• vom 20.02.2016, 21:32 Uhr

Bier

Update: 01.08.2016, 13:11 Uhr

Bier im Visier / Wiener Journal

Beziehung mit Bier


Biersommelière Karin Vouk privat im Beer Store Vienna. - © Simon Rainsborough 



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Von Edit Rainsborough

Sie trinkt gerne Bier. Und weiß viele Geschichten über dieses
wunderbare Getränk zu erzählen. Wie es dazu kam? Durch ihre Liebe zu
Kriminalromanen. Auf ein Bier mit Biersommelière Karin Vouk.


"Der Sommelier war ursprünglich der Vorkoster am Hof und hatte die Aufgabe, Speisen und Getränke auf ihre Qualität zu prüfen", schreibt die Münchner Doemens Akademie in ihrer Broschüre zur Biersommelier-Ausbildung. Heute gibt es Sommeliers und Sommelièren für Wein, Kaffee und sogar für Wasser. Und natürlich auch für Bier.
Ihre Liebe zum Bier entdeckte Karin Vouk, als sie vor fünf Jahren den Krimiautor Günther Thömmes bei der Buchpräsentation der Krimianthologie "Malz und Totschlag" kennenlernte. Neben Thömmes, in der Brauwelt besser bekannt als Bierzauberer, waren auch andere Biergrößen wie Sepp Wejwar alias der Biersepp und der Bierpapst Conrad Seidl zugegen.

Auf den Geschmack gekommen

Letzterer bekam ein "Chili Stout" ge-schenkt und weil Vouk nicht nur Chili, sondern auch dunkles Bier mag, hätte sie das Geschenkbier gerne probiert. Bis zu ihrem ersten Kreativbiererlebnis musste sie noch einige Monate warten. Beim "Wiener Bierfest" probierte sie zum Einstieg in die neue Bierwelt den "Matador", den Thömmes als Hommage an die alte Brunner Brauerei braute. Ein dunkles, starkes und "sehr bitteres Ale". Ein "heftiges Einsteigerbier", erinnert sich Vouk, laut Thömmes "nichts für Weicheier". Die Biernovizin ließ sich jedoch nicht von der extremen Bittere abschrecken und probierte weiter. Und es war um sie geschehen. Das Geschmackserlebnis ließ die junge Frau nicht mehr los. Immer tiefer tauchte die neugierige Vouk in die Bierwelt ein. Sie "wollte ihrer Begeisterung für die Geschmacksvielfalt ein Fundament geben", erzählt Vouk, deren Name auf Slowenisch Wolf bedeutet. "Das lateinische Wort für Wolf ist lupus und von dort ist es nur noch ein Katzensprung zu Humulus lupulus, also dem Hopfen", erzählt sie lachend. Nomen est omen?

Eintauchen in die Bierwelt

Es folgt ein Braukurs in Obertrum im Bierkulturhaus von Axel Kiesby und ein Artikel in der Mitgliederzeitschrift der Interessengemeinschaft der Bierkonsumenten (Bier IG) darüber, wie sie zum Bier kam. Kurze Zeit später übernahm Vouk die Sektion Wien der Bier IG, wo sie mittlerweile im Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und den monatlichen Hobbybrauer- Stammtisch in Wien organisiert. Bald darauf macht sie in Obertrum auch die Ausbildung zur Biersommelière. Als eine der ersten Frauen in Österreich. "Doch in der Männerdomäne Bier wird Frauen im Allgemeinen immer noch Kompetenz abgesprochen", findet Vouk. Die Ausbildung hat sie diesbezüglich selbstbewusster gemacht. Denn als Biersommelière kennt sie alle Stationen des Bieres: vom Herstellungsprozess bis hin zum Ausschank im richtigen Glas. Beim Bier macht ihr keiner so schnell was vor. Und so erzählt sie gerne über Bier. Historisches ebenso wie über die Geschmacksnuancen. Seit Jahren stellt sie beim Genussmagazin zweimal im Monat das "Bier der Woche" vor und empfiehlt als leidenschaftliche Köchin auch gleich die passende Speisebegleitung dazu.

Beziehungsspiel

"Beim Vermählen von Speisen und Bieren ist es wie bei Beziehungen", erklärt Vouk mit einem Lächeln und plaudert fröhlich weiter. "Gleich und Gleich gesellt sich gern, Gegensätze ziehen sich an beziehungsweise hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau." Beispiele gefällig? "Ein Stout mit Röst- und Schokoladenaromen passt farblich und geschmacklich wunderbar zu schokoladigen Desserts", verrät die Biersommelière. Die Bittere eines stark gehopften India Pale Ale (IPA) vermag beispielsweise als Gegenspieler die Schärfe einer Chili con carne zu zähmen. Und wie ist das mit den erfolgreichen Männern und den starken Frauen zu verstehen? "Ein beliebtes und erfolgreiches Dessert wie die Panna cotta gibt einem gehaltvollen, aromatischen Bierbegleiter genügend Raum, um es geschmacklich anzuheben", erklärt Vouk. Sie selbst ist "kein Freund von einfachen Kombinationen", verrät sie, "auch wenn man damit zumeist auf der sicheren Seite ist".

Das Auge isst mit

Und welches Bier trinkt man als Biersommelière besonders gern? Ein Lieblingsbier hat Karin Vouk, deren Kühlschrank zumeist und vor allem mit feinen Bieren gefüllt ist, nicht. Wie könnte sie auch unter der momentan selbst in Österreich herrschenden Biervielfalt monogam werden. Mal schwärmt sie von schlanken Stouts, dann von aromatischen Pale Ales und derzeit ganz besonders von Sauerbieren. Und weil sauer bekanntlich lustig macht, feierte sie ihren runden Geburtstag unlängst bei einer privaten Sauerbierverkostung, bei dem einige Schätze aus ihrem "Bierkeller" zu Tage kamen, wie die "Weltmeister Weiße Famboise", die der deutsche Biersommelier-Weltmeister Oliver Wesseloh 2014 eingebraut hat. Ein Bier in einer rosafarbenen Sektflasche mit weißem Einschlagpapier und einem stilisierten "W" darauf, das nicht nur weltmeisterlich schmeckt, sondern auch so aussieht. Vouk hat ein Faible für schöne Dinge. So achtet sie beim Bier nicht zuletzt auch auf das Etikett und kauft gern einmal ein Bier, einfach weil es schön verpackt ist.

Erschienen im Wiener Journal vom 29. Jänner 2016





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-02-20 21:33:14
Letzte Änderung am 2016-08-01 13:11:18

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