• vom 20.02.2016, 20:43 Uhr

Bier

Update: 16.05.2016, 15:38 Uhr

Bier im Visier / Wiener Journal

Sanfte Engel und
andere himmlische Wesen




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Von Edit Rainsborough

    "Wenn ich es will, wenn ich es will, singen die Engel, und der Himmel
    steht still", singt die Düsseldorfer Punkrock-Band "Broilers". Nehmen
    Sie unsere Verkostung mit Biersommelière Karin Vouk ernst, könnte es
    Ihnen auch so gehen.


    Weihnachten duftet süß. Nach Zimt, Vanille und Marzipan. Aber ist Ihnen schon einmal ein Engel begegnet? Ein sanfter Engel? In unschuldigem Weiß? Als Bier? Biertechnisch ist der Winter die Zeit der stärker eingebrauten Bockbiere. Sie boten einst den Fastenden mit reichlich Kalorien Sättigung und Kräftigung. Diese alkoholstarken Biere gibt es traditionell bis heute. Doch mittlerweile versprechen auch abseits des Bocks vielerlei weihnachtlichen Bierkreationen himmlische Genüsse – ohne Bierzauberei! Freuen Sie sich auf Biere, die beflügeln.

    Die Bengel

    Die Bengel

    Die Bengel© Simon Rainsborough Die Bengel© Simon Rainsborough

    Mit einer Farbe wie goldene Engelslöckchen schimmert der charakterstarke "Weihnachtsbock" der Brauerei Grieskirchen. Für ein Bockbier ist es ungewöhnlich spritzig. Doch hinter dieser Sprizigkeit verstecken sich 7,1 Volumenprozent Alkohol. Also Vorsicht, nicht von dem engelhaften Aussehen täuschen lassen!
    Der "Festbock" aus dem Geroldinger Brauhaus in Niederösterreich, der bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften "Austrian Beer Challenge" im Herbst 2015 in der Kategorie Bockbiere den zweiten Platz hinter dem hauseigenen "Maibock" belegte, ist ein besonders süffiges Bier. Mit regionalen und saisonalen Bierspezialitäten möchte Brauerin Nadine Willach Biergenießern "bodenständige Biervielfalt" präsentieren. Der "Festbock" schmeckt durch lange Lagerung und 8,2 Volumenprozent vollmundig mit schöner Röstaromatik, die auch ein wenig an Kletzenbrot erinnert und den Weihnachtsbraten wunderbar zu ergänzen vermag.
    Ein teuflisches Bier hat die Brauerei Raschhofer eingebraut. Der "Teufelskerl" ist ein klassischer Bock, der es mit 7,3 Volumenprozent Alkohol ebenfalls ganz schön in sich hat. Manche meinen, bei diesem Genuss würden die Engel singen.

    Die Engel

    Engelhaft

    Engelhaft© Simon Rainsborough Engelhaft© Simon Rainsborough

    Apropos Engel. Diese himmlischen Wesen verirren sich hin und wieder ins Glas. Und so hat die Brauerei Raschhofer als Pendant zum "Teufelskerl" gleich auch einen Engel eingebraut. Rötlich schimmernd, von einem festen weißen Schaum gekrönt, prickelt spritzig der "Rote Engel" aus dem Innviertel. Dieser Engel ist ein "Red Ale", das seine Farbe durch die Zugabe, rot färbender Malze erhält. Wie es sich für einen Engel geziemt, schmeckt er lieblich frisch und malzig süß. Von Zimt bis Zitrus (erinnert am ehesten an rosa Grapefruit) finden sich hier weihnachtliche Aromen. Mit einem Alkoholgehalt von nur fünf Volumenprozent ein engelhaft leichter Genuss. Es ist übrigens der Erzengel Uriel, der mit seinem roten Licht die Menschen erdet. Und so ist dieses Bier auch gar kein bisschen abgehoben.
    Ein ganz anderer Engelsgenuss kommt aus der "Steamworks Brewery", aus dem kanadischen Vancouver, deren Biere dank Herbert Ottenschläger, dem Cousin des Brauereibesitzers Eli Gershkovitz (deren beider Großvater einst in Wien lebte), seit Anfang des Jahres auch in Österreich erhältlich sind. Weiß schwebt der Engel, eine Flasche im Arm, gen Himmel. Ob es der Erzengel Gabriel ist, der mit seinem weißen Licht für Reinheit, Klarheit und Neubeginn sorgt? Im Glas glänzt er in trübem Engelshaar-Gold. Das "White Angel" ist ein India Pale Ale (IPA), das fruchtig-bitter durch feine Zitrusaromen, etwas Orangenschale und einen Hauch Nelken glänzt. Bei 6,5 Volumenprozent bietet der weiße Engel einen ausbalancierten und himmlisch leichten Genuss, der auch so manch scharfe Speise zu zähmen vermag.

