• vom 20.07.2012, 13:00 Uhr

Wein

Update: 11.03.2013, 17:39 Uhr

Werfrings Weinjournal

Hirsch als mutiger Vorreiter




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Von Johann Werfring

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  • Das Weingut Hirsch in Kammern bei Langenlois zählt zu den besten Weinbaubetrieben Österreichs. Auch vor zehn Jahren ist das schon der Fall gewesen. Johannes Hirsch wagte damals einen pionierhaften Schritt, mit dem er sich nachhaltig in die österreichische Weingeschichte eingeschrieben hat.

Johannes Hirsch, Kammern bei Langenlois - © Peter Blaha

Johannes Hirsch, Kammern bei Langenlois © Peter Blaha

Am 5. Mai 2003 wurden im Weingut Hirsch Topqualitäten des 2002er Jahrgangs abgefüllt. Johannes Hirsch hatte entschieden, seine Kreszenzen aus den Lagen Heiligenstein, Lamm und Gaisberg nicht mehr mit Kork, sondern mit Schraubverschlüssen zu verschließen. Als er wenig später seine Weine auf den Markt brachte, war die Resonanz in der österreichischen Weinwelt und in den Medien enorm.


© Weingut Hirsch © Weingut Hirsch

Zunächst zur Vorgeschichte: In den ausgehenden 1990er Jahren war der Unmut über Weine mit "Korkschmeckern" immer größer geworden. Dies hatte unter anderem damit zu tun, dass in Österreich der Qualitätsweinkonsum ein bis dahin nicht für möglich gehaltenes Ausmaß erreicht hatte. Bei den noch in den 1980er Jahren konsumierten Billigweinen hatte man es mit der Qualität nicht ganz so genau genommen. Als nun immer mehr Konsumenten bereit waren, für hochwertige Weine entsprechende Preise zu akzeptieren, prüften sie deren Güte umso kritischer und begannen fehlerhafte Weine in den Restaurants vermehrt zu reklamieren. Angeblich hatte die Kork-


industrie zu jener Zeit auch vermehrt schadhafte Korken in Umlauf gebracht.

All dies führte dazu, dass sich die Winzer genötigt sahen, nach geeigneten Alternativ-Verschlüssen Ausschau zu halten. Zunächst dachte man schon, mit dem Plastikpfropfen eine ideale Lösung gefunden zu haben. Jedoch stellte sich heraus, dass dessen Dichtheit nach wenigen Jahren Lagerung nachließ. Manche Winzer beklagten schon einige Wochen nach der Füllung Oxidationserscheinungen. Noch dazu bemerkte man, dass die Säure des Weins die im Plastik enthaltenen Weichmacher angriff, wodurch der Wein in manchen Fällen einen synthetischen Fehlton aufwies.

Der bei anderen Getränken erprobte Kronenverschluss kam beim Edelprodukt Wein von vornherein nicht infrage. Insofern gingen manche Erzeuger dazu über, Drehverschlüsse zu favorisieren – allerdings nur für einfache Qualitäten. Einen vermeintlich unedlen Drehverschluss für Topqualitäten zu verwenden, kam einem Sakrileg gleich.

Johannes Hirschs tat es schließlich doch. Seine Erfahrungen mit dem Naturkork waren katastrophal gewesen. Er war fortan nicht mehr bereit, einen Gutteil seiner Weine mit Korkverunreinigungen zu verderben (Sommeliers berichteten damals, dass mehr als zehn Prozent der Weine Korkschmecker aufwiesen). Vor allem die vielen "verdeckten" Korkschmecker, die ja oftmals nicht dem Kork, sondern fälschlicherweise dem Wein als Fehler zugerechnet werden, empfand Hirsch als unerträglich.

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Dokument erstellt am 2012-07-19 12:32:09
Letzte Änderung am 2013-03-11 17:39:38


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