• vom 21.12.2018, 00:00 Uhr

Wein


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Madl baut auf




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Von Johann Werfring

  • Die nach der méthode traditionnelle hergestellten Schaumweine der Sektkellerei von Christian Madl in Schrattenberg zählen zu den absoluten Topprodukten der Branche. Madls Cuvée Special brut wurde beim Bewerb "Wiener Zeitung-Weine 2018" als Sieger-Gewächs prämiert. Der Weinvierter Betrieb hat eine bemerkenswerte Unternehmensgeschichte vorzuweisen.

Ein Teil der Produktion ist heute noch provisorisch in den Gemäuern einer alten Schrattenberger Bauernwirtschaft untergebracht, doch schon bald wird Christian Madl über eine moderne Produktionsstätte verfügen. - © Johann Werfring

Ein Teil der Produktion ist heute noch provisorisch in den Gemäuern einer alten Schrattenberger Bauernwirtschaft untergebracht, doch schon bald wird Christian Madl über eine moderne Produktionsstätte verfügen. © Johann Werfring


© Sektkellerei Madl © Sektkellerei Madl

Christian Madl entstammt einer Weinbauernfamilie in Schrattenberg bei Poysdorf im Weinviertel. Nachdem als Nachfolger für die elterliche Weinwirtschaft von vornherein dessen älterer Bruder ausersehen war, entschloss sich Christian Madl schon früh, eine Spezialisierung anzustreben. "Die Anregung dazu ist vom Vater gekommen, der gemeint hat, ich soll das Sektmachen lernen", sagt Madl. So kam es, dass er 16-jährig nach Rheinhessen aufbrach, um dort im Sekthaus Raumland sein erstes Pflichtpraktikum im Rahmen der Ausbildung an der Klosterneuburger Weinbauschule zu absolvieren.

Zuhause stellte er mit 16 Jahren seinen ersten Sekt her. Auch in den Folgejahren erzeugte er neben dem Schulbetrieb Sekt und versektete darüber hinaus auch Grundweine für andere Weinbaubetriebe. Nachdem er 1992 die Weinbauschule abgeschlossen hatte, zog es ihn in die Champagne. Zu diesem Zweck erlernte er in einem viermonatigen Intensivkurs die französische Sprache, um in Avize im Betrieb der Weinbauschule der Champagne ("Champagne Sanger") anzuheuern. Was damals gar nicht so einfach war, denn Österreich war 1993 noch nicht Mitglied der Europäischen Union. Der Status eines Austauschstudenten ermöglichte es ihm schließlich, dort ein Engagement zu erlangen und konkrete Einblicke in die Champagner-Produktion zu gewinnen. Hernach gelangte er auf seiner önophilen Walz nach Luxemburg, wo er in der Sektkellerei Poll Fabaire in Wormeldange mitwirkte.

Information

Sektkellerei Christian Madl
2172 Schrattenberg, Hauptstraße 49
Tel. 02555/24168, www.madlsekt.at

Bezugsquellen in Wien:
Burgenland Vinothek
1030 Wien, Baumannstraße 3
Julius Meinl am Graben
1010 Wien, Graben 19

Im Jahr 1994 – wieder in der Heimat angelangt – inskribierte Christian Madl an der Universität Wien die Studien Geschichte und Theaterwissenschaft. Da er es schon von der Schule her gewohnt war, nebenher Sekt zu machen, beabsichtigte er seinen Horizont auch noch seinen geistigen Vorlieben gemäß zu erweitern. Im zweiten Studienjahr ergab es sich, dass er in Schrattenberg den großväterlichen Weinkeller, und in unmittelbarer Nachbarschaft auch noch zwei weitere Gewölbe, übernehmen konnte. Unterstützt vom Vater, der neben dem Weinbau auch das Maurerhandwerk erlernt hatte, machte er sich daran, die drei Keller zusammenzulegen. Infolge dieser Beanspruchung war es ihm nun nicht mehr möglich, die begonnenen Studien in Wien fortzusetzen.

