• vom 09.07.2012, 18:00 Uhr

Mode


Design mit Pepp und Paprika




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Von Eva Fialik

  • Aniko Balazs, eine junge Wiener Designerin, startet in der internationalen Modeszene durch.

- © Winnie Andersen

© Winnie Andersen

Mit 15 Jahren stand es fest: Aniko Balazs wird Mode-Designerin. Zuerst nur in ihrem hübschen Köpfchen, das sich in den frühen Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts im Lycée Français mit Banalitäten wie Integral und mittelhochdeutscher Lyrik beschäftigte. Doch kaum war die Matura geschafft und eine Zeit lang nur Party angesagt, setzte sich die Wienerin mit ungarischen Wurzeln mutterseelenallein in die Stadt der Mode ab - nach Paris.


"Meine Eltern hat fast der Schlag getroffen, als ich ihnen die frohe Botschaft mitteilte", meint sie heute lachend. Vor allem der Herr Papa war gar nicht damit einverstanden, dass seine einzige Tochter in den gallischen Sündenpfuhl auswandern wollte. Doch was sich Aniko in den Kopf setzt, zieht sie durch. Obwohl sie zuerst noch Schauspielerin werden wollte und bei Elfriede Ott die Aufnahmeprüfung bestanden hatte, teilte sie dieser einfach mit, dass sie doch lieber nach Paris wolle, um dort Karriere zu machen.

Liebe zum Detail und einzigartige Stoffe sind Aniko Balasz’ Erfolgsrezept.

Liebe zum Detail und einzigartige Stoffe sind Aniko Balasz’ Erfolgsrezept. Liebe zum Detail und einzigartige Stoffe sind Aniko Balasz’ Erfolgsrezept.

Getragen vom elterlichen Kokon - ein Dach überm Kopf und das Studiengeld spendeten die Eltern - studierte Mademoiselle Balazs in der Seine-Stadt und arbeitete nebenbei schon in der Modebranche. "Ich war eine Petite Main, eine kleine Handlangerin, für alle großen Modeschöpfer bei den Pariser Couture-Schauen", erzählt Aniko. Mehr als hundertmal ging sie einfach hinter die Bühnen und half mit. Bei der Show des genialen Japaners Issey Miyake durfte sie die gesamte Kollektion

bügeln. Ein Vichy-Karo-Stoff mit echten Goldfäden erwies sich als Herausforderung. Und als am Ende der Modeschau der Meister himself zur Büglerin und ihren beiden Kolleginnen hinter die Bühne kam und sich persönlich bedankte, fielen die drei jungen Damen fast in Ohnmacht ob dieser menschlichen Größe.

"Einmal begegnete ich dem afrikanischen Model Iman, heute David Bowies Frau. Sie war ungeschminkt, in Jeans und T-Shirt, total entspannt und lieb zu uns Helferinnen. Ich war überwältigt von so viel Schönheit", schwärmt die Designerin heute noch. Bei einem Praktikum an der "Comédie Française" in den 80er Jahren musste Aniko in Vorbereitung zu Shakespeares "Sommernachts-traum" unendlich viele Federn auf Flügel kleben. Davon träumt sie heute noch.

Nach dem Abschluss des Modestudiums folgten ein kurzes Gastspiel im Studio von Christian Dior und eine Auszeichnung von Sonia Rykiel persönlich. 1990 begann sie als freischaffende Designerin in Wien zu arbeiten. "Mein Job ist Schönheit und Freude ins Leben der Frauen zu bringen", erklärt sie ihre Philosophie. Handwerk, Liebe zum Detail, einzigartige Stoffe und Schnitte in höchster Qualität sind die Grundlagen ihres Erfolgs. Kollektionen für Gössl, Vossen, Gießwein und La Redoute entsprangen auch schon ihrem Zeichenstift.

Noch gilt Aniko Balazs als Geheimtipp in Wien. In ihrem Studio in der Dorotheergasse 5 empfängt sie Modeinteressierte nach Vereinbarung, Prêt-à-porter-Kollektionen und individuell kreierte Stücke können dort erworben werden. Seit kurzem vertreibt der Showroom "Trend & Tendances" in der Rue Caumartin in Paris das Label Aniko Personal Couture weltweit und die "Shirtline" ist in der Agentur JW Fashion Concepts in Deutschland vertreten.

Zweimal pro Jahr dreht sie ein Video mit ihren neuesten Kreationen, das ist ihr lieber, weil kreativer, als eine Modeschau zu machen. Seit kurzem bietet die Vielseitige auch Tomatenmarmelade und Anchoïade, zwei köstliche Brotaufstriche aus ihrer zweiten Heimat Frankreich, ihren Kundinnen an. Warum? "Ich mag Raffinesse nicht nur in meinen Kleidungsstücken, sondern auch beim Essen", meint Aniko. Den Kreierenden geht’s halt immer ums Kreieren!

ANIKO PERSONAL COUTURE:

Open Showroom im ersten Stock, Dorotheergasse 5/3a, 1010 Wien; T: 0699/12004949, aniko@aniko.at; Die Kollektion ist unter www.aniko.at zu sehen.

Artikel erschienen am 6. Juli 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 12-15



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Dokument erstellt am 2012-07-05 16:50:06


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