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Reisen

Update: 04.01.2019, 15:11 Uhr

Wiener Journal

Chloé statt Sisi




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Von Florian Flieger

  • Wolkenkratzer, Herrenhäuser, Parks und Laneways - Melbourne bietet Abwechslung und hohe Lebensqualität.

Blick über Melbourne

Blick über Melbourne© Kelvin Kam Zhen Min/Getty Blick über Melbourne© Kelvin Kam Zhen Min/Getty

Welche Stadt hat die weltweit höchste Lebensqualität? Noch im Sommer 2017 kürte die renommierte EIU (The Economist Intelligence Unit) Melbourne, die zweitgrößte Stadt Australiens, zum siebten Mal in Folge zur lebenswertesten Stadt der Welt, im Sommer 2018 gelang Wien, dem langjährigen Zweitplatzierten, der Sprung auf den ersten Platz. Die EIU-Studie bewertete 140 Großstädte nach Kriterien wie Stabilität, Infrastruktur, Gesundheitswesen, Bildung sowie Sport- und Kulturangebot.

Sieben Jahren lang führte die Vier-Millionen-Einwohner-Stadt Melbourne bei diesem weltweiten Ranking vor Wien. Natürlich war dieser Vergleich noch nie das Maß aller Dinge, beim Mercer Quality of Living City Ranking beispielsweise landet Wien schon seit Jahren auf Platz eins. Normalerweise vergleicht sich Melbourne ohnehin eher mit dem ewigen Rivalen Sydney. Doch was genau macht Melbourne so besonders? Parallelen, aber auch Unterschiede zu Wien gibt es jedenfalls en masse.

Information

Info
Einreise: Für die Einreise nach Australien braucht man ein kostenloses "e-visitor"- Visum. Das Visum ist zwölf Monate gültig und berechtigt zu einem Aufenthalt von maximal drei Monaten.
Sightseeing-Highlights
Eureka-Tower mit Eureka-Skydeck: Der knapp 300 Meter hohe Wolkenkratzer ermöglicht von seinem 360-Grad-Skydeck im 88. Stock den perfekten Blick auf die Stadt. Eureka Skydeck, 7 Riverside Quay Southbank 3006, Tel. +61 3 96938888,
E-Mail: info@eurekaskydeck.com.au,
www.eurekaskydeck.com.au,
geöffnet täglich von 10 bis 22 Uhr
Melbourne Star: Eine komplette Umdrehung des 120 Meter hohen Melbourne-Star-Riesenrads dauert dreißig Minuten – und bei gutem Wetter sieht man bis zu weiter entfernten Bergen. Melbourne Star Observation Wheel, 101 Waterfront Way, Docklands, Tel. +61 3 86889688,
www.melbournestar.com
Old Melbourne Gaol: Das ehemalige Gefängnis nebst Gerichtsgebäude und City Watch House fungiert heute als Museum, es kann tagsüber besichtigt werden. Abends werden zuweilen Geistertouren sowie Rundgänge mit einem Henker durchgeführt. Old Melbourne Gaol, 377 Russell Street,
Tel. +61 3 86637228,
E-Mail info@oldmelbournegaol.com.au,
www.oldmelbournegaol.com.au
Young and Jacksons: Eine Cider-Bar auf dem Dach sowie drei verschiedene Bars im Haus – das Young and Jacksons, in dem auch gediegen gespeist werden kann, hat Gastronomiefreunden einiges zu bieten. Bekannt wurde das Haus allerdings vor allem durch Chloé. Das Porträt einer nackten Französin war in der Stadt lange umstritten und hat deshalb in der Chloé-Bar des Hotels Asyl gefunden. Young and Jacksons, Ecke Swanston & Flinders St., Tel +61 3 96503884, E-Mail: young.and.jacksons@alhgroup.com.au, www.youngandjacksons.com.au
Touren
Laneway-Touren, Kaffeekultur-Touren und kulinarische Kleingruppen-Touren durch Melbourne organisiert Hidden Secrets-Tours, The Nicholas Building, Suite 13, Level 8, 37 Swanston Street, Tel. +61 3 96633358, E-Mail: tours@hiddensecretstours.com, http://hiddensecretstours.com
Street-Art-Touren mit Künstlern und Fotografen durch den Central Business District (inklusive Blender Studios) bzw. Street-Art-Touren in Fitzroy und Collingwood, veranstaltet Melbourne Street Tours, c/o HQ-Blender Studios, 110 Franklin St, Tel. +61 3 93285556 bzw. +61 416971708, E-Mail: booking@melbournestreettours.com, http://melbournestreettours.com
Übernachten
Hotel Lindrum Melbourne MGallery by Sofitel, 26 Flinders Street.
T. +61 3 96681111, E-Mail: H8757-RE@accor.com, www.hotellindrum.com.au. Ein charmantes Boutiquehotel mit knapp 60 Zimmern, von dem aus die Innenstadt bequem zu Fuß erreicht werden kann.
Beste Reisezeit
Im australischen Winter, von Juni bis August, kann es recht kühl werden, besonders gut für eine Reise geeignet sind die Monate von September bis Mai.
Infos: Die deutschsprachige Website zu Melbourne & Victoria www.visitmelbourne.com/de bietet weitere Informationen zur Stadt und zum Umland. Infos zur Stadt finden sich zudem auch unter
www.thatsmelbourne.com.au/visitors/pages/visitorinfo.aspx. Broschüren können unter www.australien-info.de/vic bestellt werden, allgemeine Infos zu Australien bietet die Website www.australia.com/de-de

