch die wirtschaftliche Perspektivlosigkeit in seinem Heimatland, der sein Dasein nicht mehr länger als Mechaniker fristen will und nach einem besseren Leben in Downunder strebt.

Was die Kampagne der australischen Behörde noch offenbart, ist ein  erstes offizielles Zugeständnis zur Anweisung an das Grenzschutzpersonal, Flüchtlingsboote direkt auf hoher See abzuschieben. "Push back" nennt sich die Praxis und wird von UNCHR als völkerrechtswidrig kritisiert.

"Angstschürende Propaganda"

Im Laufe des Migrationsgrauens sehen wir Bilder von Menschen, die an ihre physischen und psychischen Grenzen stoßen: Krankheit und Depression in Auffanglagern statt Schlaraffenland und Luxus.

Laut einem Bericht des britischen "Guardian" bezeichnete die australische Politikerin Sarah Hanson-Young das Comic als "angstschürende Propaganda, die komplett außer Acht lässt, dass der Großteil der Flüchtlinge vor Krieg, Folter und Terror fliehen".

Wie viel Geld die "Werbekampagne" gekostet hat, ob sie national oder auch außerhalb Australiens gespielt werden soll, ist unklar.




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Dokument erstellt am 2014-02-14 16:20:55
Letzte Änderung am 2014-10-17 09:21:58


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