• vom 20.10.2018, 13:00 Uhr

Kulinarik

Update: 20.10.2018, 13:32 Uhr

Schnapsbrennen

Ein Stamperl von der Streuobstwiese




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Von Manfred Rebhandl

  • "Nach zwanzig Jahren Brennen lässt du jedes Jahr einen Fehler weg, und ein neuer kommt dazu": Besuch bei einem Schnapsbrenner in Oberösterreich.

Das Menü des Tages: Obstler, Birne, Zwetschke, Kriacherl, Nuss, Zirberl - und zurück. - © Rebhandl

Das Menü des Tages: Obstler, Birne, Zwetschke, Kriacherl, Nuss, Zirberl - und zurück. © Rebhandl



"Aber heuer, wenn du irgendwo anrufst und sagst, du brauchst Birnen, fragen sie dich: zehn oder hundert Tonnen?"

"Aber heuer, wenn du irgendwo anrufst und sagst, du brauchst Birnen, fragen sie dich: zehn oder hundert Tonnen?"© Rebhandl "Aber heuer, wenn du irgendwo anrufst und sagst, du brauchst Birnen, fragen sie dich: zehn oder hundert Tonnen?"© Rebhandl

Rechtzeitig zum Ende des Sommers lädt mich ein Freund in sein kleines Voralpenhäuschen ein, auf dem "ad rem", also "auf der Sache", ein altes "Maria-Theresien-Privileg" liegt. Dies ist ein Sammelbegriff für eine Fülle von Einzelbegünstigungen aus jener Zeit, u.a. eben das Brennrecht landwirtschaftlicher Betriebe, die "nicht existenzfähig" und der sogenannten "Hofflucht" ausgesetzt waren. Ihnen sollte damit ein Zusatzverdienst ermöglicht werden.

Gewohnheitsrechtlich hat sich das Privileg meines Freundes bis heute gehalten, was ihm die schönste Freude ist. Nicht nur, weil er nun jeden Herbst drei Hektoliter Schnaps brennen und sogar verkaufen darf, sondern auch, weil man über den bürokratischen Aufwand, der damit verbunden ist, vorzüglich lachen kann.

Information

Manfred Rebhandl, geb. 1966 im oberösterreichischen Roßleithen, lebt in Wien. Er schreibt Krimis um den Superschnüffler Rock Rockenschaub, die am Wiener Brunnenmarkt spielen, und Reportagen für Zeitungen.

Er zeigt mir seinen Bescheid aus dem Jahre 2000, mit dem er die Landwirtschaft von seiner Mutter übernommen hat, ausgestellt vom zuständigen Zollamt, dem man nach Einführung der Schengengrenze in Europa die heimischen Schnapsangelegenheiten umgehängt hat. In diesem Bescheid steht, wie das Brenngerät ausschauen muss; dass er es nicht verleihen oder verändern darf; und wenn er es doch tut, dann würde er das Brennrecht verlieren und auch nicht "neu begründen" können, hingegen würde "bei Gesamtrechtsnachfolge das Recht zur Erzeugung aufrecht" bleiben. Wegen dieses Brennrechts bedrängte vor Jahrzehnten schon der benachbarte Gastwirt, der selbst keines hatte, die Großmutter auf Oberösterreichisch: "Geh, Nochbarin! So vü Baama host! Wos mochst denn mit denan? Gib’s mia!"

Na dann - Prost!

Na dann - Prost!© Rebhandl Na dann - Prost!© Rebhandl

Gott sei Dank gab sie seinem Drängen nicht nach, sondern war 1940 persönlich bei der "Vermessungsverhandlung" dabei, von welcher mein Freund noch das Protokoll besitzt. Der Brennkessel wurde dabei vermessen, und zwar so: "Zu diesem Zweck wurde zuerst ein 1-Liter-Hilfsgefäß mit geeichten Gefäßen vermessen, 52 x wurde in den Brennkessel Wasser hinein geleert, das sind 52 Liter", steht darin. "Die haben den ganzen Tag lang geschüttet", lacht er. "Und einer hat es sogar bezeugt."

"Und dann Grüß Gott"

Schon der Voralpendialekt meines Freundes macht Gusto auf seinen Schnaps, er fragt mich, ob ich gleich einen kosten möchte oder lieber zuerst die Bäume sehen? Wir entscheiden uns für die Bäume, die auf einer "klassischen Streuobstwiese, wie sie hier bei den Mostbauern der Brauch ist", stehen: Apfel, Birne, Steinobst, "dort hinten Kriacherln und Zwetschken. Ich brenne eigentlich nur, was auf den eigenen Bäumen wächst." Zum Beispiel den "klassischen Bauernobstler mit 2/3 Birne und 1/3 Apfel". Und dann:




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-18 16:03:48
Letzte Änderung am 2018-10-20 13:32:45


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