• vom 13.05.2014, 13:30 Uhr

Wein

Update: 13.05.2014, 14:30 Uhr

Weinjournal

Die Gewächse Pannoniens




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Von Johann Werfring

  • Rund 25 Jahre ist es her, seit mit dem politischen Umbruch in Ungarn auch die Weinszene eine Wende zum Besseren genommen hat. Dennoch werden die besten ungarischen Gewächse – sieht man einmal vom weithin bekannten Tokajer ab – in Österreich nach wie vor kaum wahrgenommen. Der folgende Überblick fokussiert vor allem auf jene Rebsorten, die als autochthone ungarische gelten können.

Beginnen wir ganz im Osten mit dem Furmint, der zu 97 Prozent im Tokajer Hügelland kultiviert wird und dort nicht nur für den berühmten Ausbruch, sondern auch für eine Reihe trockener Weine verantwortlich ist, wobei die besten Exemplare stolz die Einzellagen auf dem Etikett anführen. Der Furmint liefert sehr gediegene, körperreiche Weine von hohem Extrakt und nerviger Säurestruktur, allerdings bringt er nicht jene leicht verständliche Primärfrucht zur Geltung wie beispielsweise der Riesling oder der Grüne Veltliner – dafür versteht er aber im Allgemeinen blendend zu reifen. Für überaus verlässliche trockene Furmint-Qualitäten bürgen beispielsweise die Tokajer Erzeuger Istvan Szépsy und Zoltán Demeter oder das Weingut Disznokő. In Österreich sind übrigens in der Freistadt Rust rund zehn Hektar mit Furmint bestockt, aus denen beispielsweise die Weingüter von Michael Wenzel und Heidi Schröck Jahr für Jahr beachtliche trockene Weißweine hervorbringen.

Ebenfalls in Tokaj, aber auch im Debrő-Distrikt des Berglands rund um Eger, ist der Hárslevelű (deutsch: Lindenblättriger) beheimatet. Er ist in der Jugend schon etwas zugänglicher sowie blumiger und sanfter strukturiert als der Furmint – nicht selten wird er auch als Juniorpartner in der Cuvée mit diesem verwendet. Verlässliche Produzenten sind etwa die Weingüter Demeter, St. Andrea und Bock, und im Burgenland befasst sich Josef Umathum versuchsweise mit dieser hierzulande seltenen Rebsorte.


Weiße Raritäten rund um den Plattensee

Was die weißen Raritäten rund um den Plattensee betrifft, so wäre an erster Stelle der legendäre Kéknyelű, auf Deutsch Blaustängler, zu erwähnen, der vorwiegend am Nordufer des Plattensees, rund um Badacsony angebaut wird.  Infolge seiner kapriziösen Eigenschaft, sich kaum befruchten zu lassen, fristet er indes nach wie vor ein Nischendasein. Eine interessante Kreszenz, die von tiefer Kräuterwürze und nahezu stahliger Textur getragen wird, hat beispielsweise der rührige Innovator Huba Szeremley in seinem Repertoire.

Etwas nordwestlich des Balaton, und zwar rund um die beiden Vulkankegel von Somló, das den meisten Gourmets wohl eher als Namensgeber für die verführerische Süßspeise Schomlauer Nockerln bekannt sein dürfte, gedeiht der seltene Juhfark (deutsch: Lämmerschwanz), dessen zarte Aromen an Kamille und Melisse erinnern – ein weicher, dezenter, bisweilen in der Jugend nahezu neutraler Wein, der aber gutes Lagerpotenzial besitzt. Verlässliche Qualitäten produzieren daraus die Weingüter Györgykovács, Kreinbacher und Inhauser sowie das Weingut Meinklang, dessen Betriebssitz ja im burgenländischen Seewinkel liegt. An dieser Stelle sei auch noch auf einen überaus individuellen und originellen Blend namens "Super Granum" des an der Donau gelegenen Weingutes Bott verwiesen, der aus Gemischtem Satz von Furmint, Lindenblättrigem und Lämmerschwanz gekeltert und neun Monate im Barrique ausgebaut wird; der gegenständliche Weingarten befindet sich übrigens schon in der benachbarten Slowakei.

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Dokument erstellt am 2014-05-13 12:03:20
Letzte Änderung am 2014-05-13 14:30:13


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