• vom 30.10.2010, 20:12 Uhr

Wein

Update: 14.02.2016, 06:23 Uhr

Weinherbst 2010

Außergewöhnliches Werk




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Von Johann Werfring

  • Das Weingut Gesellmann gilt als Paradebetrieb des Blaufränkischlandes. Betrachtet man die gesamte Produktlinie, so ist rasch erkennbar, dass diese für mittelburgenländische Verhältnisse doch recht ungewöhnlich ist. Im Unterschied zu anderen Top-Betrieben der Region bringt Albert Gesellmann nicht nur grandiose Rotweine, sondern auch herrliche Weiß- und Süßweine auf den Markt.

"Ich bin froh, dass die Mode mit den holzbetonten Rotweinen mit Schokotouch größtenteils vorbei ist." (Albert Gesellmann) - © Fotos: Weingut Gesellmann

"Ich bin froh, dass die Mode mit den holzbetonten Rotweinen mit Schokotouch größtenteils vorbei ist." (Albert Gesellmann) © Fotos: Weingut Gesellmann

Der Vater des heutigen Betriebsführers, Engelbert Gesellmann, hatte es schon in den 1980er Jahren als Pionier des burgenländischen Qualitätsweinbaus zu beachtlichem Ansehen gebracht. Seit 1993 ist dessen Sohn Albert für die Geschicke im Keller verantwortlich. "Wir verstehen uns aber bis heute als Familienbetrieb", betont der gleichermaßen bescheidene wie sympathische Deutschkreutzer Erfolgswinzer. Gemeinsam mit den besten Erzeugern des östlichsten Bundeslandes gründeten die Gesellmanns 1995 die Winzervereinigung "Renommierte Weingüter Burgenland" (RWB).

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte des Weingutes mit einer Rotweincuvée des 1988er Jahrgangs namens "Opus Eximium" (lateinisch: "Außergewöhnliches Werk"), die – den damaligen Zeitumständen entsprechend – noch mit einem wesentlichen Anteil an internationalen Sorten gekeltert wurde. Nach dem Erfolg mit dieser Cuvée kam 1992 unter der Bezeichnung "Bela Rex" ein zweiter Bordeaux-Blend hinzu (der Name bezieht sich auf den ungarischen König Bela IV., aus dessen Regierungszeit eine auf das Jahr 1245 datierte Urkunde stammt, die Deutschkreutz erstmals mit Wein in Zusammenhang bringt).


Im Lauf der Zeit besann sich Albert Gesellmann zusehends auf das gute Potenzial der heimischen Rebsorten, weshalb beim ursprünglichen Renommierwein "Opus Eximium" die internationalen Sorten nach und nach durch österreichische ersetzt wurden, sodass heute nur noch Blaufränkisch, St. Laurent und Zweigelt darin verschnitten sind. Für Freunde hochwertiger Bordeaux-Blends hat Gesellmann nach wie vor seinen "Bela Rex" im Angebot.

Die Favorisierung charaktervoller autochthoner Rotweine fand einen beachtlichen Höhepunkt mit der Kreierung von Gesellmanns erstem "G" im Jahr 1997. Während dieser Wein ursprünglich aus 85 Prozent Blaufränkisch und 15 Prozent St. Laurent bestand, wurde der Blaufränkisch-Anteil mittlerweile auf 95 Prozent erhöht, was auch die zunehmende Begeisterung des Winzers für den im Mittelburgenland angestammten Blaufränkischen zum Ausdruck bringt. Dass dieser exklusive Rebensaft schon in seiner Jugend mit großartiger Balance zu begeistern vermag, erklärt Gesellmann insbesondere mit dem hohen Alter der Reben (80 Jahre!).

Geschmacksbilder

Neben dem Aushängeschild des Betriebes, dem "G", und den erwähnten Prestigecuvées befindet sich seit einigen Jahren ein weiterer Top-Wein im Sortiment: Der "Blaufränkisch hochberc", mit dem Gesellmann 2008 den Falstaff- Sieg einfahren konnte. "Wir haben die Reben für den hochberc erst im Jahr 2000 ausgepflanzt, sein wahres Potenzial wird dieser Wein aber erst in 20 Jahren ausspielen", sagt der Winzer. Man darf also gespannt sein!

Ausgebaut wird der "Blaufränkisch hochberc" in 500-Liter-Holzfässern mit leichtem Toasting. "Ich bin froh, dass sich die Geschmacksbilder mittlerweile geändert haben und die Mode mit den holzbetonten Rotweinen mit Schokotouch größtenteils vorbei ist", erklärt Gesellmann programmatisch. Durch behutsamen Holzeinsatz kann die Mineralität und Lebendigkeit beim geradlinig geprägten "Blaufränkisch hochberc" und bei anderen Tröpfchen aus dem Gesellmann-Sortiment gut zur Geltung kommen. Freilich hat Albert Gesellmann neben seinen Premium-Rotweinen, zu denen übrigens auch der "Pinot Noir Siglos" und der "Blaufränkisch Creitzer Reserve" zu zählen sind, hervorragende Rotwein-Klassiker im geldbörselschonenden Preissegment im Angebot.

Für den fachgerechten Umgang mit seinen beiden hoch stehenden Chardonnays hat sich Albert Gesellmann das nötige Know-how in Kalifornien angeeignet. Die bestechende Komplexität dieser Weine resultiert zum Teil aus der Verwendung von Lesegut mit unterschiedlicher Zuckergradation – so viel sei verraten. Als besondere Raritäten hält das Weingut aus geeigneten Jahren Trockenbeerenauslesen bereit, die in renommierten Weinguides kontinuierlich mit hohen Punkten bewertet sind. Eine besondere Spezialität aus dem Hause Gesellmann sind Hochprädikatsweine aus der Sorte Sämling, deren exotische Fruchtausprägung durch passenden Barrique-Einsatz gestützt wird.

Info:
Weingut Familie Gesellmann
7301 Deutschkreutz, Langegasse 65
Tel. 02613/803 60-0 www.gesellmann.at

Erschienen am 30. Oktober 2010
In: Weinherbst 2010. Verlagsbeilage der "Wiener Zeitung", S. 26–27.




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Dokument erstellt am 2012-01-14 21:17:30
Letzte Änderung am 2016-02-14 06:23:47


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