• vom 01.02.2019, 14:04 Uhr

Reisen

Update: 01.02.2019, 15:02 Uhr

Wiener Journal

Flink dahinflitzen wie James Bond




  • Artikel
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Elisabeth Hewson

  • Für den Actionfilm entdeckt, von Holland geliebt und für Familien ein Winterparadies: der Weißensee. Die Gegend nennt sich "Spielplatz der Natur". Und so entspannt-spielerisch geht man hier wirklich mit dem Winter um.

Eisschnelllauf am Weissensee. - © Stefan Valthe

Eisschnelllauf am Weissensee. © Stefan Valthe

In manchen Wochen wird der Weißensee zur Holland-Kolonie, nicht nur im Jänner, zum 11-Städte-Rennen, sondern auch in den "Krokus-Ferien" im Februar. Da träumen sich die Niederländer ihre einst vereisten Grachten nach Kärnten. Dann okkupieren sie – recht friedlich, laut und fröhlich – den See und die Umgebung und flitzen dahin auf dem "schwarzen Eis". Mit (fast) allem zufrieden, Hauptsache, das Eis spiegelt. Schnee gibt es da wie dort nicht mehr allzu viel – aber was anderen Wintersportorten Sorgen macht, sieht man hier gelassen, denn diese Urlaubsgegend setzt seit vielen Jahren auf vielfältige Winterunternehmungen, ergänzt durch ein wenig Skifahren.

Und nicht umgekehrt, wie in den meisten Winterdestinationen Österreichs.
Wie es dazu kam, dass die Holländer den Weißensee entdeckten, war eben Product Placement vom Feinsten: 1987 raste James Bond (damals Timothy Dalton) mit fescher Blondine in seinem Aston Martin im, mit und durch ein Bootshaus direkt auf den Weißensee, tanzte dort seine Autopirouetten, ließ seine Verfolger im ausgesägten (dank scharfem Q-Autozubehör) Wasserloch versinken und präsentierte auch sonst die Landschaft rundum verschneit und romantisch. Diese sechs Minuten Film ließen vor 31 Jahren zwei Holländer bei Norbert Jank anklopfen, der bei den wochenlangen Dreharbeiten als Organisator und "Eismeister" für Statisten, Feldküchen und Sicherheit auf dem Eis zuständig gewesen war.

Information

Alles über alle Winterevents, über Leihkosten, Busfahrplan (alle halben Stunden)

Im wanderbaren Naturpark Weißensee, der zu den Alpine Pearls gehört (Qualitätssiegel für sanfte Mobilität) kann man mit Naturpark-Ranger Robert "Sternlan schauen", es gibt Fackelwanderungen und Trekking Touren mit Ponys oder Hunden: https://www.weissensee.com/winter/skiurlaub-naturerlebnis-winter.html
Wer sich einen Personal Fitness Trainer leisten will, der sich mit so gut wie allen Sportarten des Weißensees auskennt, kontaktiert Wolfgang Wernitznig: www.weissensee-aktiv.com
Auch Chalets gibt es jetzt in der wenig verbauten Uferlandschaft zu mieten, mit einem sehr netten Saunahaus direkt am See: Hotels
& Chalets Regitnig, Familie Eder.
www.regitnig.com

Bis zu 50 Zentimeter dick zugefroren

Davor war bis auf ein paar Kutschenfahrten durchs Tal, die Jank anbot, nicht viel los zur kalten Jahreszeit in dem Sommerfrische-Tal. 1968 wurde hier immerhin der erste Doppelsessellift in Kärnten auf die Naggler Alm gebaut, aber der war auch eher für Sommergäste interessant: Die Pisten reichen zwar für Slalomtraining und gemütliches Perfektionieren, herausfordernde Abwechslung sind sie keine. Man rutschte halt ein wenig auf dem zuverlässig dicken Eis herum und freute sich an der frischen Luft. Die Fischer weniger, die sich beklagten, in dem fischreichen See nur so kurz im Jahr angeln zu können, denn wenn anderswo noch lange gefischt werden konnte, war der See hier schnell und lange zugefroren. Er liegt schließlich auf 930 Metern Höhe, die Beckenlage verhindert isolierenden Nebel, klare, kalte Nächte fördern die Eisbildung: Über der Seeoberfläche ist es oft um fünf Grad kälter als in den Dörfern am See, die nur 15 Meter höher liegen.

