• vom 30.08.2013, 10:07 Uhr

Wein

Update: 29.09.2013, 14:04 Uhr

Mantlerhof

Gefragte Rarität: Roter Veltliner




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Von Johann Werfring

  • Weinjournal
  • Die Stammsorte der sogenannten Veltliner-Familie hat nach heutigem Wissen über Jahrhunderte den österreichischen Weinbau bestimmt. In der Nachkriegszeit dem Aussterben nahe, erlebt der Rote Veltliner dank des Engagements einiger versierter Winzer seine verdiente Renaissance.

Josef Mantler (1910–1987) und dessen Sohn Sepp Anfang der 1980er-Jahre bei der Verkostung von Roten Veltlinern. - © Foto: Mantlerhof, Gedersdorf/Brunn im Felde

Josef Mantler (1910–1987) und dessen Sohn Sepp Anfang der 1980er-Jahre bei der Verkostung von Roten Veltlinern. © Foto: Mantlerhof, Gedersdorf/Brunn im Felde

Der Rote Veltliner und seine Mutanten, etwa der Braune Veltliner, dürften aus dem nördlichen Niederösterreich stammen. Mit dem weit bekannteren Grünen Veltliner ist er eigentlich nicht verwandt und nur über den Rotgipfler genetisch verbunden. In der Nachkriegszeit wurden eine zeitlang Klone forciert, die überaus reichen Ertrag brachten. Deren hellrote Beeren waren aber sehr groß und aufgrund der frühen Reife und der Dichtbeerigkeit dieser Sorte ziemlich fäulnisanfällig. Vor allem diese negative Eigenschaft führte damals zu einem starken Rückgang der einstmals prägenden Rebsorte.

Der Retter des Roten Veltliners war zweifellos Josef Mantler aus Gedersdorf/Brunn im Felde, der sich nach dieser Fehlentwicklung wieder auf die Tugenden dieser Sorte besann und Bemühungen unternahm, anstelle der erwähnten Klone wieder die alte dunkelbeerige Spielart in seinem Betrieb zu vermehren. Sein Wirken war von Erfolg gekrönt, wie auch legendäre Weine aus Jahrgängen wie 1954, 1959 oder 1977 eindrucksvoll bewiesen, doch war er vorerst ziemlich auf sich allein gestellt; erst Mitte der 1990er Jahre setzte eine zarte Renaissance des Roten Veltliners ein.


Auch sein Sohn und Nachfolger im Mantlerhof, Sepp Mantler, gewinnt bis heute immer wieder bemerkenswerte Rote Veltliner, und zwar ohne den Botrytiseinfluss, für den diese Rarität einst bekannt war. Vor allem die Selektionen von der Gedersdorfer Ried Reisenthal beeindrucken durch Saft und Kraft und beispielhafte Vitalität.

Das rote Kernland

Die heutigen Hauptanbaugebiete des Roten Veltliners liegen allerdings etwas weiter östlich, wo sich die eindrucksvolle Löss-Stufe des Wagrams aus dem Tullnerfeld erhebt. Auch nördlich davon, im schon zum Weinviertel gehörenden alten Weinort Hohenwarth hat der Rote Veltliner Tradition. Hervorzuheben sind hier das Weingut Hofbauer-Schmidt, dessen Rote Veltliner Alte Reben mit Orangenfrucht und cremiger Art bestechen und vor allem jenes von Hans Setzer, der sich zum Spezialisten für diese Rarität gemausert hat und diese aus dem Jahrgang 2012 gleich in drei Varianten anbietet. Herausragend ist der Wein aus der Ried Kreimelberg, der dieser Sorte, die im Allgemeinen eine verhaltene Primärfrucht aufweist, einen wahren Obstkorb an Fruchtnuancen entlockt. In besonders geeigneten Jahrgängen keltert Setzer zuweilen auch Dessertweine.

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Dokument erstellt am 2013-08-29 10:57:22
Letzte Änderung am 2013-09-29 14:04:20


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