• vom 07.07.2018, 10:00 Uhr

Reisen


Landesporträt

Ski-Resort und Schlepperwesen




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





Schatten gibt es nicht viel in dem baumarmen Gebirgsland, das selbst im Schatten von "Big Brother" Südafrika liegt. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft und leidet unter zunehmenden Dürreperioden und Hitzewellen. Die einst florierende Textilindustrie hat ihre Bedeutung eingebüßt, seit Decken und Stoffe - auch mit indigenen Mustern - billig importiert werden. Der Zwergstaat leidet an politischer Fragmentierung, Nepotismus, wirtschaftlicher Depression und Stagnation auf vielen Ebenen, auch wenn diese topografisch kaum existieren. 45 Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos, weit über 50 Prozent leben unter der Armutsgrenze von einem US-Dollar pro Tag.

Nur jeder vierte Mann kann ausreichend lesen oder schreiben, noch schlechter sieht diese Statistik bei den Frauen aus. Internationale Schätzungen sehen ein Viertel der Bevölkerung als HIV positiv, die weltweit zweithöchste Rate nach Swasiland. "Aids ist eine Naturkatastrophe", sagte König Letsie III. schon zur Jahrtausendwende, doch viel mehr als Aktionismus (wie etwa die großzügige Verteilung von Gratiskondomen) ist nicht erkennbar. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt mittlerweile wieder 48 Jahre, deutlich höher als noch vor einem Jahrzehnt. NGOs gehen von zweihunderttausend Waisenkindern aus.

Felsmalereien tauchen im ganzen hochgebirgigen Osten des Landes auf.

Felsmalereien tauchen im ganzen hochgebirgigen Osten des Landes auf.© Spreitzhofer Felsmalereien tauchen im ganzen hochgebirgigen Osten des Landes auf.© Spreitzhofer

Thaba Bosiu ist Unesco-Weltkulturerbe, genauso wie seit 2013 der Sehlabathebe Nationalpark an der Ostgrenze zu Südafrika, Lesothos einziger offizieller Nationalpark und Teil der Maloti Drakensberg Transboundary World Heritage Site: sattgrüne Wiesen, umrahmt von den schroffen Gipfeln der Drakensberge. Alleine hier finden sich 65 Fundorte mit Felsmalereien, die ältesten zehntausende Jahre alt, die jüngsten ein Jahrhundert - eine einzigartige Spielwiese für Liebhaber von Jägern und Sammlern.

Diese Felsmalereien tauchen im ganzen hochgebirgigen Osten des Landes auf, oft kaum zugänglich in tief ausgespülten Flusstälern und Höhlensystemen. 35.000 Zeichnungen in über 600 Orten sind in den Drakensbergen bekannt. Die Höhlen von Liphofung, wo sich der junge Moshoeshoe der Legende nach jahrelang versteckt gehalten hat, sind heute leicht zugänglich für alle, die einspurige Serpentinen und ein Gefälle von zwanzig Prozent nicht stören.

Schlupflöcher am Berg

"Die San waren Buschmänner", sagt der junge Führer in Rangeruniform, "sie haben sich mit Pflanzen berauscht, gerieten in Trance und fühlten, wie ihnen Hörner wuchsen. Und dann wollten sie nur mehr malen, meistens Elenantilopen." Antilopen sieht man heute nur mehr wenige hier, dafür viele Hirten - dick eingewickelt in bunte Basotho-Decken, gerne mit Bankräubermützen mit Sehschlitzen - mit noch mehr Weidevieh. Es ist kalt hier oben auf fast 3000 Metern, wo sich nur ein paar Rundhütten aus Stein befinden. Keine Geschäfte oder Restaurants auch in den paar Bergdörfern entlang des Masuti Highway. Dafür weisen Fahnen vor manchen Häusern auf Verköstigung hin: Fleischspeisen (rote Flagge) oder doch lieber vegetarisch (grüne Flagge)? Dazu vielleicht süßliches Ananas-Bier (gelbe Flagge) oder lieber die Lokalversion aus Mais und Hefe (weiße Flagge)? Vielleicht hätte man doch bei Spar in Butha-Buthe, dem letzten größeren Ort nach der Grenze, ein wenig mehr Proviant kaufen sollen.




zurück zu Seite 1 weiterlesen auf Seite 3 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-05 16:29:00
Letzte Änderung am 2018-07-05 16:41:49


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Jede Haut ist wie ein Buch"

Werbung




Werbung