Melbourne ist eine Stadt mit spiegelnden Wolkenkratzern, viktorianischen Herrenhäusern, weitläufigen Parks und verschachtelten Laneways. Die meisten Panoramabilder der Stadt zeigen die Skyline, meist Hochhäuser, die rechts und links des Flussufers gen Himmel ragen. Natürlich ist es nicht die Donau, sondern der ungleich kürzere Yarra River, an dessen Ufern Melbourne gegründet wurde. Immer wieder sind Ruderer auf dem Fluss unterwegs, und einmal jährlich gibt es sogar einen Wasserskiwettbewerb. Auf der kleinen Insel Herring Island finden sich ein Skulpturenpark und eine Galerie. Man kann mit einer Fähre dorthin übersetzen. Am Yarra-Fluss tuckern Sightseeing-Boote zu den River Gardens oder den Docklands, zudem finden sich am südlichen Flussufer angesagte Restaurants.

Mit der Straßenbahn bis ans Meer

Vom Federation Square, dem modern gestalteten Zentrum der Stadt, kann man mit der Straßenbahn Nr. 16 bis ans Meer fahren. Der Stadtteil St. Kilda liegt sieben Kilometer südöstlich des Zentrums und hat einen Strand, der in den Sommermonaten bei Surfern und Sonnenhungrigen gleichermaßen beliebt ist. St. Kilda ist aber auch ein alternatives Boheme- und Backpacker-Viertel, das zum Ausgehen einlädt. In der Acland Street locken mehrere Konditoreien – dort kann jeder selbst ausprobieren, ob der Wiener Apfelstrudel oder die australische Pavlova besser schmeckt.

In St. Kilda stoßen Besucher auch auf den Luna Park, einen altmodisch-charmanten Vergnügungspark, den man durch den Mund eines überdimensionalen Gesichts betritt. Im Park finden sich Buden, moderne Fahrgeschäfte, aber auch die älteste durchgängig in Betrieb befindliche Achterbahn der Welt. Das imposanteste Riesenrad der Stadt dreht sich allerdings nicht hier, sondern in den Docklands. Das 2008 erbaute "Melbourne Star" ist 120 Meter hoch und damit nur 15 Meter niedriger als das "London Eye".

