• vom 17.05.2013, 08:00 Uhr

Wein

Update: 28.06.2013, 23:33 Uhr

Wiener Journal

Lebenswerk-Ehrung für E. T.




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Von Johann Werfring

  • Werfrings Weinjournal
  • Bei der diesjährigen Verleihung der Vineus-Awards wurde Ernst Triebaumer oder E. T., wie ihn die ganze Weinwelt nach seiner prägnanten Flaschenetikettierung nennt, mit dem Sonderpreis für sein Lebenswerk die hochverdiente Anerkennung zuteil. Ohne Zweifel hat der ebenso bescheiden wie kompromisslos auftretende Weinbauer entscheidend zur Erfolgsgeschichte des österreichischen Rotweines beigetragen.

V.l.n.r.: Laudator Viktor Siegl, Ernst Triebaumer, Ruth Havel (havel & petz), 
Grete Triebaumer und Willi Klinger (Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing GmbH). - © citronenrot

V.l.n.r.: Laudator Viktor Siegl, Ernst Triebaumer, Ruth Havel (havel & petz),
Grete Triebaumer und Willi Klinger (Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing GmbH).
© citronenrot

Die Familie Triebaumer in Rust am Neusiedler See.

Die Familie Triebaumer in Rust am Neusiedler See.© Weingut Ernst Triebaumer Die Familie Triebaumer in Rust am Neusiedler See.© Weingut Ernst Triebaumer

Anfang der Achtzigerjahre genossen zwar die Süßweine vom Westufer des Neusiedler Sees, allen voran der traditionsreiche Ruster Ausbruch, nach wie vor hohes Prestige, die Rotweine, die damals auf den Markt gelangten, waren aber zum weitaus überwiegenden Teil bloß rote Weinchen, die wenig Körper und Tannin ins Glas brachten; das Mittelburgenland mit seinem Pionier Hans Igler und Anton Kollwentz am Leithagebirge waren da schon einen Schritt weiter. Aus dem sehr guten Rotwein-Jahrgang 1983 hat dann Ernst Triebaumer – von Journalisten dazu ermutigt – erstmals "gewagt", einen kraftvollen und tanninreichen Blaufränkischen anzubieten, der auch sofort für einiges Aufsehen gesorgt hat.

Im Jahr 1985 ging er einen Schritt weiter und baute nicht nur seine Toplagen Mariental und Oberer Wald getrennt aus, sondern schulte sie erstmals auch in kleinen, neuen Fässern. Der sogenannte biologische Säureabbau war damals allerdings noch immer ein Fremdwort und blieb es auch, als der ungemein reife Most aus dem großen Jahr 1986 in den Holzfässern landete. Diesem monumentalen Blaufränkischen konnte dies freilich nichts anhaben – er beeindruckte von vornherein jeden Verkoster durch seine Struktur und Tiefe. So war es schließlich kein Wunder, dass er gleich bei drei maßgeblichen Rotwein-Wettbewerben an erster Stelle landete. Dieser Ausnahmewein wurde in der Folge von vielen in- und ausländischen Experten wiederholt mit den anerkannten Größen, etwa dem Hermitage von Jaboulet oder dem Jubiläumswein von Antinori verglichen und war eigentlich jedes Mal der noch bessere; aus perfekt gelagerten Magnumflaschen bereitet er übrigens nach wie vor größtes Trinkvergnügen.

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-© Weingut Ernst Triebaumer -© Weingut Ernst Triebaumer

Vier Kinder und kein Mercedes


Trotz dieses einmaligen Siegeszuges gab es jedoch auch viele Schattenseiten und Fragezeichen den österreichischen Weinbau betreffend, war doch im Sommer 1985 die groß angelegte Pantscherei einiger gieriger Kellereien (endlich) aufgeflogen, die alsbald unter der irreführenden Bezeichnung "Österreichischer Weinskandal" für Schlagzeilen sorgte. Zu dieser Zeit hat Ernst Triebaumer folgerichtig auch seinen beiden älteren Söhnen abgeraten, sich gleich für die Weinwirtschaft zu entscheiden, und sie andere Berufe ergreifen lassen. Die renommierte deutsche Wochenzeitung "Der Spiegel" brachte darüber einen sehr pointierten Beitrag unter dem Titel "Vier Kinder und kein Mercedes", in dem Ernst Triebaumer seine Überlegungen klar und deutlich, wie es eben seine Art ist, darlegte.

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Dokument erstellt am 2013-05-16 15:45:58
Letzte Änderung am 2013-06-28 23:33:23


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