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Update: 01.02.2019, 13:10 Uhr

Wiener Journal

Von Typen und Farben




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Von Christina Mondolfo

  • In einer Welt voller Farben hat jeder seine Lieblingsfarbe - und das ist vielleicht sogar die, die einem tatsächlich gut zu Gesicht steht.

Nicht jedem passt jede Farbe.

Nicht jedem passt jede Farbe.© Getty Images Nicht jedem passt jede Farbe.© Getty Images

"Diese Farbe passt Ihnen aber gut!", sagt die Verkäuferin, aber Sie selbst sind sich da nicht so sicher? Vermutlich hat Ihr Bauchgefühl recht und Sie sollten darauf vertrauen, denn es wäre schade, wenn der neue Pullover dann im Kleiderkasten landet und nie getragen wird, weil Sie sich darin nicht wohl fühlen.

Dass Farben das Aussehen und die Ausstrahlung eines Menschen deutlich beeinflussen und sogar verändern können, ist unbestritten. Wieso das so ist und worauf es beruht, hat unter anderem der Schweizer Maler, Grafiker und Kunstpädagoge Johannes Itten (1888-1967) untersucht. Ausgehend von dem Schweizer Designlehrer Eugène Gilliard und den Farbuntersuchungen seines Lehrers Adolf Hölzel entwickelte er seine eigene Farblehre. In Ittens Farbkreis sind die Primärfarben Rot, Gelb und Blau sowie deren Komplementärfarben Orange, Grün und Violett enthalten. Durch verschiedene Mischverhältnisse untereinander entstehen weitere Farbtöne. Schwarz und Weiß kommen nicht vor. Jeder Farbe ordnet Itten verschiedenen Eigenschaften zu, so steht zum Beispiel Blau für Kälte oder Rot für Wärme.

Den Einfluss, den Farben aufeinander haben, beschrieb er in seiner Theorie "Die sieben Farbkontraste". Doch Itten ging noch weiter: Er ließ Studenten für seine Forschungen zum Zusammenhang von Form und Farbe ihre eigene individuelle Vorstellung von harmonischen Farben malen. Da er sich während dieser Aufgabe nicht im Raum befand und die Arbeiten auch nicht signiert waren, wusste er nicht, von wem welche Arbeit stammte. Doch er verglich die Blätter mit dem Aussehen, der Haut-, Augen- und Haarfarbe der Studenten und ordnete überraschend akkurat die Blätter den richtigen Studenten zu. Dieses Ergebnis führte zu weiteren Untersuchungen über die Auswirkung von Farben auf menschliche Gesichtszüge und Aussehen – die Farbtypenlehre war geboren und damit ein neuer Berufszweig, nämlich der des Farbberaters (der heute längst gemeinsame Sache mit dem Stilberater macht).

Unterteilung nach Jahreszeiten

Itten stellt fest, dass sich alle Menschen aufgrund ihres Hauttons sowie ihrer Augen- und Haarfarbe zwei Hauptgruppen und vier verschiedenen Typen zuordnen lassen: Die Hauttontypen werden in kalt- oder warmtonig unterschieden, die Typen nach den vier Jahreszeiten in Frühling-, Sommer-, Herbst- und Wintertyp.

Obwohl die menschlichen Hautfarben in einem breiten Bereich unterschiedlich sind, gibt es beim Unterton nur zwei Haupt-Varianten. Mit warmtonig werden gelblich oder sehr selten vorkommende rötlich unterlegte Hautfarben bezeichnet, mit kalttonig entsprechend bläulich unterlegte Hautfarben. Dieser Hautunterton besteht von Geburt an und verändert sich im Verlauf des Lebens nicht. Neben diesem Blauwert für die Einteilung der Hauptklassen werden Hautfarben außerdem nach ihrer Intensität und dem Lichtwert des jeweiligen Farbtones unterteilt. So werden vier Farbtypen gebildet, die nach den vier Jahreszeiten benannt sind. Doch während es Mischtypen zwischen Frühlings- und Herbsttyp beziehungsweise Sommer- und Wintertyp geben kann, gibt es keine Mischtypen zwischen warm- und kalttonig.

Zu den warmtonigen Hautfarben gehören der Frühlings- und der Herbsttyp. Der Frühlingstyp ist hell mit einem golden-rosigen Hautton, die Haarfarbe reicht von Rot- oder Goldblond über Aschblond bis zu Brauntönen mit goldenen bis rötlichen Reflexen. Der Teint ist zart, bräunt schlecht und neigt zu Sonnenbrand. Sommersprossen können vorkommen. Die Augenfarbe ist meist Gelbgrün oder Gold- und Dunkelbraun, klarblaue Augen sind selten. Zum Frühlingstyp passen Farben wie etwa kräftiges Tomatenrot (mit Orangestich), Korallenrot, Orange, Apricot, Hummer, Eidottergelb, helles bis kräftiges Türkis, helles Gelbgrün, Apfelgrün, Lindgrün, Grasgrün, Elfenbein, Cremefarben, Beige, Honigfarben, Mittelbraun. Lindgrün, Frühlingsgrün, Champagner, Honig, Cognac, Türkis, Aquamarin, Apricot, Lachsrot, Hummerrot, Mohnrot oder Gold.