    Das Christkind

    Es weihnachtet sehr

    Es weihnachtet sehr© Simon Rainsborough Es weihnachtet sehr© Simon Rainsborough

    Und wo zu Weihnachten die Engel sind, ist das Christkind auch nicht weit. Festlichen Trinkgenuss verspricht das "Christkindl" von Stiegl, wie es bernsteinfarben mit himmlisch weißer Schaumkrone im Glas leuchtet. Samtig-mild macht es der Honig, den man sanft riecht und herausschmeckt. Honigbiere haben eine lange Tradition. Schon die Germanen verfeinerten ihr Bier – inspiriert vom Honigwein, dem Met – mit Honig, der das Bier auch länger haltbar machte. Das schlanke Bier würde herrlich zum weihnachtlichen Fisch schmecken, aber auch zu Lamm oder zu Lebkuchen.
    Die Stieglbrauerei bietet aber auch mit ihrem heurigen Jahrgangsbier, dem "Sonnenkönig II.", eine Bierspezialität, die durchaus zu Weihnachten passt. In leuchtendem Goldgelb grüßen Marille und Marzipan aus dem Glas und bieten festlich oppulenten Genuss bei 9,5 Volumenprozent Alkohol.
    Weihnachtlich duftend nach Orangen, Nelken und Sternanis bringt das orangerote "Weihnachtsbier" mit feinem zartrosa Schaum aus der steirischen Brauerei Herzog die leichte, fröhlich-fruchtige Seite des Festes ins Glas. Hervorragend als Aperitif geeignet, versüßt es wortwörtlich das Fest.

    "Stille Nacht"

    Ganz andere Töne schlägt die "Stille Nacht" an. Mit feinporigem, cremefarbenem Schaum glänzt sie im Glas, duftet lieblich malzig mit kräftiger Röstaromatik und schmeckt nach Toffee, Bitterschokolade und Karamell. Das 6,3 Volumenprozent starke "weihnachtliche Festbier" der Brauerei Schnaitl, die im heurigen Herbst den zweiten Platz in der Kategorie "Dunkle Lagerbiere" bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften "Austrian Beer Challenge" gewann, wurde zu Ehren des weltberühmten Weihnachtsliedes von Joseph Mohr (Text) und Franz Xaver Gruber (Musik) komponiert.

    "Stille Nacht" und "knockin' on heavens door"

    "Stille Nacht" und "knockin' on heavens door"© Simon Rainsborough "Stille Nacht" und "knockin' on heavens door"© Simon Rainsborough

    Das Lied "Stille Nacht, heilige Nacht", der Inbegriff des weihnachtlichen Brauchtums, wurde übrigens erstmals zu Heiligabend 1818 im Salzburgischen Oberndorf, also unweit der Gundertshausener Brauerei Schnaitl, aufgeführt. Ein Bier, das wunderbar zu Weihnachtskeksen und zur Weihnachtsgans passt. Wenn da einmal nicht ein Engel durchs Zimmer fliegt…

    Im siebten Himmel

    Die Brauerei Zwettl im niederösterreichischen Waldviertel hat das hauseigene "Momentum Doppelbock dunkel" mit einem Edelbrand des Doppelbocks ergänzt und mehrere Monate in einem Whisky-Fass gelagert. Heraus kam ein Bier, das man am besten als Digestif nach einem üppigen Weihnachtsmahl oder auch als himmlischen Begleiter zu einem Vanillekipferl genießt. Das "knockin‘ on heavens door" bietet ein komplexes Duft- und Geschmackserlebnis aus Dörrobst und Zwetschken. Der ausgeprägte Malzkörper und die aromatischen Hopfentöne vollenden die Rarität, von der nur 360 nummerierte Kleinflaschen abgefüllt wurden. Wenn man bei 17,4 Volumenprozent nicht schon allein wegen des Alkoholgehalts an die Pforte zum Bierhimmel klopft, dann ist das dem Himmel auf Erden sehr nah.

    Erschienen im Wiener Journal vom 24. Dezember 2015.





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    Dokument erstellt am 2016-02-20 20:44:41
    Letzte Änderung am 2016-05-16 15:38:21


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