Neben dem Luna-Park als Pendant zum Wiener Wurstelprater gibt es in Melbourne natürlich auch ein Pendant zum legendären Zentralfriedhof: Der 43 Hektar große Melbourne General Cemetery wurde bereits 1853 eröffnet und ist damit einige Jahrzehnte älter als die Wiener Totenstätte. Gelegentlich werden dort abends auch Touren angeboten. Wer sich in Melbourne gruseln will, hat jedoch noch eine andere Möglichkeit: ein Spaziergang mit dem Henker durch das Old Melbourne Gaol. Das jetzige Museum war einst ein berüchtigtes Gefängnis, in dem mehr als 130 Menschen hingerichtet worden sind. Darunter auch Ned Kelly, ein australischer Robin Hood, der den Reichen nahm und die Kleinbauern verschonte, und deshalb durchaus populär war.

Benannt nach Lord Melbourne

Eine Ringbahn gibt es in Melbourne übrigens auch. Die Circle Line ist zwar kürzer als ihr Wiener Pendant, dafür fährt man jedoch mit der Tram Nummer 35 konkurrenzlos günstig, nämlich kostenfrei. Blickt man auf das gesamte Straßenbahnnetz Melbournes, das außerhalb der Circle Line natürlich nicht gratis verkehrt, ist dieses ohnehin eine Kategorie für sich: Mit einer Länge von 245 Kilometern und über 1800 Haltestellen ist es das größte Trambahnnetz der Welt.

Benannt ist Melbourne nach Lord Melbourne, er war zur Zeit der Gründung der Stadt britischer Premierminister. Von 1901 bis 1927 war Melbourne Hauptstadt, beziehungsweise Regierungssitz Australiens. Dann zog die Bundesregierung nach Canberra – eine aus dem Boden gestampfte künstliche Stadt, die gebaut wurde, um weder Sydney noch Melbourne zu bevorzugen.

Eine Sisi-ähnliche historische Herrschaftsikone gibt es in der rauen australischen Männerwelt nicht. Melbournes wohl berühmteste Frau heißt Chloé, doch eigentlich ist sie keine Australierin, sondern eine Französin. Ihr Aktportrait kam 1880 nach Melbourne und sollte auf der Melbourne International Exhibition ausgestellt werden, wogegen sich jedoch religiöse Organisationen entschieden wandten. Nachdem auch eine dauerhafte Ausstellung in der Nationalgalerie aufgrund von Protesten nicht möglich war, kaufte ein Hotel- und Barbetreiber das Gemälde – und hängte es im Jahr 1909 in seinem Gastraum auf. Der Erfolg war immens, und Soldaten, die in den Ersten Weltkrieg ziehen mussten, schrieben Chloé zum Teil sogar Liebesbriefe. "Ein Drink mit Chloé" war für viele Matrosen und Soldaten Pflichtprogramm, bevor ihr Schiff auslief. Im Jahr 2004, nach fast 100 Jahren im Pub des Young and Jacksons, wurde das Gemälde beschädigt, mittlerweile ist es jedoch wieder rekonstruiert und durch schusssicheres Glas geschützt.

Im Jahr 1954 waren in Melbourne olympische Spiele, und auch heute ist die Stadt in Sachen Sport ganz vorne mit dabei, vor allem in Sachen Tennis, Pferderennen, Automobilrennen und Cricket. Zu den Höhepunkten des Jahres zählen die Australian Open (Tennis), der Melbourne Cup (Pferderennen) und der Australian Formel 1 Grand Prix. Viele der Sportgelände sind vom wichtigsten Platz des Stadtzentrums, dem Federation Square, zu Fuß zu erreichen. Beispielsweise der Melbourne Cricket Ground (MCG), ein Stadion, das mehr als 100.000 Besuchern Platz bietet und das zu den größten der Welt gehört. Melbournes Grand-Prix-Strecke freilich ist etwas außerhalb, der Albert Park Circuit befindet sich im Stadtviertel Port Phillip. Die etwas über fünf Kilometer lange Route führt um einen See und zählt zu den schönsten Grand-Prix-Strecken der Welt – und sie fungiert außerhalb der Rennsaison als ganz normale Straße.





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Dokument erstellt am 2019-01-04 14:08:04
Letzte Änderung am 2019-01-04 15:11:37



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