• vom 26.11.2010, 07:00 Uhr

Wein

Update: 14.02.2018, 21:45 Uhr

Biennale

Nasenüberraschung in Shanghai




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Von Johann Werfring

  • Der österreichische Künstler Josef Trattner ist derzeit auf der 8. Shanghai Biennale mit 100 Weinbildern vertreten.

Josef Trattner beim Weinbild-Schnüffeln in seinem Wiener Atelier. - © Johann Werfring

Josef Trattner beim Weinbild-Schnüffeln in seinem Wiener Atelier. © Johann Werfring

Josef Trattner zählt zu jenen österreichischen Kunstschaffenden, die in ihren Disziplinen völlig neuartige Konzepte hervorgebracht haben. Eine solide Ausbildung genoss der gelernte Bildhauer, der heute Mitglied der Wiener Secession ist, an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Anfang der 1990er Jahre begann der gebürtige Steirer, dessen Atelier in Wien-Mariahilf auch ein kommunikatives Zentrum für kreative Köpfe ist, sich künstlerisch mit Schaumstoff auseinanderzusetzen. Neben diversen Einzelarbeiten mit Schaumstoff trat er in der Folge mit einer Reihe viel beachteter Performances hervor. Dazu zählen etwa die spektakuläre "Möblierung des MuseumsQuartiers" (2002), sein Projekt "Barock in Progress" im Schloss Eckartsau (1996) und seine literarisch inspirierten "Sofafahrten" in diverse europäische Städte.

Seit rund zehn Jahren verwendet Trattner Wein als künstlerischen Werkstoff. "Die Vielfalt im Geschmack hat in den Bildern ihre Entsprechung", sagt der Künstler. Seine Weinartefakte entstehen in einer Anzahl von Tröpfelvorgängen, die Trattner in zeitlich kalkulierten Abständen vornimmt. Das Resultat sind vielgestaltige Muster mit feinkörnig kristalliner Oberfläche, deren zarte Emissionen feinen Nasen nicht verborgen bleiben.

Trattners konzeptuelle Weinkunst ist derzeit auf der 8. Shanghai Biennale ausgestellt (hier im Bild der Ausstellungsraum im Shanghai Art Museum).

Trattners konzeptuelle Weinkunst ist derzeit auf der 8. Shanghai Biennale ausgestellt (hier im Bild der Ausstellungsraum im Shanghai Art Museum).© Studio Trattner Trattners konzeptuelle Weinkunst ist derzeit auf der 8. Shanghai Biennale ausgestellt (hier im Bild der Ausstellungsraum im Shanghai Art Museum).© Studio Trattner



Über 500 Weinbilder dieser Art hat Trattner bislang geschaffen. Es entstanden Serien mit österreichischen, italienischen und Schweizer Rebensäften. Besonders eindrucksvoll war eine Performance, die Trattner mit seinen Weinbildern 2009 im Wiener Künstlerhaus auf die Beine gestellt hat. Gewitzt brachte er dabei die verschiedenen Ebenen seiner "konzeptuellen Weinkunst" auf den Punkt, indem er den am "Konservatorium Wien Privatuniversität" ausgeschriebenen Kompositions-Wettbewerb zum Thema "abstract drinking" damit verknüpfte und das Publikum  in Anschauung von 100 Weinbildern  zum "blind tasting" einlud.

Bei der Eröffnung der 8. Shanghai Biennale am 23. Oktober 2010 bekam Trattner von chinesischen Kulturjournalisten zu hören: "Wissen Sie, dass Sie eine sehr chinesische Kunst machen?" "Dass diese spezielle Kunstform mit ihren aquarellhaften Anklängen dem asiatischen Empfinden sehr entgegenkommt, habe ich schon vor Antritt meiner Reise gewusst", sagt Trattner, dem die Kunst des Fernen Ostens keineswegs fremd ist.

Josef Trattner mit abstrakt-expressionistischem Weinbild.

Josef Trattner mit abstrakt-expressionistischem Weinbild.© Johann Werfring Josef Trattner mit abstrakt-expressionistischem Weinbild.© Johann Werfring



Die vergleichsweise hohe Luftfeuchtigkeit, der die Weinbilder derzeit bei der 8. Shanghai Biennale (noch bis 23. Jänner 2011) ausgesetzt sind, habe eine überraschend auffallende Aromen-Emission bewirkt, so Trattner. Solcherart inspiriert trägt er sich nun mit dem Gedanken, mit seinen Bildern "Geruchsräume" zu gestalten. "Der raumerfüllende Geruch der Weinbilder hat für mich eine imaginäre skulpturale Dimension", sagt Trattner. Unmittelbar nach der Biennale wird er dem chinesischen Publikum mit einem Teil seiner Bilder  zusammen mit ausgewählten österreichischen Weinen  noch eine Aktion unter dem Motto "blind taste" bieten.


Artikel erschienen am 26. November 2010
in der Kolumne "Werfrings Weinjournal"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 36–37




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Dokument erstellt am 2013-01-21 00:42:26
Letzte Änderung am 2018-02-14 21:45:12


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