• vom 01.02.2013, 10:30 Uhr

Freizeit

Update: 05.02.2013, 13:00 Uhr

Psychologie

Spieglein, Spieglein




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Von Monika Jonasch

  • Wer in den Spiegel sieht, wird mit vielerlei konfrontiert – zuallererst aber immer mit sich selbst
  • Vom Sein und Schein, von Eitelkeit und Selbsterkenntnis, Reflexion und Inversion.

Eigentlich ist er nur eine glatte Fläche, die Licht zurückwirft: Wasser, Glas oder poliertes Metall: Der Spiegel scheint harmlos - auf den ersten Blick. Aber wenn Menschen in den Spiegel blicken, wird es spannend, vor allem, wenn sie dies in einer Geschichte tun. Dann beginnt nämlich der Trick mit dem Realitätsknick.

Im Märchen sind Spiegel zumeist magische Utensilien, sie sprechen die Wahrheit, aber nicht immer unbedingt jene, die der Fragende gerne hören will: "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?", fragt da die böse Königin in "Schneewittchen". Die Antwort führt zu Mord und Totschlag. Und der Spiegel trägt daran einen wesentlichen Anteil.


Tödliche Eitelkeit

Er zeigt der Königin, dass es eine schönere Frau gibt als sie, konfrontiert sie auf diese Art mit einer höchst unwillkommenen Selbsterkenntnis – sie ist nicht schön genug – und veranlasst sie zu bösen Taten. Hat der Spiegel also Schuld? Nicht unbedingt, gibt er doch nur unbarmherzig Antwort auf ihre bangen Fragen, Ausdruck ihres völlig überzogenen Selbstbildes – Eitelkeit wird so zum Mordmotiv.

Für einen Selbstmord im weiteren Sinne sorgte jedenfalls das Spiegelbild des Narziss in der griechischen Sage. Er verliebte sich in seine Spiegelung im Wasser und ging daran letztlich zugrunde. So tödlich ist ein vermeintlich harmloser Spiegel? In den Geschichten steckt mehr als nur ein magisches Motiv. Wie immer bei Märchen geben sie Aufschluss darüber, wie das Leben sein soll, und warnen vor Gefahren. Und die Gefahren sind in den Spiegel-Geschichten zahlreich…

Wer kann es den Menschen daher verdenken, dass sie Spiegel und die offenbar durch sie erzeugte Eitelkeit zu fürchten begannen. In Klöstern waren Spiegel verboten, Frauen und vor allem junge Mädchen wurden sogar davor gewarnt, zu oft in den Spiegel zu sehen. Der Spiegel galt als Gefahr für die seelische Unversehrtheit, stellte er doch das Äußere vor die inneren Werte, veränderte jene, die in ihn hineinblickten.

Blick hinter die Realität

Mächtige Magie verspricht der Spiegel seit Anbeginn der Menschheit und wurde daher als Wahrsage-Hilfe benützt. Mit Wasserschalen oder poliertem Metall ausgestattet versuchten weise und weniger weise Menschen die Zukunft vorherzusagen.

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Dokument erstellt am 2013-01-29 15:04:14
Letzte Änderung am 2013-02-05 13:00:48



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