• vom 16.11.2012, 11:30 Uhr

Wein

Update: 13.04.2015, 01:34 Uhr

Werfrings Weinjournal

Finesse aus karger Krume




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Von Johann Werfring

  • Hoch aufragende Rebhügel in idyllischem Umfeld prägen die Landschaft des südsteirischen Sausal. In dessen Zentrum befindet sich Kitzeck, der mit 564 Meter Seehöhe höchstgelegene Weinbauort Österreichs.

Im Vordergrund die Lage Edelschuh, hinten der Ort Kitzeck im Sausal. - © Johann Werfring

Im Vordergrund die Lage Edelschuh, hinten der Ort Kitzeck im Sausal. © Johann Werfring

Die Gegend rund um Kitzeck hat sich im vergangenen Jahrzehnt zum vinophilen Urlaubsparadies gemausert. Auf den einzigartigen Ausblicksterrassen der schmucken Landgasthöfe ist man über die kulinarischen Köstlichkeiten und herrlichen Rebensäfte des Sausal doppelt beglückt.

Am Fuße des Kitzecker Berglandes befindet sich eines der besten Weingüter der Steiermark, das sich auch international einen Namen gemacht hat. Zahlreiche hochrangige Auszeichnungen zeugen davon. Auf den steilen Hanglagen, auf denen die Weinlese zum Teil mithilfe von Seilwinden durchgeführt werden muss, ringen Gerhard Wohlmuth und dessen gleichnamiger Sohn der Natur bemerkenswerte Weinernten ab.

Die Schiefergesteinsschichten reichen oft bis zur Erdoberfläche heran.

Die Schiefergesteinsschichten reichen oft bis zur Erdoberfläche heran.© Johann Werfring Die Schiefergesteinsschichten reichen oft bis zur Erdoberfläche heran.© Johann Werfring

Die Bodenbedingungen in Wohlmuths Weingärten, die zu den steilsten Rebbergen Europas zählen, sind vorzüglich: Beinahe bis zur Oberfläche reichen die roten, grauen und blau-schwarzen Schiefer-Gesteinsschichten herauf, aus denen die Wurzeln der Rebstöcke eine bemerkenswerte Mineralik zutage fördern. "Gola", der Name einer Wohlmuth’schen Weinbergslage, stammt aus dem Slawischen und bedeutet "nackt", was auf die karge Erdkrume verweist. An manchen Stellen des Geländes ist der Boden aufgerissen; dort wird nachvollziehbar, wie nahe die Reben mit dem unterirdischen bröckeligen Schiefergestein beisammen sind.


Das Sortiment des 70 Hektar umfassenden Weinguts Wohlmuth ist äußerst umfänglich. Neben den Hauptsorten Sauvignon Blanc, Riesling, Chardonnay und Traminer gibt es auch Welschriesling, Gelber Muskateller, Pinot Gris, Pinot Blanc, Zweigelt und Pinot Noir. Neben dem Stammbetrieb in Kitzeck hat die Familie Wohlmuth in dem burgenländischen Weinort Neckenmarkt Weingärten in Toplagen erworben, aus denen bemerkenswerte Blaufränkische stammen. Der im Inland seit langem renommierte Betrieb hat seine Gewächse auch auf internationalen Märkten überaus erfolgreich positioniert.

Weinlese mithilfe der Seilwinde.

Weinlese mithilfe der Seilwinde.© Gerhard Wohlmuth Weinlese mithilfe der Seilwinde.© Gerhard Wohlmuth

Die hier präsentierten Tipps müssen sich auf ein kleines Segment des Angebots beschränken. Beginnen wir mit jenem Wein, der mich am meisten beeindruckt hat: Der Riesling Edelschuh 2011 (13,5 % Alk.) stammt aus der bei weitem besten Lage des Weinguts. Es ist dies der erste Riesling, welcher in der Premium-Stufe auf den Markt gebracht wird, erzählt Juniorchef Gerhard Wohlmuth, der seit drei Jahren die Kellerverantwortung innehat. Nachdem die Reben der Lage Edelschuh mit 30 bis 40 Jahren nun in ein entsprechendes Alter gekommen sind, sei es an der Zeit, sich der alten Rieslingtradition des Sausal zu besinnen, so Wohlmuth. Botrytisfrei gelesen und in 600-Liter-Fässern unter langer Hefeeinwirkung ausgebaut, präsentiert sich dieser vom roten Schiefer geprägte Wein prägnant mineralisch und straff, zugleich aber vielschichtig, saftig und mit erheblichem Trinkfluss ausgestattet. Eine edle Kreszenz mit ausgesprochenem Lagerpotenzial, die ich aktuell landesweit zu den besten Rieslingen zähle (28 Euro).

Gerhard und Gerhard Wohlmuth, Kitzeck

Gerhard und Gerhard Wohlmuth, Kitzeck© Weingut Wohlmuth Gerhard und Gerhard Wohlmuth, Kitzeck© Weingut Wohlmuth

Auch die anderen Premiumweine werden in Fässern mit größerem Volumen geschult. Nachdem man zu Beginn des Milleniums verschiedene Modeströmungen erprobt hatte, besinnt sich der junge Kellermeister verstärkt der puristischeren Vinifizierungsmethoden: Das bedeutet ein Abgehen von den zuvor international gepushten Massivitätsbestrebungen, auch die Ära der Zisch-frisch-Weine ist überwunden. Stattdessen setzt Gerhard Wohlmuth – mit Erfolg – auf behutsame Kelter, die oft mit Spontanvergärung (ohne Zusatz von Reinzuchthefen) einhergeht.

Ein richtiges Preisschmankerl stellt der gelbfruchtige Pinot Blanc Sausaler Schlössl 2011 (13 % Alk) mit seinen exotischen Einsprengseln dar; er ist nobel, komplex, salzig-würzig und recht ausgewogen bei sehr guter Länge (10,40 Euro). Ein in jeder Hinsicht eleganter Klassiker im guten Preissegment ist der straffe Sauvignon Blanc Klassik 2011 (13 % Alk.) mit gediegenem (keineswegs zu lautem) Blüten-Bukett; er besticht durch sein Wechselspiel von warmer reifer Aromatik und kühler Mineralik (10,40 Euro).

Aus dem 2010er Jahrgang, der im Sausal (im Unterschied zu manch anderen österreichischen Regionen) bestechende Qualitäten hervorbrachte, sei schließlich noch der Pinot Gris Gola Privat (13,5 % Alk.) besonders hervorgehoben. Durch seine geradlinige mineralische Noblesse wird er ebenso begeistern wie durch die beachtliche Substanz und den vergnüglichen Trinkfluss (18 Euro).

Info: Tel. 03456/23 03, www.wohlmuth.at

Print-Artikel erschienen am 16. November 2012
in der Kolumne "Werfrings Weinjournal"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 3435




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Dokument erstellt am 2012-11-16 10:54:31
Letzte Änderung am 2015-04-13 01:34:54


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