• vom 16.05.2016, 14:57 Uhr

Bier

Update: 16.05.2016, 15:29 Uhr

Bier im Visier / Wiener Journal

Bier für Bitcoins


Der Malefitz... - © Fotos: Simon Rainsborough  ...ist das Bierfachgeschäft am Meidlinger Markt.  Mit einer bunten Auswahl feiner Biere…  begeistert Besitzer Alexander Fitz die Nachbarschaft. - © Fotos: Simon Rainsborough 



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Von Edit Rainsborough

Seine Leidenschaft für besondere Biere ließ Alexander Fitz einen Bierfachhandel eröffnen. Ein Besuch beim Malefitz am Meidlinger Markt.


"Malefiz, das wissen vielleicht wenige, ist das Gegenteil von Benefiz", erklärt Alexander Fitz. Seine humanistische Bildung kann er nicht verstecken. Dass sein Bierfachgeschäft den Namen "Malefitz" trägt, ist zum einen jenem Brettspiel geschuldet, das in den siebziger Jahren in keinem Haushalt gefehlt hat. Frühkindliche Prägung sozusagen. Das Wort selbst kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Übeltat oder Verbrechen. Doch davon kann bei dem malefitz‘schen Marktstand gar keine Rede sein. Ganz im Gegenteil.

Vor dreieinhalb Jahren zog Fitz nach Meidling. "Es war zu der Zeit, als hier der Milchbart aufgesperrt hat", erzählt er. Das erste Szenebeisl am Markt, der zum Samstagsfrühstück plötzlich Genießer aus ganz Wien anlockte. Seit dem hat sich am Markt in Meidling viel getan. Eine ganze Reihe schicker Beisln und feiner Marktstände versuchen gemeinsam, den 1873 gegründeten charmanten kleinen Bezirksmarkt wachzuküssen. Ganz gelungen ist es bis heute nicht, und so bezeichnet Fitz den Zustand des zuletzt 2006 revitalisierten Nahversorgers im zwölften Wiener Gemeindebezirk derzeit als eine Art "Wachkoma".

Dass er im Oktober 2014 gerade hier ein Geschäft für Bierspezialitäten eröffnete, sei ihm "einfach passiert", erzählt der gebürtige Vorarlberger fröhlich über seinen Marktstand. Mit dem Gedanken, sich selbständig zu machen, spielte er schon länger. Nach 15 Jahren Nachtschicht in der Wiener Gastronomie ein naheliegender Gedanke. "Und plötzlich gab es das erste Craft Bier Fest in Wien im April 2014. Ich habe dort Biere kennengelernt, die es vorher nicht gegeben hat", erzählt Fitz leidenschaftlich, "Brauereien wie Brew Age, Bevog und Bierol waren gerade einmal einige Monate alt". Als er kurze Zeit später einen leeren Marktstand am Meid- linger Markt entdeckt, beschließt er, hier einen Bierhandel zu eröffnen.

Den Schwerpunkt legt Fitz auf heimische Biere von kleinen Brauereien. "Als ich 2014 aufgesperrt habe, kannte von den Menschen, die heute bei mir einkaufen, niemand auch nur ein einziges Bier, das ich verkaufe", erzählt er. Und auch wenn Gastronomie und Handel am Markt streng getrennt sind, erlaubt der Lebensmittelhandel laut Gewerberecht auch Ausschankrechte. "Genau diese Mischform hat mir gefallen", erzählt Fitz, "man kann bei mir Bier kaufen, aber auch das eine oder andere Bier trinken. Um den Handelspreis."

Im Sommer kann man auch an einem der erlaubten acht Sitzplätze gemütlich vor dem Lokal die Abendsonne zum Bier genießen. "Ein Problem sind die Öffnungszeiten", erzählt Fitz. Er darf als Marktstand nur bis 19:30 Uhr offen halten. Die Gäste selbst würden manchmal gerne länger bleiben. Doch da ist die Marktordnung streng.

"Meine Kunden sind keine Bierexper- ten", erzählt Fitz. Die meisten habe er "bei Null abgeholt" und ihnen seine Leidenschaft für gutes Bier nahe gebracht. Heute vertrauen ihm die Kunden und trinken als Feierabendbier gerne das, was die kleine Schankanlage gerade hergibt – ob Hanfbier vom Brauschneider oder IPA von Zeux. "Die Offenheit, etwas neues zu probieren, ist auch größer geworden", sagt Fitz, der selbst gut gehopfte Biere bevorzugt, "im letzten Jahr ist viel passiert, plötzlich meint jeder zu wissen, was 'Craft Bier' ist". Ein Begriff, den Fitz nie verwenden würde. Er verkauft Bier. "Handgemachtes Bier aus kleinen Brauereien", wie er sagt. "Was bei mir gut ankommt und sonst kaum jemand führt", erzählt Fitz, "sind die Biere der Marchfelder Storchenbrauerei. Brave, schöne Lagerbiere. Klassiker wie Märzen, Pils, Bock, die gerade einmal von 40 Kilometer entfernt kommen. Voller Herz und Leidenschaft, mit konstanter Qualität, wie es nicht viele schaffen". Im Malefitz findet man etwa an die 80 ausgewählte Biere, allesamt fachgerecht gekühlt gelagert. "Die Qualität kontrolliere ich laufend", sagt Fitz und lacht. Und er meldet eventuelle Produktionsfehler an die Brauereien zurück. Das, was er wegen der geringeren Haltbarkeit von ungefilterten und unpasteurisierten Bieren nicht verkauft, landet bei ihm Zuhause im Kochtopf. Doch manch abgelaufenes Bier kann auch abseits des Kochtopfs eine angenehm gereifte geschmackliche Überraschung sein, findet Fitz.

"Wie das Geschäft läuft, hängt stark vom Markt ab", erzählt der 39jährige. Das sei einmal besser, einmal schlechter. Und auch das Wetter spiele eine Rolle. "Die Eröffnung von BeerLovers im November letzten Jahres war eine einschneidende Geschichte", sagt Fitz, "auf einen Schlag sind über die Bezirksgrenze hinaus keine Kunden mehr gekommen".

"Ich bin halt ein Marktstand", sagt Fitz, und das hat hier auch eine soziale Funktion. Das Malefitz ist ein Treffpunkt für die Menschen, die hier wohnen. Unvergleichlich unaufgeregt geht es am Meidlinger Markt zu. Hier kennt man sich persönlich und ist mitunter auch befreundet. Dass man im Malefitz nicht nur mit Bargeld, sondern auch mit der weltweiten digitalen Währung Bitcoins zahlen kann, ist ebenso der Nachbarschaftshilfe geschuldet. "Ich bin nur dazu gekommen, weil es mir ein IT-Nerd aus der Nachbarschaft erklärt hat", sagt Fitz und fand Gefallen daran.

Der Malefitz jedenfalls fühlt sich "wahnsinnig wohl" am Markt und findet es schön, welch bunte Mischung an Leuten hier zusammenkommt. "Diese Art von Geschäft hätte ich an keinem anderen Ort der Welt gemacht", sagt Fitz. Und "es ist der bequemste Arbeitsplatz, den man sich vorstellen kann, weil ich hier um die Ecke wohne", fügt er lachend hinzu.

Erschienen im Wiener Journal vom 26. Februar 2016




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-05-16 14:58:43
Letzte Änderung am 2016-05-16 15:29:58

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