Die zwei Holländer, die beim Tourismusverband und bei Jank anklopften, hatten also den Film "Ein Hauch des Todes" gesehen und sich gefragt, ob dieser Riesensee mit dicker Eisschicht nicht die Lösung ihres Problems wäre. Ihr Nationalsport Eisschnelllaufen und der Hauptevent, die Elf-Städte-Tour über 200 Kilometer auf einst zugefrorenen Kanälen, Flüssen und Seen in der Provinz Fryslanquasi, fielen immer öfter im wahrsten Sinn des Wortes ins Wasser. Polen, Finnland, Schweden und Kanada waren als Alternativen für das bedeutendste Natureis-Langstreckenrennen im Eisschnelllauf im Gespräch – doch der Weißensee hatte nicht nur die James-Bond-Filmcrew überzeugen können, sondern auch die zwei holländischen Location-Scouts.

Man wollte, so versprach man, mit 500 Eisläufern kommen, was kaum einer glaubte – 1000 kamen dann wirklich! Bald waren es 4000, heute rechnet man mit 6000 holländischen Eisfans, die die 200 Profischnellläufer jeden Alters bejubeln, darunter auch internationale Spitzenschnellläufer, die über eine 50, 100 oder 200 Kilometer Distanz flitzen. Aber man kann es auch selbst probieren bei den zwei Volksläufen auf der größten präparierten Eisfläche Europas, bei denen jeder mitmachen kann. Seit der Einführung 1989 musste das Event in Kärnten nie abgesagt werden, während das Original in Holland nur noch einmal – im Jahr 1997 – stattfand. Ergänzt wird die eisige Veranstaltung heute auch noch durch einen Winter-Triathlon (Laufen, Eislaufen, Langlaufen), eine spannende, physisch heftige Herausforderung.

Rekord für 200 Kilometer

Der Weißensee, der seinen Namen übrigens von den weißen Seekreidebänken erhielt, in die er eingebettet liegt, wird von Eismeister Jank schon seit 1973 sehr genau beobachtet. Er weiß stets, wann das Eis wo wie dick war, im tiefen Ostteil des Sees (bis zu fast 100 Metern) sehr unterschiedlich. Der seichte Westteil (kaum tiefer als vier Meter) aber ist zuverlässig von November bis mindestens März befahrbar, bis zu 50 Zentimeter dick zugefroren, ab 4 Zentimeter bereits für Eisläufer zu benützen. "Zu St. Kathrein (25.November) friert der See zu, und wanns Sommer ist!", sagt man im Weißenbachtal. Dank dem geschulten Auge von Norbert Jank gibt es keine Unfälle, wenn man sich an die Regeln und die schneebefreiten Bahnen hält, was nicht alle Holländer tun, die sorglos bis zum Rand fahren, wie sie das von den seichten Grachten gewohnt sind, und dann herausgezogen werden müssen.

"Der See ist nicht tückisch", weiß Jank, die Eis-dünnenden Quellen liegen alle im Schilf. Mit Eishobeln, Besen und Pflügen, alle selbst gebaut, pflegt er mit einem Assistenten die 25 bis 30 Hektar Bahnen, jede 15 bis 20 Meter breit, an den 70 bis 80 Eislauftagen von etwa 100.000 Eisläufern befahren. "In Holland kennt man die Königin und mich." Ob bald wieder einmal der Rekord für die 200 Kilometer, im Jahr 2000 in 5 Stunden und 11 Minuten gefahren, fallen wird, weiß niemand. "Die Verhältnisse sind total unterschiedlich, Spiegeleis oder nicht, Wind, Temperatur." Es bleibt spannend. Die Eisdicke variiert, unbeeinflusst vom Klimawandel. "Meine Aufzeichnungen belegen, dass von 1989 bis 2004 die Eisstärke und die Dauer der Eisbedeckung erwartungsgemäß deutlich zurückgingen. In den letzten zehn Jahren ist jedoch eine klare Verbesserung zu verzeichnen."
Auch Langläufer tummeln sich auf dem See, Spaziergänger, Fatbikefahrer, hie und da finden sich einige zum "Scheiberln", zum Eishockey, oder zum Eisstockschießen. Sogar Biathlon wird angeboten, alles mit Einweisung oder Schulung. Die Natureislaufschule bietet neben Schuhen und Unterricht auch Laufstützen an, mit denen man die ersten unsicheren Schritte mit den langkufigen Eisen aufs Eis wagen kann. Und eine Kinderskischule und die erwähnte Weißensee Bergbahn auf die Naggler Alm mit beschneiter Abfahrt (und Rodelbahn) bietet Spaß im Schnee, gut gepflegt und familiengerecht, wie alles hier. Übrigens auch das Essen, einheimisch-kärtnerisch (Naggler Alm!) bis mediterran.





Schlagwörter

Wiener Journal

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-01 14:06:58
Letzte Änderung am 2019-02-01 15:02:58



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Vinophiles Gespann im Kremstal
  2. Entlang von Ardèche und Dordogne

Werbung




Werbung