• vom 01.04.2018, 08:00 Uhr

Reisen


Sevilla

Der Maler mit dem milden Blick




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Von Nicole Quint

  • Sevilla feiert heuer den 400. Geburtstag von Bartolomé Esteban Murillo. Eine gute Gelegenheit, Andalusiens Hauptstadt einmal anders zu entdecken.



Murillos "Die Unbefleckte Empfängnis" in der Kathedrale von Sevilla.

Murillos "Die Unbefleckte Empfängnis" in der Kathedrale von Sevilla.© Thomas Schneider Murillos "Die Unbefleckte Empfängnis" in der Kathedrale von Sevilla.© Thomas Schneider

Ganz ohne Flecken wird es bei der Unbefleckten Empfängnis wohl doch nicht gehen. Deshalb werden Ärmel hochgekrempelt, weiße Kittel übergestreift und Tische mit Zeitungspapier ausgelegt. Es ist noch früh am Morgen, aber die Warteschlange derer, die zu Pinsel, Farbrollen und Sprühdosen greifen wollen, wächst schnell. Hausfrauen mit Einkaufstrolleys, Großväter mit Enkeln, Schüler, Studenten und einige Angestellte, die bis zum Arbeitsbeginn noch genügend Zeit haben.

Sie alle sind dem Aufruf der Warenhauskette El Corte Inglés gefolgt. Die hat anlässlich des 400. Geburtstages von Bartolomé Esteban Murillo die Aktion "Mal dir deinen Murillo" gestartet und alle Sevillaner eingeladen, sich an der Reproduktion eines Murillo-Bildes zu beteiligen.

"Die Unbefleckte Empfängnis" soll es werden, ein Werk, das aufgrund seiner beträchtlichen Ausmaße auch als La Colosal - die Kolossale - bekannt ist. Murillo schuf mit dieser blau-weiß-gekleideten Maria vor goldglänzendem Himmel einen neuen ikonografischen Prototyp für die Darstellung der Unbefleckten; die Sevillaner schaffen mit ihrer Kopie des Werkes vielleicht einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

Nachdem die Kolossale gescannt, verpixelt und jedem Pixel ein eindeutiger Farbcode zugewiesen wurde, müssen mehr als 17.000 Kacheln in 226 verschiedenen Farbtönen bemalt werden, damit "Die Unbefleckte Empfängnis" von der Kaufhausfassade auf Sevilla blicken kann.

Kunstwallfahrt mit Pass

An den Sevillanern wird der Rekordversuch sicherlich nicht scheitern. Interessiert sich der Durchschnittseuropäer für einen Maler des Barock ungefähr so sehr wie ein Metzger fürs Tofuschnitzel, bringt Sevilla mit der Ausrufung des Murillo-Jahres Massen in Bewegung. Die Sevillaner malen fleißig an ihrer Nachbildung mit, besuchen Ausstellungen, Konzerte und Theateraufführungen und probieren die kulinarische Kontaktaufnahme mit Murillo, wenn an gastronomischen Events Spezialitäten aus der Zeit des Malers nachgekocht werden.

Was Picasso für Málaga oder Botticelli für Florenz, ist Murillo für Sevilla. Anders als Diego Velázquez, der zweite berühmte Sohn der Stadt, der früh als Hofmaler des Königs nach Madrid zog, blieb die Beziehung zwischen Murillo und seiner Heimatstadt eine lebenslängliche.

Geboren an einem der letzten Dezembertage des Jahres 1617 und am 1. Jänner 1618 in der Kirche von La Magdalena getauft, schickte man den früh zum Vollwaisen gewordenen Murillo bereits mit 13 Jahren in die Ausbildung zu Maler Juan del Castello. Aus dem künstlerisch hochtalentierten Jungen entwickelte sich einer der größten Vertreter des späten Barocks sevillanischer Schule.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-29 17:12:03
Letzte Änderung am 2018-03-29 17:43:37


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