• vom 29.06.2013, 15:29 Uhr

Freizeit


Urlaub

Weg vom Alltag!




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Aber wie viel Urlaub braucht der Mensch eigentlich? "Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich zu erholen. Der Urlaub ist nur eine davon", meint Arbeitspsychologin Regina Nicham, "einmal im Jahr sollte man sich zumindest einen dreiwöchigen Urlaub nehmen, um durchgängig für längere Zeit nicht mit der Arbeit konfrontiert zu sein. Weg vom Arbeitsleben, weg vom Alltag! Das heißt nicht, dass man unbedingt wegfahren muss, sondern einfach Abstand bekommt." Regina Nicham ist Leiterin des Bereichs Arbeits- und Organisationspsychologie beim Beratungsunternehmen IBG. Die Abkürzung steht für "Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement". Das Beratungsunternehmen für gesunde und nachhaltige Unternehmens- und Personalentwicklung wurde 1995 gegründet und bietet mit einem umfangreichen Expertenteam zu verschiedenen Bereichen der Arbeitswelt Coachings, Seminare, Evaluierungsprogramme, Führungskräfte-Training, Mitarbeiterbefragungen und vieles mehr an.

IBG hat im Wesentlichen zwei Standbeine, erklärt Nicham: "Einerseits die arbeitsmedizinischen Zentren, die viele Unternehmen im Rahmen des Arbeitnehmerschutzgesetzes österreichweit betreuen. Andererseits das große Thema der betrieblichen Gesundheitsförderung, wo es darum geht, Unternehmen dabei zu unterstützen, die Produktivität ihrer Belegschaft bei steigendem Wohlbefinden zu erhöhen."

Psychische Belastungen

Ein bedeutendes Aufgabenfeld sind derzeit die Evaluierungen der psychischen Belastungen. Durch die aktuelle Novelle des ASchG wird neben den arbeitsbedingten körperlichen Belastungen auch die psychische Belastung in die Liste jener Gefahren aufgenommen, die von der gesetzlichen Gefahrenverhütung erfasst sind. Das können Leistungs- und Konkurrenzdruck, Informationsmängel oder -überflutungen, aber auch sich ständig wiederholende monotone Arbeitsvorgänge, das Verwischen der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit oder ein isoliertes Arbeiten ohne soziale Kontakte sein. Durchleuchtet werden dabei nicht die Erkrankungen der Mitarbeiter, sondern Strukturen, die die Psyche belasten können. Werden solche entdeckt, müssen sie ausgeräumt werden.

Immerhin leiden in Österreich 22,3 Prozent aller Beschäftigten unter arbeitsbedingtem Stress. Während die Krankenstandstage infolge von Arbeitsunfällen seit 1994 um ein Drittel zurückgegangen sind, sind jene wegen psychischer Erkrankungen um 128 Prozent angestiegen. Die Folge davon sind laut einer Studie der Wirtschaftsforscherin Gudrun Biffl im Auftrag der AK gesamtwirtschaftliche Kosten von rund 3,3 Milliarden Euro jährlich, wie "ORF online" kürzlich berichtete.

Wie hat sich das Arbeitsleben in den letzten Jahren verändert? Regina Nicham bemerkt auf der einen Seite eine zunehmende Sensibilität in den Führungsetagen, andererseits weiß sie aus diversen Mitarbeiterbefragungen, dass der Druck am Arbeitsplatz steigt – "viele pfeifen wirklich aus dem letzten Loch." Beinahe immer kämen Klagen über mangelnde Wertschätzung, fehlendes Feedback und zu wenig Anerkennung, erzählt sie. "Knappe Personalressourcen erhöhen den Druck. Immer weniger Mitarbeiter müssen immer mehr leisten. Die Problematik dabei ist, dass es über einen gewissen Zeitraum hindurch gelingt, die erwartete Leistung zu erbringen, aber damit wird auch der Führungsebene signalisiert: Es ist schaffbar. Und die Führung denkt sich: alles kein Problem. Auch wenn jeder grundsätzlich versucht, das System aufrechtzuerhalten, aus Angst davor, den Arbeitsplatz zu verlieren, so bricht das System irgendwann zusammen – ein Dilemma."
Seit neun Jahren arbeitet sie im Team der IBG und ihre Abteilung wächst stetig. Der Bedarf an begleitenden Maßnahmen und Coachings in den Betrieben steigt kontinuierlich. "Es ist wichtig, dass Mitarbeiter am Arbeitsplatz gesund sein können. Ob die neue Regelung Veränderungen bringt, wird sich zeigen. Fakt ist, dass immer mehr Menschen mit der Geschwindigkeit, der Technik, mit den Leistungsansprüchen und Erwartungen, auch ihren eigenen, nicht mehr zurechtkommen und Unterstützung in der Arbeitspsychologie suchen und finden."

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Schlagwörter

Urlaub, Wiener Journal, Erholung

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-06-25 15:32:54
Letzte Änderung am 2013-06-25 15:38:12


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