• vom 30.11.2018, 00:00 Uhr

Wein


Weinjournal

Der Sieger vom Traisental




  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Markus Huber, in seiner Jugend als Shootingstar gefeiert, ist heute einer der renommierten Weinmacher des Landes. Sein aktueller Grüner Veltliner Obere Steigen zählt zu den Siegerweinen des Bewerbs "Wiener Zeitung-Weine 2018".

Die von Hellfruchtigkeit, Frische und Spannungsgeladenheit geprägten Gewächse des Traisentaler Winzers Markus Huber werden allesamt dem Herkunftscharakter in hohem Maße gerecht.

Die von Hellfruchtigkeit, Frische und Spannungsgeladenheit geprägten Gewächse des Traisentaler Winzers Markus Huber werden allesamt dem Herkunftscharakter in hohem Maße gerecht.© Manfred Klimek Die von Hellfruchtigkeit, Frische und Spannungsgeladenheit geprägten Gewächse des Traisentaler Winzers Markus Huber werden allesamt dem Herkunftscharakter in hohem Maße gerecht.© Manfred Klimek

Mit 815 Hektar Rebfläche ist das 60 Kilometer westlich von Wien gelegene Traisental eines der kleinsten Weinbaugebietes des Landes. Gegen Ende des vorigen Jahrtausends hat die Region in weinbaulicher Hinsicht noch einen recht verschlafenen Eindruck gemacht. Seither hat Markus Huber nicht wenig dazu beigetragen, dass der Landstrich rund um Herzogenburg und Traismauer im kollektiven Bewusstsein der austriakischen Weinszene mit Grünem Veltliner und Riesling auf Top-Niveau konnotiert wird. Und darüber hinaus hat er es sogar geschafft, den Traisentaler Wein in Bereichen der US-Gastronomie und weiterer Länder bekannt zu machen.

Als Markus Huber im Jahr 1998 die Klosterneuburger Weinbauschule abgeschlossen hatte, war der elterliche Betrieb in Reichersdorf noch eine gemischte Landwirtschaft mit einem vergleichsweise kleinen Weinbauanteil in der Größenordung von vier Hektar Rebfläche gewesen, eine wichtige Einnahmequelle stellte der Heurigenbetrieb dar. Niederösterreich hatte damals eine gewisse Umstrukturierung erfahren, zumal die Weinbaupolitik mit ihren Förderungsmaßnahmen die Auspflanzung von Rotweinsorten initiiert hatte.

Nach Absolvierung der Weinbauschule war Markus Huber zunächst ein Wandler zwischen den Welten gewesen: Daheim wirkte er tatkräftig im elterlichen Betrieb mit, zwischendurch zog es ihn in die Ferne. In den Jahren 1999 und 2000 machte er Erfahrungen als Praktikant in südafrikanischen Weingütern. Aus der Entfernung sah er plötzlich auch die Dinge zu Hause viel klarer. "In dem Land, in dem rote Gewächse viel besser funktionieren als Weißweine, bin ich mir bewusst geworden, dass es völlig verkehrt ist, wenn wir zu Hause im Traisental mit unserem vergleichsweise kühlen Klima den Rotwein forcieren."

Als er im Jahr 2000 begann, die Geschicke des Familienbetriebes zu bestimmen, schwor er dem Rotweinboom ab und konzentrierte sich mit Grüner Veltliner und Riesling auf die wirklichen Stärken des Gebiets. Gleich mit seiner ersten eigenständigen Ernte konnte der damalige Jungspund beachtliche Erfolge einfahren: Mit seinem Grünen Veltliner aus der Lage Obere Steigen wurde er sowohl zum Landessieger als auch zum Salonsieger gekürt. Mit dem Wein aus derselben Lage setzte er mit einem 3. Platz beim Grüner Veltliner Grand Prix des Falstaff Verlages gleich noch eines drauf.  Mit einer Serie von Erfolgen war der junge Traisentaler wie aus dem Nichts als "Shootingstar" bekannt geworden, wenig später (2004) wurde er im britischen Weinmagazin "Decanter" sogar als "The Wunderkind" bezeichnet.

