• vom 22.12.2018, 10:00 Uhr

Reisen

Update: 22.12.2018, 13:46 Uhr

Reportage

Einssein mit der Natur in Alaska




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Von Uschi Sorz

  • Eine Wienerin heuerte bei einem Schlittenhundeführer an und lebte in einer Blockhütte ohne Wasser und Strom.

Der Himmel über Alaska... - © Clara Kneringer

Der Himmel über Alaska... © Clara Kneringer

Durchbrochen wird die Stille nur vom Kratzen der Pfoten auf dem grobkörnigen Schnee und dem Knirschen der Kufen. Vereinzelt auch von einem Bellen, wenn einer der zwölf Alaskan Huskys auf ein Geräusch oder einen Geruch reagiert. Sie sind Clara Kneringers einzige Gefährten in der weißen Unendlichkeit um sie herum. Am Hundeschlitten stehend, saust sie mit dem Gespann hindurch. Ihr Gefühl für Zeit und Raum hat sich längst aufgelöst. Boden und Himmel kann sie kaum noch unterscheiden, ein Schneesturm nimmt ihr die Sicht.

Und doch sind Clara, in diesem April erst 19 Jahre alt, und ihr vierbeiniges Team hoch konzentriert. "Gee!", ruft sie den Hunden zu. Das heißt rechts abbiegen. Zum Glück hat sie die Wegmarkierung noch erkannt. Sie nehmen die Kurve.

Information

Uschi Sorz hat an der Kunstakademie in Amsterdam studiert und lebt als freie Journalistin und Texterin in Wien.


Es ist der Höhepunkt von Claras Alaska-Abenteuer: der Kobuk 440, das nördlichste Schlittenhunderennen Alaskas. Durch die nahezu baumlose Tundra führt ein Pfad von Kotzebue nach Kobuk und wieder zurück. Das ist weiter als von Wien nach Vorarlberg. 440 Meilen, etwa 700 Kilometer, misst die Rennstrecke. Dreieinhalb Tage ist die sportliche junge Wienerin mit den kurzen braunen Haaren unterwegs. Grenzwertige Momente wie den Schneesturm steckt sie weg.

Am Ziel überwiegt die Freude, sie platzt vor Stolz auf die Tiere. Riffel, Tempest und Flash, den Leithunden, fühlt sie sich ganz nah. "Aber eigentlich sind sie alle großartig und haben ihr Bestes gegeben."

Jagdschein mit 16

Am Rennen teilzunehmen hat Clara, seit September Studentin der Veterinärmedizin, nicht geplant. Völlig überraschend kam es allerdings nicht. Immerhin war sie vom August des Vorjahres bis heuer im Jänner Handlerin bei einem Musher. So heißen die Schlittenhundeführer in Alaska. Dog Mushing ist dort nicht nur eine althergebrachte Transportmethode, sondern auch ein beliebter Volkssport. Handler sind die Gehilfen der Musher. Ein Traumjob, fand Clara.

Bereits in der siebenten Klasse des Gymnasiums begann sie, sich nach Möglichkeiten umzusehen und sich zu bewerben. Im Jahr nach der Matura wollte sie den Kopf freibekommen, etwas von der Welt sehen - und das möglichst mit ihrer Hundeleidenschaft verbinden. Sie fand einen Musher in der Nähe von Nenana, auf der Wegstrecke zwischen Anchorage und Fairbanks. Der Deal: Mitarbeit gegen Kost und Logis sowie Einblick in die Welt des "Dog Mushing". Gleich nach der Matura sollte es losgehen.

Auch in Wien betreibt Clara Hundesport. Obedience und Dummytraining etwa. Auf ihre Hündin Siena, die Akteurin, hat sie lange gewartet: vom Kindergartenalter bis sie 13 war. Dann ließen sich die Eltern, ein Fotograf und eine Gymnasiallehrerin, erweichen. Vermutlich kann Claras Hartnäckigkeit ziemlich überzeugend sein. In der Zwischenzeit hatte sie ersatzhalber ihre Meerschweinchen dressiert und wusste genau, was sie wollte: mit dem lange ersehnten Hund auf den Trainingsplatz!




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-12-20 11:59:07
Letzte Änderung am 2018-12-22 13:46:01



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