Die über Jahre hinweg mit eigener Hand geschaffene Kellerwelt, in deren Mitte sich heute eine Rotunde befindet, ist sehenswert. Im Jahr 2002 stieg Christian Madl aus dem vom Bruder geführten elterlichen Betrieb, wo er zunächst als Allrounder mitgewirkt und daneben Sekt produziert hatte, aus und gründete seine eigene Sektkellerei. Die zu jener Zeit bewirtschaftete Rebfläche im Ausmaß von 0,4 Hektar hat er mittlerweile auf drei Hektar aufgestockt. Der schmucke Rotundenkeller ist für den prosperierenden Betrieb längst zu klein geworden. Ein angekauftes altes Bauernhaus wird seit einigen Jahren als interimistische Herberge für die Madl-Sekte genützt. Praktisch jeder Winkel der Wohnräume der vormaligen Bauernwirtschaft – angefangen vom Schlafzimmer über das Wohnzimmer bis hin zum ehemaligen Badezimmer – ist heute mit Sektflaschen belegt. Insgesamt ist die Produktion derzeit auf vier Standorte in Schrattenberg und Hagenbrunn verteilt. Sein Erfolg ermöglicht es dem sympathischen Meister der Improvisation nun, die Planung eines neuen Betriebsgebäudes in Angriff zu nehmen. Diese Fokussierung werde in absehbarer Zeit viele Arbeitsstunden ersparen, so Madl. Auch die Rebfläche soll noch ausgeweitet werden, aber "nicht auf Teufel komm raus", sondern in moderaten Schritten.

Im Zuge seiner Praktika und Studienreisen habe er "die Einsicht gewonnen, dass die Gegend rund um Poysdorf für die Erzeugung von Sekt-Grundweinen prädestiniert ist", sagt Madl. Das Klima ist etwas kühler, als in den meisten anderen österreichischen Anbaugebieten und die langsame Reifung der Trauben wirke sich auf die Qualität der Schaumweine sehr vorteilhaft aus. Auch die Versorgung der Trauben mit ausreichend Feuchtigkeit sei im Weinviertel aufgrund der tiefgründigen Böden bestens gewährleistet.

Madl verwendet, wie das international üblich ist, auch Grundweine aus Chardonnay, Pinot Noir und Riesling zur Sektherstellung. Darüber hinaus ist er von den Stärken des Weinviertels überzeugt: Der Zweigelt habe eine sehr vorteilhafte Fruchtigkeit, der Grüne Veltliner eigne sich als Cuvéepartner hervorragend für komplexe Sekte und die bislang vielfach unterschätzte Sorte Welschriesling garantiere Frische, Fruchtigkeit, Würze und eine enorme Lagerfähigkeit.

Christian Madl, der ambitionierte Tüftler aus Schrattenberg, hat seine Methoden im Lauf der Jahre immens verfeinert. Handlese, schonende Verarbeitung, niedrige Pressausbeuten und lange Hefelagerung in der Flasche (bis zu neun Jahre) sowie große Sorgfalt bei der Kellerarbeit (bis zu 50 Handgriffe pro Flasche) ermöglichen gediegene und markante Qualitäten mit feinem Mousseux, von denen man früher hierzulande nur träumen konnte. Zum Trinkvergnügen tragen sowohl die moderaten Alkoholwerte als auch die Frische und Vitalität – bei zugleich verträglicher Säure – bei. Madl-Sekte eignen sich infolge ihrer Komplexität erstaunlich gut als Speisenbegleiter.

Glasweise sind Madl-Sekte direkt in der Schrattenberger Kellerei und in der Wiener Sky Bar in der Kärntner Straße zu verkosten. Flaschenweise sind sie in Wien etwa in der Burgenland Vinothek in der Baumannstraße oder bei Meinl am Graben disponibel.

Cuvée Special brut
(12 % Alk., 19,50 Euro)
Florale Anklänge, Kräuterwürze, Salbei-Einsprengsel und Limettentöne, erfrischendes Säurespiel, saftig, feinkörnig, vergnüglich (aufbauend), langer Nachhall, ein würdiges Sieger-Gewächs des Bewerbs "Wiener Zeitung-Weine 2018" in der Kategorie Sekt.

Von den Weißen brut 2013
(12 % Alk., 18 Euro)
Stachelbeeren und Limette, Kräuteranklänge, erfrischend, niveauvoll beschwingt, klar und lebhaft, trinkvergnüglich, rassige Säurestruktur, jugendlich, sehr angenehmer Nachhall, hervorragendes Potenzial.

Blanc de Noirs brut 2010
(12 % Alk., 26 Euro)
Feines, stetiges Mousseux, zarte Himbeerfrucht, dezent hefige Note, kühl und zupackend, rund und saftig, feine Biskuit-Note, kristallklar, mineralisch, wohlstrukturiert, sehr gute Substanz, reichhaltig und lang.

Print-Artikel erschienen am 21.Dezember 2018
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-12-19 08:16:46
Letzte Änderung am 2018-12-19 10:34:35


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