• vom 15.10.2010, 15:59 Uhr

Reisen

Update: 15.10.2010, 16:00 Uhr

Die Dinge des Lebens




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Von Brigitte Suchan

  • Österreich hat sich in den letzten Jahren zur Topadresse in Sachen Wellness entwickelt. Das liegt vor allem am dichten Netz moderner Thermalbäder und qualitativ hochwertiger Hotels. Der neueste Trend am Wellnessmarkt heißt Outdoor Cocooning.

Die beste aller Freundinnen und ich sitzen entspannt nach einem Saunagang auf der Ruheterrasse des "Steirerhofs" und blicken ins Grüne. Nebelfeuchte Luft umfächelt uns, wir sinken in die dicken Kissen des Liegestuhls und lassen das Gefühl des Wohlbefindens in uns hineinsickern. Wie sehr wir damit im allgemeinen Trend liegen, ist uns dabei nicht bewusst. Outdoor Cocooning ist der letzte Schrei auf dem Wellness-Markt. Nachdem die Schwimmbäder, Saunalandschaften und Ruhebereiche der Tophotellerie asiatisch, orientalisch oder nordisch durchgestylt wurden, ist nun also der zukunftsträchtige Sehnsuchtsmarkt die Natur. Die Marketingstrategen der Hotelkooperation "Wellness Hotels & Resorts International" sprechen gar vom "Traumduo Outdoor und Wellness".


Für Christian Werner, den Herausgeber des "Relax Guides", der mit der Ausgabe 2011 nun schon zum zwölften Mal die Wellnesshotels Österreichs kritisch unter die Lupe nimmt, ist die Lage in belebender Natur einer der wichtigsten Relax-Faktoren überhaupt. "Blumenübersäte Almwiesen, stille Bergseen oder ein herrlicher Fernblick können sowohl psychisch als auch somatisch bereits kleine Wunder wirken", heißt es in den Kriterien, deren Erfüllung mit ein bis maximal vier Lilien belohnt wird.

Das Bedürfnis nach Ruhe wird laut Österreich Werbung immer häufiger zum Kriterium bei der Wahl von Urlaubsort und -form. Ständige Musikberieselung, Verkehrsgeräusche, vermehrte Medienstimulation - kaum ein Dauerreiz belastet die Gesundheit des Menschen stärker als Lärm. Vom Umweltbundesamt Deutschland wird Lärm als Umweltgift Nummer eins bezeichnet.

Die beiden Vorzeigebetriebe der heimischen Top-Hotellerie, der "Hochschober" auf der Turracher Höhe und der "Steirerhof" in Bad Waltersdorf, haben die Zeichen der Zeit erkannt und ihre Häuser auf die Naturschiene gestellt. Öko - Bio - Regio heißt die Zauberformel, mit der auch hochpreisige Häuser unbeschadet durch die Untiefen des Wirtschaftskrisenjahrs 2009 segelten.

Beide Häuser haben bei näherer Betrachtung einiges gemeinsam. Sie sind geprägt von der Vorstellungskraft einer Hoteliersfamilie. Visionen wurden und werden in Konzepte umgewandelt, die das Unverwechselbare beider Adressen ausmachen. Und die Natur gibts quasi vor der Haustüre gratis dazu.

Es sind in beiden Fällen ganzheitliche Ansätze, wobei die von einem Fünf-Sterne-Betrieb erwartbare Hardware als selbstverständlich gilt. "Alles was in den letzten Jahren im Wellnessbereich gebaut worden ist, ist Standard, der Gast setzt das voraus", meint Karin Leeb, die gemeinsam mit ihrem Mann Martin Klein vor acht Jahren den "Hochschober" vom Vater übernommen hat. Weil sich die Materialschlacht im Wellnessbereich ad absurdum führt, wie Karin Leeb überzeugt ist, müsse man überlegen, wie man das Angebot weiterdrehen könne, sagt sie. Wie das geht, macht der "Hochschober" schon seit Jahren vor. Vom ersten Hamam in den Alpen bis zum Chinaturm, der den fernöstlichen Therapien gewidmet ist, vom Glückstraining bis zur Bibliothek "Wortreich", der jüngsten Errungenschaft im "Hochschober", haben die Leebs schon so manchen Coup gelandet, mit dem sie ihrer Zeit jeweils weit voraus waren. In der Bibliothek, die die Liebe der Leebs zu Büchern widerspiegelt, können Gäste aus einem umfangreichen Sortiment wählen: von Werken der Weltliteratur über Bestseller bis hin zu Büchern zu Hochschober-typischen Themen wie Glück, Stille, Inspiration, Kreativität, Natur und Gesundheit.

Es mag Hotels mit moderneren Wellnesseinrichtungen geben, doch kaum eines, in dem das Gesamtkonzept ähnlich stimmig ist. "HochschoberN" lautet die Philosophie des Hauses, die den Gast mit der Freiheit ausstattet, im Rahmen des Angebots alles tun zu können und nichts zu müssen. Liebevolle Details schaffen ein gemütliches Ambiente, in dem sich Gäste nicht repräsentieren müssen, sondern wohlfühlen dürfen. "Wellness für den Geist" nennt Karin Leeb das schöngeistige Angebot, das von Lesungen bis zum gemeinsamen Philosophieren reicht. "Nachdenken über die Dinge des Lebens", das ist der jungen Hoteldirektorin wichtig, die bei den samstäglichen Empfängen für die Stammgäste jeden mit seinem Namen anspricht. Das oft zitierte "goldene Beziehungsdreieck Gäste - Mitarbeiter - Unternehmerfamilie", mit dem der Erfolg des "Hochschobers" gerne erklärt wird, ist gelebte Realität und kein Marketinggag.

Der Faktor Mensch. Wichtiger als die sogenannte Hardware ist, da sind sich die Experten einig, gerade im Wellnessbereich die Software, also der "Faktor Mensch". Garant für den Erfolg ist kompetentes und serviceorientiertes Personal. Wie zufrieden Mitarbeiter tatsächlich sind, merkt der Gast im Allgemeinen an der Freundlichkeit, die ihm zuteil wird. Für die Leebs sind ausgeglichene Mitarbeiter pures Gold wert, und so achtet man im "Hochschober" darauf, dass es allen gut geht - mit Aus- und Weiterbildungsangeboten, gemeinsamen Studienreisen und kreativen Freizeitmöglichkeiten. "Man muss untereinander mehr auf sich aufpassen", lautet die Devise der Karin Leeb.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-10-15 15:59:00
Letzte Änderung am 2010-10-15 16:00:00


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