• vom 18.01.2013, 09:00 Uhr

Wein

Update: 14.02.2018, 21:43 Uhr

Werfrings Weinjournal

Finesse vom Lehm




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Von Johann Werfring

  • Bei der kürzlich im Horitschoner Weingut Weninger unter dem Motto "10 Jahre Dürrau" veranstalteten Vertikale wurde österreichische Rotweingeschichte schmeckbar.

Franz Weninger (l.) und Franz Reinhard Weninger (r.) bei der Dürrau-Vertikale im Keller des Weinguts. - © Johann Werfring

Franz Weninger (l.) und Franz Reinhard Weninger (r.) bei der Dürrau-Vertikale im Keller des Weinguts. © Johann Werfring

Während in den vergangenen Jahren viel von edlen Blaufränkischen die Rede gewesen ist, die auf Kalk- und Schieferböden gewachsen sind, hat das Horitschoner Weingut Weninger im Topsegment stets mit einem Sortenvertreter aus einem Weingarten mit Lehmboden auf sich aufmerksam gemacht. Mit dem Blaufränkischen aus der Lage Dürrau konnten sich die Weningers im vergangenen Jahrzehnt kontinuierlich im Spitzenfeld der österreichischen Rotweinerzeuger behaupten.

"Als ich noch ein halbwüchsiger Weinbauernbub gewesen bin, hat mir ein Onkel mit seiner Aussage 'der beste Wein kommt vom Dürrau' einen Floh ins Ohr gesetzt", erzählt Franz Weninger. "Das war in den ausgehenden 1960er Jahren; praktisch alle Weinbauern waren damals bestrebt, möglichst viel zu ernten, es war ihnen vollkommen egal, woher der Wein gekommen ist", erinnert sich der Winzer. Als er dann im Jahr 1982 den elterlichen Betrieb übernahm, habe er zunächst selber noch in dieser Weise gewirtschaftet.

Bei der Verkostung sorgte so manche Probe für eine Überraschung.

Bei der Verkostung sorgte so manche Probe für eine Überraschung.© Johann Werfring Bei der Verkostung sorgte so manche Probe für eine Überraschung.© Johann Werfring

Durch Zufall wurde ihm 1996 eine knapp einen Hektar umfassende Rebfläche in der Horitschoner Riede Dürrau zum Kauf angeboten. Das war zu einer Zeit, in der die österreichische Weinwirtschaft einen bis dahin nicht bekannten Aufwind verspürte. "Ich erinnerte mich an die Worte des Onkels und kaufte den Weingarten", so Weninger. Der Weingarten, in dem jahrzehntealte Blaufränkisch-Reben standen, war ungepflegt. Also machten sich die Weningers daran, die Reben zurückzuschneiden und entsprechend zu erziehen. "Die Winzerkollegen im Dorf haben mich damals ausgelacht, weil ich den Weingarten nicht gerodet habe", sagt Weninger. Tatsächlich sei der Wein aus dieser Riede anfangs unruhig gewesen, jedoch merkte der Winzer im Jahr 1999, dass der Weingarten "sein Gleichgewicht gefunden" hatte. Nun war es an der Zeit, den ersten "Blaufränkisch Dürrau" zu vinifizieren. Wenige Jahre später hatte Franz Weninger der Lage zu einem klingenden Namen verholfen.


Zu der kürzlich direkt im Weingut veranstalteten 10-Jahres-Vertikale des Blaufränkisch Dürrau waren namhafte Weinfachleute aus dem In- und Ausland angereist. Franz Reinhard Weninger, der 2011 die Leitung des Betriebes übernommen hatte (Franz Weninger steht ihm weiterhin als Seniorpartner zur Seite), verwies bei seinem einleitenden Vortrag auf die Tatsache, dass ein eisenhältiger Lehmboden, wie er in der Lage Dürrau zu finden ist, eine herrliche Mineralität zu generieren imstande ist (was bei der anschließenden Verkostung gut nachzuvollziehen war). Da und dort besteht ja hierzulande die irrige Meinung, dass Mineralik einzig und allein vom blanken Stein herrühre.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-01-17 13:59:08
Letzte Änderung am 2018-02-14 21:43:05


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