• vom 12.08.2011, 00:00 Uhr

Wein

Update: 06.05.2013, 21:48 Uhr

Werfrings Weinjournal

Istrien im Aufbruch




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Werfrings Weinjournal
  • Will man sich den mediterranen Rebsäften weinreisend annähern, so darf Istrien aus österreichischer Sicht zu den nahe liegenden Destinationen gezählt werden.

Moreno Coronica in seinem tiefroten Terra-Rossa-Weingarten. - © Sebelic

Moreno Coronica in seinem tiefroten Terra-Rossa-Weingarten. © Sebelic

Die Halbinsel Istrien gehört bekanntlich drei verschiedenen Staaten an: Der größte Teil ist kroatisch, im Norden befindet sich der slowenische Teil Istriens und ein kleiner Zipfel liegt in Italien. Eine Reihe von istrischen Winzern – teils mit biologischer Wirtschaftsweise – hat in jüngerer Zeit verstärkt international Aufmerksamkeit erregt.


Zunächst zu den Rebsorten, deren Ausbreitung ja vor keinen Landesgrenzen Halt macht: Im roten Bereich liefern fraglos die autochthonen Rebsorten Teran und Refosco die interessantesten Ergebnisse, nämlich tiefdunkle, in der Jugend manchmal etwas harte und in der Säurestruktur durchaus rassig wirkende Weine, deren Tannin aber mit Flaschenreife abschmilzt und samtiger wird. Beide Sorten besitzen zumindest mittelfristiges Lagerpotential und zeigen dann dunkle Fruchtnuancen nach Brombeeren und Zwetschken, zum Teil auch vegetale und nussige Würzenoten. Vielfach werden diese Sorten auch mit den internationalen Trendsettern Cabernet Sauvignon und Merlot zu Cuvées vermählt. Von Friaul ausgehend haben letztere Rebsorten längst in Istrien Heimatrechte erworben.

Das Bioweingut Kabola in Momjan.

Das Bioweingut Kabola in Momjan.© Blaha Das Bioweingut Kabola in Momjan.© Blaha

Speziell der Teran ist als schwierige Rebsorte verschrien, vor allem wenn die möglichen Erträge ausgereizt werden. "Ich behandle den Teran genauso wie meine anderen Rotweinreben, beschränke den Ertrag ganz strikt und kann auf solche Weise in guten Weinjahren ausgezeichnete Ergebnisse erzielen", erklärt der kroatische Winzer Moreno Coronica, der sein Weingut unmittelbar südlich der Grenze bei Umag betreibt, in diesem Zusammenhang. Tatsächlich setzt sein nur in sehr guten Jahrgängen hervorgebrachter "Gran Teran" Maßstäbe bezüglich eleganter, rotbeeriger Frucht und fleischiger Dichte.

Die besten istrischen Kreszenzen unterscheiden sich übrigens stark von ihren wesentlich härter und säurereicher gezeichneten "Brüdern", die beispielsweise im italienischen und slowenischen Karst rund um Triest gekeltert werden. Auf der tiefroten "Terra Rossa" – ein Bodentyp, der vor allem dem Küstengebiet das Flair eines riesigen Tennisplatzes verleiht – kultiviert Coronica auch die weiße Leitsorte Malvazija, die rund zwei Drittel der Rebfläche des kroatischen Teils von Istrien einnimmt. Ob die für österreichische Verhältnisse ungewohnten, von Eisenoxid gefärbten Böden oder der im Landesinneren dominierende graumergelige Flysch, der auch aus der Wiener Gegend oder vom südlichen Weinviertel her bekannt ist, den besseren Untergrund für den Weinbau abgeben, darüber gibt es in Fachkreisen keine Einigkeit.

Unkonventionell wie die Weine: die Flaschenaufmachung von Giorgio Clai.

Unkonventionell wie die Weine: die Flaschenaufmachung von Giorgio Clai.© Blaha Unkonventionell wie die Weine: die Flaschenaufmachung von Giorgio Clai.© Blaha

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Werfrings Weinjournal

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-08-10 20:43:48
Letzte Änderung am 2013-05-06 21:48:56


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Erfrischender Charakter
  2. Der passende Wein zur Gans
Meistkommentiert
  1. Der passende Wein zur Gans

Werbung




Werbung