Von Kastanienrot zu Tannengrün

Der Herbsttyp ist eine Spur dünkler als der Frühlinstyp, hat aber ebenfalls einen golden-rosigen Teint und rotbraunes, rotes oder mittel- bis dunkelblondes Haar mit goldenem Schimmer oder einem Honigton. Der Teint ist zart und bräunt schlecht. Der Herbsttyp hat braune oder grüne Augen. Seine Farben sind Bordeauxrot (mit Braunstich), Dunkelrot, tiefes Korallenrot, Rostrot, Terracotta, Dunkelorange, Senfgelb, Ocker, Petrol, Tannengrün, dunkles Gelbgrün, Olivgrün, Blattgrün, Dunkelbeige, Honigfarben, Dunkel- bis Mittelbraun, Aubergine, Rostrot, Kupferrot, Kastanienrot, Olivgrün, Tannengrün, Goldbeige, Camel, Rehbraun, Schokobraun oder Kupfer.

Zu den kalttonigen Hautfarben gehören der Sommer- und der Wintertyp. Der Sommertyp ist blass mit kühlem, bläulich-rosigem Hautton, die Haarfarbe – blond bis braun – zeigt aschige Reflexe. Die Augenfarben reichen von Blaugrau, Blaugrün, Graugrün über Graublau bis zu Grau und kühlen Brauntönen. Dem Sommertyp passen Farben wie Himbeerrot und Bordeauxrot (mit Blaustich), Jeansblau, Graublau, Taubengrau, Dunkelblau, Flieder und alle matten Lila-Töne, Rosa-Töne, Rosabeige, Graubeige, Hellgrau bis Anthrazit, Pastellgelb, Mint, Jade und graustichiges Blaugrün, gebrochenes Weiß, Himmelblau, Silbergrau, Taupe, Mauve, Lavendel, Mintgrün, Schilfgrün oder Platin.

Der Wintertyp hat einen kühlen, bläulichen oder olivfarbenen Hautton und meist dunkles Haar von Kastanienbraun bis Schwarz. Von sehr schnell bräunend bis gar nicht bräunend kommt alles vor. Auch bei den Augenfarben ist beim Wintertyp jede möglich, allerdings herrscht eher dunkles Braun vor. Der Wintertyp kann als einziger Farbtyp reines Schwarz, Weiß und kontrastreiche Farbkombinationen tragen, außerdem kräftiges Rot mit Blaustich, Royalblau, Eisblau, Indigo-Blau, Grün-Blau, Violett und Lila, Pink, Eisrosa, Blautürkis, Zitronengelb, silbriges Grau in allen Helligkeitsstufen, Magenta, Purpur, Krokus, Kirschrot, Smaragdgrün, Chromgrün, Zitronengelb, Enzianblau, Nachtblau, Lavendelblau oder Kornblumenblau. Und wenn es sein muss sogar Neonfarben…

Seit 1980er ist Farbskala gewachsen

Diese klassische Einteilung lässt jedoch auch erkennen, dass viele Menschen nicht genau in dieses enge Raster passen. Seit den 1980er Jahren wurde die Farbtypenlehre im Rahmen der Farb- und Stilberatung daher um eine Palette der individuellen Farbskala des Farbmischtyps erweitert, die ein breiteres Farbbild ermöglicht, um besser auf die individuelle Persönlichkeit eingehen zu können, indem Zwischentöne in die Farbberatung einbezogen werden. Farbberater wissen auch, dass Wirkung und Einordnung von Farben von der jeweiligen Beleuchtung abhängen und wählen bei der Bewertung des Farbtyps entsprechend dem natürlichen Tageslichtspektrum. Wurde der passende Typ festgestellt und mittels des Anlegens von Farbtüchern genau definiert, erhält man einen Farbpass mit den entsprechenden Farbtönen, der ein hilfreicher Begleiter beim nächsten Kleidungseinkauf sein kann. Dabei gilt, dass das Oberteil die dem jeweiligen Typ entsprechende Farbe haben sollte, Farben, die nicht dem Farbtyp entsprechen, können ab dem Beckenbereich getragen werden. So wird garantiert, dass man strahlender und authentischer aussieht und nicht älter, blasser oder disharmonisch. Denn Kleider machen zwar Leute, aber Farben die Ausstrahlung…





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-01 12:58:02
Letzte Änderung am 2019-02-01 13:10:18



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