• vom 01.02.2013, 10:00 Uhr

Freizeit


Film

Schöner Schein




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Von Christina Mondolfo

  • Ist Eitelkeit im Film- und Fernsehgeschäft Pflicht oder Kür?
  • Stets perfekt geschminkt, frisiert und gekleidet geben Film- und Fernsehstars in vielen Rollen ein Bild vor, das so gar nicht der Realität entspricht.

Die Ermittlerinnen trippeln auf dünnen, hohen Absätzen und in weißen Hosen oder engen Miniröcken über und durch Tatorte, ihre Kollegen sind in edles Tuch und feine Lederschuhe gewandet. Im Operationssaal sitzt das Make-up, trotz Schweißperlen, die von der Stirn kullern, zerrinnen weder Rouge noch Wimperntusche. Und wo nach einem feuchtfröhlichen oder dramatischen Abend am nächsten Morgen üblicherweise Knitterfalten, Tränensäcke und dunkle Augenringe sein sollten, gibt es höchstens eine leicht zerzauste Haarsträhne; ein maximal leichtes Stirnrunzeln angesichts der strahlenden Morgensonne kann den perfekten Look in keiner Weise auch nur annähernd trüben.

So sieht man es zumindest in den meisten amerikanischen Fernsehserien, die tagtäglich bei uns über die Bildschirme flimmern. Und in vielen Filmen ist es nicht wesentlich anders. Das gute Aussehen wird gewahrt, egal in welcher Situation, gleichgültig unter welchen Umständen. Doch wem ist dieser Perfektionismus, dieser Anti-Realismus geschuldet - der Eitelkeit der Darsteller, des Regisseurs, des Studios, der Kostümbildner? Oder ist es der Wunsch des Publikums, sich abseits der alltäglichen realen Gegebenheiten in einer Welt des schönen Scheins zu verlieren? Da trifft es einen dann aber vielleicht doch hart, wenn eine Darstellerin in einer der überaus beliebten Ärzte-Serien plötzlich zu ihrem Freund sagt, dass sie jeden Tag extra früher aufsteht, um sich zurechtzumachen, denn ansonsten sähe sie fürchterlich aus und das wolle sie ihm nicht zumuten. Da können wir Normalverbraucher ja noch einiges in Bezug auf Eitelkeit lernen…


Mut zur Hässlichkeit

Schaut man bei Wikipedia den Begriff "Eitelkeit, lateinisch vanitas" nach, so wird sie einem als "übertriebene Sorge um die eigene körperliche Schönheit oder die geistige Vollkommenheit, den eigenen Körper, das Aussehen und die Attraktivität oder die Wohlgeformtheit des eigenen Charakters" erklärt. Lassen wir im Falle von Film- und Fernsehrollen einmal die geistige Vollkommenheit des Darstellers beiseite, intelligente Dialoge sind Sache der Drehbuchautoren (ich will hier natürlich niemandem Dummheit oder Ähnliches unterstellen). Bleibt also die körperliche Attraktivität, für die der Schauspieler und die Schauspielerin sorgen müssen.

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Dokument erstellt am 2013-01-29 15:16:46
Letzte Änderung am 2013-01-31 17:02:16



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