• vom 06.07.2018, 17:00 Uhr

Reisen


Schweiz

Ostschweizer Farbenspiele




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Von Gerald Schmickl

  • Rote Gegenwart, barocke Vergangenheit und pittoreske Ausblicke begleiten einen bei Erkundungen durch St. Gallen und seine Umgebung.

Die rote "Stadtlounge" von St. Gallen. - © St. Gallen-Bodensee Tourismus

Die rote "Stadtlounge" von St. Gallen. © St. Gallen-Bodensee Tourismus

Roter Platz? - Da steht man mitten in St. Gallen, und sieht plötzlich rot. Und zwar durchgängig. Man ist aber keineswegs in einer spontanen Zeitreise nach Moskau versetzt worden, noch hat einen der Zorn übermannt (was freilich nie ganz ausgeschlossen werden kann). Man steht schlicht und einfach inmitten des Kunst-Projekts "Stadtlounge", die Teile der St. Gallener Innenstadt durchzieht. Die bekannte Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist und der Architekt Carlos Martinez haben öffentliche Plätze und Straßen eingerötet und "möbliert": mit Sitzbänken und -landschaften (ähnlich den aus dem Wiener MuseumsQuartier bekannten Abhänge- und Liegestationen) und Leuchtmonden, die über dem Areal schweben, aber erst am Abend ihre illuminative Zauberkraft entfalten (wofür Pipilotti Rist 2008 mit dem internationalen City-People-Light-Award ausgezeichnet wurde).

Die Kathedrale und der Stiftsbezirk von St. Gallen.

Die Kathedrale und der Stiftsbezirk von St. Gallen.© St. Gallen-Bodensee Tourismus Die Kathedrale und der Stiftsbezirk von St. Gallen.© St. Gallen-Bodensee Tourismus

In dieser bunten Zone kann man sich in der Schweizer Stadt also erholen - und an zumindest einer Farbe reichlich sattsehen. Mehr farbliche Abwechslung und kulturhistorischen Anreiz bietet freilich der seit 1983 zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Stiftsbezirk in St. Gallen, eines der schönsten Kloster-Barock-Ensembles weltweit, mit der als Wahrzeichen der Stadt fungierenden Doppelturm-Kathedrale (die im Sommer stets als prächtige Kulisse für Opernaufführungen im Rahmen der St. Gallener Festspiele dient). Sein Ursprung geht auf den irischen Mönch Gallus zurück, der dort vor über 1400 Jahren (s)eine Eremitage errichtete. Hundert Jahre später entstand das Kloster, das im Mittelalter zur "Schreibstube Europas" und zu einem der wichtigsten kulturellen Zentren des Abendlandes wurde.

Bibliotheksmumie

Information

Der Artikel entstand mit Hilfe von Schweiz Tourismus.

Weblinks:
www.st.gallen-bodensee.ch
www.MySwitzerland.com

Das Herzstück des Bezirks bildet die Stiftsbibliothek, die - neben der "unsrigen" in Melk - zu den ältesten und schönsten der Welt zählt. Mit Filzpantoffeln an den Füßen (damit der weiche und alte Holzboden nicht über Gebühr strapaziert wird) betritt man den am Eingangsportal mit griechischer Inschrift als "Seelenapotheke" ausgewiesenen, gar nicht so groß erscheinenden Saal und schleicht an imposanten Bänden und Folianten vorbei (170.000 Bücher und 2000 Originalhandschriften werden hier verwahrt).

Und landet schließlich bei einer ganz besonderen Attraktion: der ägyptischen Mumie der Schepenese, die zusammen mit ihrem Doppelsarg in dieser Stiftsbibliothek ruht. Der Anblick ihres schwarz-ledrigen Gesichts kann einen recht wohl zu einer spontanen Zeitreise verleiten: Die Priestertochter Schepenese lebte zwischen 700 und 650 v.Chr. in Theben - und ist nun hier, mehr als zweieinhalbtausend Jahre später, immer noch leiblich anwesend. Das kann einem schon einen kleinen Schauer versetzen. Die Mumie mit dem reich bemalten Innen- und Außensarg gelangte übrigens 1821 nach St. Gallen. Auch schon ein Weilchen her.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-05 16:58:59
Letzte Änderung am 2018-07-05 17:14:54


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