• vom 25.04.2014, 12:10 Uhr

Wein

Update: 30.10.2016, 23:54 Uhr

Weinjournal

Wiener Lagenklassifizierung:
"Nägel mit Köpfen machen"




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Von Johann Werfring

  • Im mondänen Ritz-Carlton Vienna Hotel zogen die Winzer der elitären WienWein-Gruppe bei ihrer diesjährigen Jahrespräsentation Bilanz des bisherigen gemeinschaftlichen Wirkens, erläuterten Zukunftsperspektiven und stellten ein neues Mitglied vor.

Das neue Mitglied der Wien Wein - Gruppe stammt aus einem Haus mit einem der wienerischsten Namen: Neu aufgerückt in die rund um Präsident Fritz Wieninger (noch wienerischer geht’s wohl nimmer) versammelten Topweingüter ist heuer Thomas Huber vom Weingut und Buschenschank Fuhrgassl-Huber in Neustift am Walde. Wie es in Neustift – zur Unterscheidung von Ortsbewohnern gleichen Namens – von alters her üblich ist, wurde einst auch dem Anwesen des neuen WienWein-Mitglieds ein besonderer Hausname verpasst. Der Fuhrgassl-Huber heißt so wie er heißt, weil sich gleich neben der Buschenschank das "Fuhrgassl" befindet.

Vor 41 Jahren von Ernst und Gerti Huber gegründet, mauserte sich der Fuhrgassl-Huber zu einem der bekanntesten Heurigen Wiens. Der neue WienWein-Akteur Thomas Huber absolvierte 2010 die Weinbauschule Krems und übernahm den 31-Hektar-Weinbaubetrieb vom Großvater Ernst Huber, der ihm auch weiterhin als Berater zur Seite steht. Von seinen arrivierten WienWein-Kollegen wird dem 22-Jährigen ein beachtliches Talent attestiert. Infolge des Neuzugangs von Huber entfallen von insgesamt 660 Hektar Wiener Rebfläche nun 261 Hektar auf Weingärten von WienWein.

Was die bisherigen Aktivitäten von WienWein anbelangt, so ist vor allem die Erfolgsgeschichte des von der Gruppe initiierten "Wiener Gemischten Satzes" bemerkenswert. Niemand zuvor hatte den Stellenwert des Gemischten Satzes als Edelqualität in einer solchen Weise herausgestellt, wie es die Winzer der Gruppe WienWein getan haben. Nachdem man sich seit Gründung der Vereinigung im Jahr 2006 freiwillig selbst strenge, verbindliche Richtlinien verordnet hatte, konnte für den "Wiener Gemischten Satz" mittlerweile der DAC-Status erreicht werden. Mit dem aktuellen Jahrgang 2013 gibt es vom "Wiener Gemischten Satz" nun erstmals zertifizierte DAC-Weine.

Bezüglich des aktuellen Jahrgangs erklärte WienWein-Winzer Rainer Christ (Jedlersdorf), "dass wir 2013 allesamt stark gefordert wurden". Es sei eine spezielle Herausforderung gewesen, die Gesundheit der Trauben zu erhalten. Bei entsprechender weingärtnerischer Sorgfalt sei jedoch ein spannender Jahrgang zu erzielen gewesen.

"Der Wiener Gemischte Satz ist unsere Antwort auf die Klimaverschiebung", vermerkte Vereinspräsident Fritz Wieninger. Weil im kunterbunten Sortenmix des Wiener Gemischten Satzes auch entsprechend säurebetonte Sorten vorhanden sind, gerät der Wein auch in warmen Jahren nicht überreif und lasch, so Wieninger. Thomas Podsednik (Weingut Cobenzl) wiederum ist besonders stolz darauf, dass der "Wiener Gemischte Satz" als einziger österreichischer Wein mit dem Slow Food-Gütesiegel "Presidio" ausgezeichnet ist. 130 Hektar Rebfläche sind in Wien derzeit mit "Wiener Gemischtem Satz" bestockt, was rund 25 Prozent der Weißweinfläche und 20 Prozent der gesamten Rebfläche entspricht.

Hinsichtlich der Arbeitsvorhaben für die kommenden Jahre erklärte Wien-Wein-Winzer Michael Edlmoser (Mauer): "Wir wollen für Wien Lagenklassifizierungen erwerben". Es sei eine große Aufgabe, die großen Lagen des Weinbaugebiets herauszuarbeiten. Man müsse europaweit Einheitlichkeit erzielen, irgendwann solle es einem Kunden in einem Restaurant in New York möglich sein ein "Großes Gewächs" aus Rheinhessen und ein "Großes Gewächs" aus Wien zu ordern. Jedoch sei die Lagenklassifierung ein längerfristiges Projekt und es werde noch Jahre dauern. Man sei diesbezüglich auch im Gespräch mit Winzerkollegen aus anderen österreichischen Weinbaugebieten. "Wir wollen weg von der Zuckerpyramide mit den höchsten Gradationen an der Spitze, hin zur Lagenklassifizierung", vermerkte dazu Präsident Fritz Wieninger. Was bedeutet, dass unabhängig von der Gradation der Weine die definierten Lagen mit ihren Gewächsen qualitativ an der Spitze stehen sollen. Wieninger weiter: "Wir wollen Nägel mit Köpfen machen – wenn das jemand über die Bühne bringt in der Stadt, dann sind wir das.

Print-Artikel erschienen am 25. April 2014
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 36–37





Schlagwörter

Weinjournal, Wein, DAC

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Dokument erstellt am 2014-04-25 12:05:42
Letzte nderung am 2016-10-30 23:54:46



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