• vom 26.08.2011, 00:00 Uhr

Kulinarik


Bier im Visier

Pack den Wald ins Bier




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Von Martina Bauer

  • Einst konnte man den Tiger in den Tank packen. Warum denn nicht auch einen Wald in eine Bierflasche? Oder zumindest Teile davon. Auf jeden Fall aber die Aromen dieser Teile, die in Form von Maitrieben der Tanne in der Maische landeten, woraus ein köstliches Gourmetbier entstand. Ganz so wie früher bei den Kelten, womit sich im Jahr des Waldes der Kreislauf aus Natur und Tradition schließt.

Waldbier - © F. Pritz

Waldbier © F. Pritz

Der Reifungsprozess der Idee dauerte in diesem Fall aber um einiges länger als jener des Bieres und war unbestritten eine Fügung. Dieses Bier sollte entstehen und zwar genau jetzt, im Jahr 2011, in dem wir das Jahr des Waldes schreiben. Dafür sorgten ein paar glückliche "Zufälle" und keine Marktforschungsanalysen. Dieses Bier, das in der Trumer Brauerei hergestellt wird, hat sich sozusagen selbst erfunden. Kreiert hat es aber Axel Kiesbye, Braumeister in Obertrum und Inhaber einer Firma, die seinen Namen trägt und unter anderem Sommelierausbildungen anbietet.


Wie sich ein Bier selbst erfinden kann? Das erklärt Axel Kiesbye so: "Ich war vor vielen Jahren bei einer Bierverkostung in Schottland. Die Brauerei hatte sich auf alte keltische Rezepte spezialisiert, braute also Bier mit Pinien- und Tannennadeln. Dieser herrliche Geschmack hat sich in mein Gedächtnis gebrannt. Dann wollte es der Zufall, dass Hobbybrauer Friedrich Pötzelsberger, ein Elektriker aus Obertrum, beim Brauen mit Tannennadeln experimentierte. Er stammt aus bäuerlichen Strukturen und wusste aus der Naturheilkunde um die Wirkung der Nadeln. So reifte die Erinnerung an die Bierverkostung in Schottland zu der Idee, auch hier ein Bier mit Waldaroma zu kreieren. Dem aber nicht genug, gab es noch eine Fügung. Über eine völlig andere Schiene lernte ich jemanden von den Österreichischen Bundesforsten kennen, wo man von der Idee eines Waldbieres total begeistert war. Damit hatten wir auch einen starken Partner und mussten das Projekt einfach starten."

Braumeister Axel Kiesbye bei der Maitriebernte.

Braumeister Axel Kiesbye bei der Maitriebernte.© F. Pritz Braumeister Axel Kiesbye bei der Maitriebernte.© F. Pritz

Im Vorjahr war es dann soweit. Im Juni 2010 sammelten Kiesbye und sein Team in mühevoller Handarbeit am Flachgauer Haunsberg frische Tannentriebe und verbrauten diese in der ober-

österreichischen Brauerei Hofstetten zum ersten österreichischen Waldbier. Die Triebe wurden direkt nach der Ernte mit einem überdimensionalen "Teebeutel" dem Brauprozess zugeführt. Dass daraus ein Jahrgangsbier werden wird, ahnte damals noch niemand. Das Tannenaroma arbeitete in den limitierten 1300 Flaschen (0,75 Liter) nämlich weiter. Je älter das Bier, desto stärker das Waldaroma. In etwa so wie bei einem guten Wein. "Das Bier kann natürlich nicht ewig gelagert werden und hat eine Haltbarkeit von rund vier Jahren, aber in dieser Zeit entwickelt sich das Aroma immer mehr, was natürlich toll ist. Darum haben wir für jeden Jahrgang eine eigene Etikette mit der jeweiligen Geschichte", freut sich Axel Kiesbye über die hohe Qualität des Waldbieres, das im Herbst erstmals auf den Markt kommen wird.

Die Tannenwipfel für die 2011er Edition kamen vom Hochkönig.

Die Tannenwipfel für die 2011er Edition kamen vom Hochkönig.© F. Pritz Die Tannenwipfel für die 2011er Edition kamen vom Hochkönig.© F. Pritz

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Dokument erstellt am 2011-08-24 11:46:40



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