Heute gilt Markus Huber – mittlerweile Mitglied der Österreichischen Traditionsweingüter – als einer der renommierten niederösterreichischen Weinmacher. Die Vergrößerung der Rebfläche von vier Hektar im Jahr 2000 auf 50 Hektar im Jahr 2018 weist den erfolgreichen Traisentaler als energiegeladenen Unternehmer aus. Der Grüne Veltliner Obere Steigen 2017 wurde kürzlich beim Bewerb "Wiener Zeitung-Weine 2018" unter die Siegerweine gereiht. Im Unterschied zu vielen anderen Weinprämierungen, wo Druck und (damit einhergehend) Alkokohollastigkeit gefordert sind, forciert der Bewerb "Wiener Zeitung Weine" neben der Ausgewogenheit vor allem den vergnüglichen Trinkfluss und die Vitalität der Gewächse.

"Der Grüne Veltliner Obere Steigen ist ein Wein, der den Stil des Traisentals gut widerspiegelt", sagt Markus Huber. Die Weine des Betriebs zeichnen sich durchwegs durch die vom vorherrschenden Kleinklima und der Bodenbeschaffenheit mit viel Löss im Oberboden und Kalk im Untergrund herrührende Frische, Hellfruchtigkeit und Spannungsgeladenheit aus. Im Traisental treffen die kühlen Winde des Alpenraumes auf die warmen Luftströmungen aus dem Donautal. Infolgedessen ergeben sich teils extreme Unterschiede der Tages- und Nachttemperatur, wodurch eine markante Typizität der Weine ermöglicht wird. Hubers Gewächse werden allesamt dem Herkunftscharakter in hohem Maße gerecht. Eine Stärke seiner Rebensäfte ist auch das gute Lagerpotenzial; die Tröpfchen legen mit fortschreitender Lagerdauer nicht selten erheblich zu.

"Die große Stärke des österreichischen Weins liegt generell im Segment um die 12,5 Volumsprozent Alkohl", sagt Markus Huber in Anspielung auf seinen aktuellen Siegerwein. Obwohl er auch beachtliche höherpreisige Premiumweine im Sortiment hat, bezeichnet Markus Huber den im mittleren Preissegment angesiedelten Grünen Veltliner Obere Steigen als seinen "wichtigsten Wein".

2017 Nussdorfer Grüner Veltliner Obere Steigen Traisental DAC (12,5 % Alk., 10 Euro)
Hellfruchtig mit Pfrisichanklängen und Blüteneinsprengseln im Bukett, zarte Zitrusanklänge, auch würzige Akzente treten hinzu, frisch und klar, stimmiger Säurebogen, mineralischer Charakter, ausgewogen und trinkvergnüglich.

2017 Grüner Veltliner Ried Alte Setzen Traisental DAC Reserve Erste Lage (13,5 % Alk., 15 Euro)
Ausgereifte Gelbfrucht, apfelige Akzente, tiefgründiger Charakter, saftig, sehr präzise definiert, in jeder Phase gut zugänglich, klingt anhaltend aus.

2017 Riesling Getzersdorfer Ried Berg Traisental DAC Reserve Erste Lage (13 % Alk., 30 Euro)
Zartfruchtige Nase nach Marille, auch weißfleischiger Pfirsich klingt an, hintennach treten vitalisierende Apfeleinsprengsel hinzu, hinzu gesellen sich Nuancen von Honigmelone, weißer Pfeffer, geradlinig und zugleich gediegen, forderndes Säurespiel, das die Fruchtsüße gut puffert, sehr balanciert, legt mit Luftzufuhr erheblich zu.

Print-Artikel erschienen am 30. November 2018
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23





Schlagwörter

Weinjournal, Wein, Traisental

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-28 21:59:33
Letzte Änderung am 2018-11-28 22:44:07


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der Sieger vom Traisental

Werbung



Schlagwörter



Werbung